Samstag, Januar 24, 2026

Jahr der Prozesse 2026: Wöginger, Benko, Mahrer & FPÖ-Graz

Das Jahr 2025 brachte Spitzen aus Politik und Wirtschaft in Bedrängnis. Im Jahr 2026 werden in den Prozessen gegen Mahrer, Benko, Wöginger und Co. viele spannende Entscheidungen fallen. Auch für ZackZack geht es 2026 um viel.

Das kommende Jahr ist ein ungewöhnliches für die österreichische Politszene. Die Regierungsparteien in Bund und Ländern bekommen 2026 eine Atempause, weil in diesem Jahr keine einzige größere Wahl in Österreich bevorsteht. Erst 2027 muss die regierende ÖVP bei den Landtagswahlen in Tirol und Oberösterreich zeigen, ob sie die blaue Welle in Österreich stoppen und ihre Landeshauptmänner verteidigen kann.

Bis dahin wird eine Reihe von Prozessen gegen prominente Politiker und Wirtschaftstreibende zeigen, ob der österreichische Rechtsstaat überall mit gleicher Härte vorgeht. Vor allem die Volkspartei wird gespannt auf die Ergebnisse der Prozesse warten.

Mit August Wöginger und Karl Mahrer müssen gleich zwei ÖVP-Spitzenmänner auf der Anklagebank Platz nehmen. Doch auch für FPÖ und SPÖ könnten die erwarteten Prozesse unangenehm werden.

Causa Wienwert: Mahrer und Nevrivy

Den Auftakt werden die Gerichtsverhandlungen in der „Causa Wienwert“ machen. Schon in der zweiten Jännerhälfte geht es am Landesgericht Wien los. Dann kann Karl Mahrer, bis 2024 Chef der Wiener ÖVP, auf der Anklagebank erklären, wofür seine Frau vom Immo-Unternehmen „Wienwert“ 84.000 Euro bekam und warum Mahrer selbst mehrere Termine für das Unternehmen seiner Frau wahrnahm. Die WKStA erkannte für die Zahlungen keine erkennbare Gegenleistung und klagte Mahrer wegen Beitrags zur Untreue an. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die „Causa Wienwert“ ist nicht nur für den ehemaligen Wiener ÖVP-Vorsitzenden unangenehm. Ebenfalls angeklagt ist der Bezirksvorsteher des 22. Wiener Gemeindebezirks, Ernst Nevrivy (SPÖ). Er soll dem damaligen Wienwert-Chef Stefan Gruze den geplanten Standort einer Remise der Wiener Linien verraten haben. Gruze kaufte dann das Grundstück und verkaufte es dann deutlich teurer an die Stadt weiter – der Schaden für die öffentliche Hand beläuft sich nach Ansicht der Ankläger auf über 800.000 Euro. Im Gegenzug soll Nevrivy laut WKStA von der Wienwert Fußballtickets und 36.000 Euro für eine lokale Musikkapelle erhalten haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Egisto Ott und die russischen Spione

Ein aufsehenerregender Prozess beginnt im Jänner 2026 auch für den ehemaligen Verfassungsschützer Egisto Ott. Dieser soll laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien heikle Informationen an russische Nachrichtendienste weitergegeben haben. Eine umfangreiche Anklageschrift belastet Ott mit vielen Details. Ott bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wögingers Postenschacher

Zu früh gefreut haben sich Kanzler Christian Stocker und dessen Generalsekretär August Wöginger. Letzterer war wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch von der WKStA angeklagt worden, weil er einen Parteifreund trotz schlechterer Qualifikation ins Amt des Leiters des Finanzamts in Braunau gehievt hatte. Die zwischenzeitlich erzielte Diversion wurde nach massivem öffentlichen Druck und einer Aktion zur Einschaltung der Generalprokuratur, die von ZackZack initiiert wurde, im November 2025 wieder aufgehoben.

