Dienstag, April 14, 2026

Pilnacek-Prozess: Polizeidirektor bringt Chefinspektor in Schwierigkeiten

Der Pilnacek-Verbotsprozess wurde am Dienstag fortgesetzt: Chefinspektor Fellner fehlte, für Polizeidirektor Popp hätten Ermittler alles richtig gemacht. Richter Potmesil stellte jedoch eine entscheidende Frage: “Warum wurde die Smartwatch angeschaut, das Handy aber nicht?”

Der dritte Prozesstag begann mit einer Überraschung: Der derzeit vielleicht wichtigste Zeuge in den Ungereimtheiten in den Pilnacek-Ermittlungen – der St. Pöltner Chefinspektor Hannes Fellner – ließ sich krankheitsbedingt kurzfristig entschuldigen. Drängenden Fragen zur Smartwatch und warum die Ermittler im Gegensatz zum IT-Experten der Justiz keinerlei “relevanten” Daten gefunden haben wollen, entging Fellner somit vorerst.

Dafür sagte erstmals der vierte Buch-Kläger aus – Niederösterreichs Landespolizeidirektor Franz Popp. Neben ihm wollen bekanntlich Bundespolizeidirektor Michael Takacs, LKA-Chef Stefan Pfandler und eine Postenkommandantin das Buch “Pilnacek – der Tod des Sektionschefs” gerichtlich verbieten lassen. Popp glänzte in seiner Befragung vor Richter Daniel Potmesil vor allem durch Unkenntnis der Ermittlungsakten, aber einem pauschalen Vertrauensvorschuss, dass alles richtig abgelaufen sei.

Polizeidirektor Popp von Smartwatch-Pannen unbeeindruckt

Am Todestag von Christian Pilnacek sei er in der Früh um 8:30 Uhr von Bundespolizeidirektor Michael Takacs telefonisch erstmals über das Ableben des Sektionschefs informiert worden. Er habe dann den Bezirkspolizeikommandanten von Krems kontaktiert, sei in weitere Ermittlungsschritte aber nicht eingebunden gewesen. Gegen 10 Uhr habe er im Zuge einer anderen Dienstbesprechung über Anfragen an den anwesenden Pressesprecher mitbekommen, dass Selbstmord im Raum gestanden sei. Er wisse aber nicht, wie diese These weiter nach außen drang.

“Es hat Spekulationen gegeben”, sagte Popp auf Nachfrage des Richters Daniel Potmesil, was am Todestag zu den Todesumständen bekannt war. “Auf Spekulationen lasse ich mich aber nicht ein.” Potmesil fragte nach: “Wenn man sich nicht an Spekulationen beteiligt, wieso wurde dann das Handy herausgegeben? Wenn man es nicht weiß, warum agiert man dann so, als wäre es schon klar?” Popp: “Das müssen Sie die Ermittler von vor Ort fragen.”

Keine Kenntnis hatte Popp vom Umstand, dass sich – neben Witwe Caroline List und ihrem Anwalt – am Todestag Christian Pilnaceks mit dem Bruder und einer Tochter zwei weitere, nahe Angehörige direkt bei seiner Landespolizeidirektion meldeten. Wieso das Handy anschließend im Eilverfahren an List ging und nicht an die andere enge Verwandte, konnte Popp nicht erörtern.

Handy und Watch

Potmesil brachte schließlich einen zentralen Widerspruch der Ermittlungsvorgänge auf den Punkt: “Eine Frage stelle ich mir die ganze Zeit: Wieso hat man die Smartwatch angeschaut, das Handy aber nicht?” Eine Erklärung dafür hatte Popp nicht. Eine Sicherstellung des Handys hätte ein Amtsmissbrauch sein können, meinte Popp. Und die erfolgte Sicherstellung der Smartwatch – ohne Auftrag und ohne Bericht an die Staatsanwaltschaft – nicht? Auch auf diese Frage wusste Popp keine Antwort.

Und so ging es weiter: Weder habe der Landespolizeidirektor jemals den Abschlussbericht zu Gesicht bekommen, noch kenne er den jüngsten, brisanten IT-Bericht zur Smartwatch. Er vertraue weiterhin den “Ermittlern vor Ort.” Er habe bislang deshalb auch keinerlei internen Maßnahmen gesetzt, nachdem Versäumnisse und mögliche Daten-Manipulationen bei der Smartwatch-Auswertung bekannt geworden waren.

Auch ein Detail aus Popps schriftlicher Klage gegen das Pilnacek-Buch fiel vor Gericht auf: Wörtlich bemängelt der Polizist angebliche, ihn betreffende Passagen auf den Seiten 127 bis 128. Schlägt man dort nach, finden sich dort keines der Zitate aus seiner Klage. Takacs hatte das Pilnacek-Buch nicht gelesen, Popp möglicherweise seine eigene Klage.

Er fühle sich jedenfalls vom Buch verunglimpft, sei von Bekannten und seinen Kindern darauf angesprochen worden, weshalb er vor Gericht gezogen sei.

Auftritt des Kurz-Anwaltes

Generell war die Stimmung im Gerichtssaal aufgeladen. Der Anwalt der klagenden Polizisten, Peter Zöchbauer, beeinspruchte wiederholt die Fragen von ZackZack-Herausgeber Peter Pilz. Sichtlich entnervt stellte der Richter fest: „Das Verfahren dauert ewig, wenn die Zulässigkeit jeder Frage bestritten wird. Ich komme mir langsam vor, wie in einem amerikanischen Film, wo es bei jeder Frage heißt, „Einspruch euer Ehren!“ Dann ließ der Richter die Pilz-Fragen zu.

Einen kurzen, aber durchaus bemerkenswerten Auftritt hatte Dienstagvormittag auch Otto Dietrich, Anwalt von Sebastian Kurz, der ebenfalls als Zeuge aussagte. Dietrich musste erklären, warum sein Mandant schon am 20. Oktober von einem Suizid Pilnaceks sprach, obwohl damals noch kein entsprechender Bericht vorlag. Laut Angabe Dietrichs bekam der Anwalt eine entsprechende Nachricht von zwei Journalisten: “Pilnacek angeblich tot, Suizid”, soll die erste Nachricht gelautet haben. Welche Journalisten so früh in die Vorgänge am Fundort der Leiche Pilnaceks eingeweiht waren, wollte Dietrich auch nach mehrmaliger Nachfrage nicht preisgeben.

Der Prozess wird am 20. Oktober um 09:30 Uhr im Saal 303 des Wiener Landesgerichts fortgesetzt. Dann wird unter anderen der am Dienstag plötzlich erkrankte ehemalige Chefinspektor Hannes Fellner im Detail erklären müssen, weshalb die Smartwatch vom Landeskriminalamt ohne brauchbares Ergebnis ausgewertet wurde, das Handy jedoch nicht.


Titelbild: ZackZack

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