Samstag, Dezember 13, 2025

72.000€ zusätzlich: Mahrers Wirtschaftsbund-Gehalt schlägt alle

Harald Mahrer räumte in Interviews ein, dass er neben dem WKO-Gehalt auch über den ÖVP-Wirtschaftsbund 6.000 Euro monatlich erhält. Ein Rundruf bei den anderen Fraktionen zeigt: Keine andere Partei zahlt so viel an Obleute, fast alle verzichten vollständig.

Als Harald Mahrer vergangene Woche in der WKO-Gehaltsdebatte unter Druck geriet, legte der Präsident eine bemerkenswerte Zusatzzahlung offen: Nicht nur über die WKO (15.000 Euro monatlich) und die Nationalbank (88.000 Euro jährlich) kassiert Mahrer öffentliche Bezüge – auch über den ÖVP-Wirtschaftsbund erhält der Mulitfunktionär 6.000 Euro monatlich.

Wegen anhaltender Kritik legte Mahrer am Montag seine Funktion in der Nationalbank zurück. Damit legte Mahrer gewissermaßen eine Flucht nach vorne hin – immerhin wird die Zulässigkeit beider Bezüge 2026 auch vom Rechnungshof unter die Lupe genommen.

Was weiterhin bleibt ist Mahrers jüngst bekannt gewordener Bezug vom ÖVP-Wirtschaftsbund. Dieser ist eine Teilorganisation der Partei, gleichzeitig größte Fraktion in der Wirtschaftskammer und wird auch maßgeblich über diese finanziert. Offen blieb bislang, ob die Vorsitzenden der anderen Fraktionen für ihre Tätigkeit Bezüge kassieren.

SPÖ, FPÖ und NEOS verzichten vollständig, Grüne zahlen – allerdings weniger

ZackZack telefonierte alle politischen Gruppen in der Wirtschaftskammer durch und kam auf ein interessantes Ergebnis: Die Fraktionen von SPÖ (Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband), FPÖ (Freiheitliche Wirtschaft) und Neos (Unos) verzichten gänzlich auf eine Funktionsentschädigung für ihre Obleute, nur bei den Grünen gibt es einen Zuschuss – der ist allerdings weit geringer als beim ÖVP-Wirtschaftsbund und Mahrer.

“Die Antwort ist einfach: Wir zahlen gar keine Funktionsentschädigungen und waren selbst überrascht über die Zahlung beim Wirtschaftsbund”, so eine Sprecherin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands zur Frage, wie viel Präsident Bernd Hinteregger erhält. Von den liberalen Unos heißt es: “Unser Obmann Michael Bernhard bekommt weder von der WKO, noch von uns etwas.”

Die Freiheitliche Wirtschaft teilt mit: “Herr Bundesobmann Matthias Krenn bezieht keine Bezüge von der Freiheitlichen Wirtschaft. Seine Tätigkeit ist ehrenamtlich.” Zu erwähnen ist allerdings, dass Krenn Vizepräsident in der WKO ist, hier erhält er laut WKO-Tabelle zwischen 6.800 und 7.500 Euro. Einen Zuschuss von der politischen Fraktion wie bei Mahrer gibt es allerdings nicht.

Ein Gehalt für ihre Obfrau zahlt neben dem ÖVP-Wirtschaftsbund nur die Grüne Wirtschaft, die das im Fall von Sabine Jungwirth auf Anfrage genau aufdröselt: 3.400 Euro, zwölfmal im Jahr, gebe es von der Grünen Wirtschaft als “Funktionsentschädigung.” Das erhalte Jungwirth neben ihren WKO-Einkünften als Bundesspartenobfrau, dafür gebe es 2.652,75, teilt ein Sprecher mit. Macht also insgesamt 6.052,75, zwölfmal im Jahr.

ZackZack fragte beim ÖVP-Wirtschaftsbund nach, wie man die großzügige und beispiellose Funktionsentschädigung von jährlich 72.000 Euro für Harald Mahrer zusätzlich zu seinem Bezug als WKO-Präsident begründet – eine Antwort steht bislang aus.

Woher die Fraktionen ihr Geld bekommen

Die Fraktionen in der Wirtschaftskammer finanzieren sich größtenteils durch die sogenannte Wählergruppen-Förderung der Wirtschaftskammern. Nicht nur bundesweit, sondern auch in allen Ländern werden je nach Wahlergebnis bei den Wirtschaftskammerwahlen Gelder an die angetretenen Fraktionen ausgeschüttet. Da der ÖVP-Wirtschaftsbund 2025 nicht nur bundesweit, sondern auch in allen Bundesländern über 50 Prozent erreicht hatte, darf er sich über den Großteil der Wählergruppen-Förderung freuen. Über 15 Millionen Euro konnte der Wirtschaftsbund von der Kammer laut Standard im Jahr 2024 lukrieren.

Weitere Gelder lukrieren die Fraktionen über Mitgliedsbeiträge und sonstige Einnahmen, wie beispielsweise Inserate aus parteieigenen Medien. So kostet eine Mitgliedschaft beim Wirtschaftsbund für ein Unternehmen in Oberösterreich je nach Größe zwischen 65 und 4.500 Euro im Jahr.

Mit Einnahmen von über 23 Millionen Euro ist der Wirtschaftsbund die finanzkräftigste Teilorganisation der ÖVP. Bei den letzten Wirtschaftskammerwahlen verlor die Partei aber gewaltig, die Freiheitlichen Gewerkschafter konnten hingegen zulegen.


Autoren

  • Thomas Hoisl

    Ist seit April 2024 bei ZackZack. Arbeitete zuvor u.a. für "profil". Widmet sich oft Sicherheitsthemen oder Korruptionsfällen.

  • Daniel Pilz

    Redakteur bei ZackZack. Studierte Philosophie an der Uni Wien und schreckt auch vor komplexen Themen nicht zurück.

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