Nun muss sich Wöginger, der im Landesgericht Linz bereits “Fehlverhalten” zugegeben hat, aber den Amtsmissbrauch nach wie vor bestreitet, ab Februar erneut in Linz vor Gericht verantworten. Die WKStA spricht vom Verdacht „schwerer Schuld“. Für August Wöginger gilt die Unschuldsvermutung.

Benkos Prozessreigen

Eine Vielzahl an Prozessen hat René Benko vor sich. Nach dem Zusammenbruch seines SIGNA-Imperiums sitzt Benko seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft. Zuletzt wurde er am 10. Dezember 2025 wegen der Schädigung von Gläubigerinteressen zu 15 Monaten bedingter Haft nicht rechtskräftig verurteilt.

Es wird erwartet, dass die umfassenden Ermittlungen gegen den Ex-SIGNA-Boss zu weiteren Anklagen führen. Die WKStA ermittelt wegen Untreue, betrügerischer Krida und schweren Betrugs. Das Jahr 2026 wird für den Immo-Spekulanten richtungsweisend sein. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Grazer FPÖ-Skandal

Mit Spannung wird auch die Fortsetzung im Grazer Finanzskandal der FPÖ erwartet. Neben dem ehemaligen Vizebürgermeister Mario Eustacchio ist mit Landeshauptmann Mario Kunasek ein weiterer prominenter Freiheitlicher als Beitragstäter angeklagt. Die stockenden Ermittlungen zu den verschwundenen Geldern aus der freiheitlichen Parteikasse in Graz sind selbst zum Gegenstand von Ermittlungen geworden.

Zunächst wurde der Fall nach langer Untätigkeit aus Graz abgezogen. Auch die erste Klagenfurter Staatsanwältin tat einige Zeit so gut wie nichts. Gegen sie wurde daher von der Staatsanwaltschaft Wien ein Verfahren wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch eingeleitet, das teilweise eingestellt wurde.

Seit ein Klagenfurter Staatsanwalt die Ermittlungen leitet, kommt Bewegung in die Sache. Hauptbelastungszeuge Alexis Pascuttini wurde am 9. Dezember endlich einvernommen, weitere Einvernahmen folgen. Nicht befragt werden konnte der ehemalige Büroleiter Eustacchios. Er starb im Jahr 2024 unter mysteriösen Umständen. Zu ersten Anklagen könnte es im Frühjahr 2026 kommen. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Pilnacek-Ermittlungen

Mit Spannung erwartet wird auch die mögliche Wiederaufnahme der Pilnacek-Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Eisenstadt. Wegen möglicher Befangenheit war der StA Krems die “Causa Pilnacek” entzogen worden. Neueste Hinweise zu Daten auf Pilnaceks Smartwatch aus einem Gespräch zwischen einem IT-Experten der Justiz und der fallführenden Staatsanwältin werfen neue Fragen auf. So wurden von der Smartwatch mitten in der Nacht “markante Handgelenksbewegungen” registriert – 30 Sekunden vor dem Kontakt mit dem Wasser. Der Sturzmesser des Geräts sei jedoch nicht aktiv geworden, wie der Standard berichtete.

Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die Staatsanwaltschaft Eisenstadt nicht alles unternimmt, um den Fall “Pilnacek” aufzuklären. Dazu wird ZackZack-Herausgeber Peter Pilz in seinem zweiten Pilnacek-Buch “Spuren im Schlamm” im Februar 2026 Details veröffentlichen.

Auch ZackZack erwartet 2026 ein wichtiges Verfahren. Das Oberlandesgericht Wien wird über die ZackZack-Berufung gegen die Einziehung des Pilnacek-Buchs “Der Tod des Sektionschefs” entscheiden. Zahlreiche Dokumente, die kurz nach der Entscheidung der ersten Instanz aufgetaucht sind, werden von ZackZack dem OLG vorgelegt.

Es gilt die Rechtsstaatsvermutung.


Titelbild: APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER (Mahrer), APA-Images / APA / FOTOKERSCHI.AT (Wöginger)

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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