Samstag, Januar 17, 2026

Volksanwalt konfrontiert Innenminister: „Aufklärung im Fall Pilnacek aktiv verhindert“

In einer Pressekonferenz zum Prüfungsverfahren der Ermittlungen in der „Causa Pilnacek“ verortete Volksanwalt Christoph Luisser Fehler bei der Zeugeneinvernahme. Der Baggerfahrer, der den Leichnam fand, wurde nie einvernommen.

Innenminister Gerhard Karner hat den Zwischenbericht der Volksanwaltschaft zur amtswegigen Prüfung der Pilnacek-Ermittlungen mittlerweile am Schreibtisch liegen. Volksanwalt Christoph Luisser, ehemaliger FPÖ-Landesrat in Niederösterreich, kritisiert darin die Ermittlungen der niederösterreichischen Kriminalpolizei im Fall Pilnacek in mehreren Punkten.

Zuletzt beklagte sich der freiheitliche Volksanwalt darüber, für seine Überprüfung kaum Akten aus dem Innen- und Justizministerium bekommen zu haben. Jetzt geht er in die Offensive und beanstandete die Ermittlungen in entscheidenden Punkten.

Zeugen nicht befragt

Luisser verortete grobe Versäumnisse bei der Einvernahme von Zeugen. So wurde etwa der Baggerfahrer, der am 20. Oktober 2023 um 7:51 Pilnaceks Leichnam in einem Altarm der Donau gefunden und gemeldet hatte, nicht zu seinen sonstigen Wahrnehmungen einvernommen. Dabei war der Baggerfahrer bereits seit 06:00 in der Früh am Tat- oder Unfallort im Einsatz.

Der ehemalige Justiz-Sektionschef war mit großer Wahrscheinlichkeit erst in den frühen Morgenstunden verstorben. Luisser sagte dazu auf der Pressekonferenz: „Es gibt also Hinweise, dass der Sektionschef erst kürzlich gestorben war und obwohl Zeugen vor Ort waren, wurden die Zeugen nicht einvernommen.“

Lückenhafte Spurensicherung

Die Umgebung des Auffindungsortes der Leiche wurde Luisser zufolge nicht ordentlich untersucht. Insbesondere auf organische Spuren, wie zum Beispiel Rückstände von Blut hätte man in der Spurensicherung höheren Wert legen sollen: „Der Leichnam von Pilnacek weist beträchtliche Verletzungen auf. Es tritt Blut aus. Dennoch wurde nicht technisch oder mit chemischen Mitteln der Versuch unternommen, die Umgebung auf Spuren abzusuchen. Ich beanstande diese Unterlassung.“

Insgesamt seien laut Luisser nur “Alibi-Ermittlungen” geführt worden. Entscheidende Fragen bleiben deshalb nach wie vor offen.

Fragen an Innenminister

Akten aus dem Innen- und Justizministerium habe die Volksanwaltschaft für ihre amtswegigen Prüfung des Falles Pilnacek nur sehr spärlich geleifert bekommen. Man habe jedoch einen Lokalaugenschein am Tatort vorgenommen und Akteneinsicht vor Ort genommen.

Innenminister Gerhard Karner habe man zu den Versäumnissen in den Ermittlungen einen Zwischenbericht übermittelt, der einige Fragen an den Minister enthält. Neben der Kritik an der Spurensicherung und der mangelnden Zeugenbefragung möchte Luisser von Karner wissen, warum man ohne objektive Grundlage von Anfang an von Suizid ausging und warum man das Handy von Pilnacek noch am selben Tag an dessen Witwe übergab, die Smartwatch jedoch nicht. „Ich erwarte mir vom Innenminister, dass er seiner Aufgabe nachkommt und seine Arbeit macht“, so der Volksanwalt.


Titelbild: ZackZack

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