Dienstag, Mai 19, 2026

“Marionette”, “Hampelmann”: FPÖ-Vilimsky tobt gegen Ungarns künftigen Regierungschef

Katerstimmung bei der FPÖ: Ihr Vorbild Viktor Orbán wurde kolossal abgewählt. Kurz zuvor beschimpfte Harald Vilimsky den künftigen Regierungschef des Nachbarlandes als “politischen Falotten” und “Hampelmann”.

Gleich zu neunt war die FPÖ am Sonntag nach Budapest gereist, um die Wahl im Nachbarland Österreichs zu beobachten. Für gewöhnlich illustrieren die Blauen ihre zahlreichen Ungarn-Besuche in den sozialen Medien mit Fotos und Videos, zuletzt etwa beim von konservativen Orbán-Event „CPAC“, zu dem auch Parteichef Herbert Kickl anreiste.

Seit gestern Abend war von den neun Blauen aus Budapest allerdings nicht mehr viel zu hören. Der Grund liegt auf der Hand: Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei wurden kolossal abgewählt, Herausforderer Peter Magyar erhielt über 53 Prozent der Stimmen – bei gleichzeitig historisch hoher Wahlbeteiligung.

Auffällig war und ist, wie stark die FPÖ bis zuletzt für Orbán – auch im europäischen Vergleich – in die Bresche sprang und wie schwer sich die Partei nun tut, mit dem Verlust ihres politischen Vorbilds umzugehen.

Wüste Beschimpfungen vor Erdrutschsieg

Noch am Morgen der Wahl holte der freiheitliche EU-Langzeitabgeordnete Harald Vilimsky auf der Plattform X zu einer Beschimpfungstirade gegen den Orban-Herausforderer aus. Magyar sei “eine Marionette”, ein “Hampelmann der Brüsseler Eliten”, Vilimsky glaube nicht dass “die stolzen Ungarn einem solchen politischen Falotten auf den Leim gehen” werden.

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Mittlerweile steht fest, dass 3,1 von 5,8 Millionen wahlberechtigten Ungarinnen und Ungarn ihr Kreuz beim proeuropäischen Kandidaten gemacht haben. Von Vilimsky war am Wahlabend dann nicht mehr viel zu hören; er teilte lediglich das pessimistische Posting des FPÖ-nahen Publizisten Bernhard Heinzlmaier, in dem dieser schrieb: „Ich habe Europa schon vor Jahren aufgegeben. Ungarn war nur eine Illusion, ein Hoffnungsort für unsere Träume.“

Aufgefallen sind die Freiheitlichen während des Wahltages hingegen mit einem Posting, bei dem es sich um eine Mischung aus haltlosen Vorwürfen und Fake News handelte. Der Wiener FPÖ-Klubobmann verbreitete einen kurzen Text über angeblich erwiesenen Kokainkonsum Magyars sowie eine angebliche „Verurteilung“ wegen Gewalt gegen seine Ex-Frau, eine Fidesz-Politikerin.

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Die Vorwürfe halten keinem Faktencheck stand; sogar das KI-Tool „Grok“ der Musk-Plattform X machte – auf das Posting angesetzt – auf die vielen Fehler darin aufmerksam. Der vom FPÖ-Politiker kopierte, wortgleiche Hetz-Beitrag hatte sich zuvor auf verschiedensten rechten Kanälen verbreitet.

Die FPÖ, die in den letzten Wochen selbst mehrfach Stimmung für Orbán gemacht hatte, beklagte sich zudem über die massive Wahleinmischung aus dem Ausland. Damit meinte sie jedoch nicht die offenkundige Unterstützung von Orbán seitens Trump und Putin – sondern den gemeinsamen Feind Brüssel:

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Erste Rechte gratulieren Magyar

Parteichef Herbert Kickl gab sich in den vergangenen Tagen zu Ungarn schon verhaltener. In der jüngeren Vergangenheit war das freilich anders: „Viktor Orbán tut, was die Bevölkerung von ihm erwartet, nicht, was die Globalisten von ihm wollen“, schwärmte Kickl vor drei Wochen in Budapest. „Machen wir’s dem Orbán nach“, tönte es in den Jahren zuvor.

In einer Aussendung am Montag würdigte Kickl das abgewählte Vorbild noch einmal ausführlich: „Verdienste Viktor Orbáns in Sachen Grenzschutz, Frieden, Kampf gegen EU-Zentralismus und LGBTIQ-Kult ungebrochen!“ Der neu gewählte Regierungschef des Nachbarlandes wurde hingegen mit keinem Wort erwähnt; von einer Gratulation Magyars ganz zu schweigen.

Andere rechte Politiker in Europa geben sich indessen pragmatischer: „Herzlichen Glückwunsch an Péter Magyar zu seinem Wahlsieg. Es war sicherlich nicht einfach, sich einem so starken Gegner wie Viktor Orbán zu stellen, doch er hat das Vertrauen der Mehrheit der Ungarn gewonnen und weckt große Hoffnungen und Erwartungen“, schrieb etwa der tschechische Andrej Babiš auf X. Von Giorgia Meloni, die zwar “ihrem Freund Viktor Orban” nachtrauert, waren ebenfalls Glückwünsche zu lesen: „Herzlichen Glückwunsch zum klaren Wahlsieg an Péter Magyar, dem die italienische Regierung gute Arbeit wünscht.“


Titelbild: WikiCommons: Révész Gábor, Emil Goldberg, APA-Images / AFP / FERENC ISZA

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