Dienstag, Mai 19, 2026

Mängel bei Auswertung: Beamte des Bundeskriminalamtes im U-Ausschuss

Im U-Ausschuss werden in den kommenden Tagen zwei Beamte des Bundeskriminalamtes befragt werden. Es geht um die vielen Fragezeichen rund um die Pilnacek-Smartwatch.

Eine der großen Auffälligkeiten in der Causa Pilnacek sind die seltsamen Wege, welche die wichtigsten Datenträger des verstorbenen Sektionschefs zurücklegten.

Da ist der Laptop, der über die Mitbewohnerinnen Pilnaceks an IT-Techniker und Journalisten bis zur Kreutner-Kommission und zur WKStA gelangte; da ist das Handy, das am Todestag ausgefolgt, nie ausgewertet und schließlich verbrannt wurde. Und da ist die Smartwatch, die erst spät in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, mittlerweile aber als jenes Beweisstück gilt, das die Rätsel um die Todesumstände des Justizbeamten am ehesten klären könnte.

Am Mittwoch und Donnerstag wird die Uhr im U-Ausschuss wieder ausführlich Thema sein – denn zwei Beamte des Bundeskriminalamtes (BK), die mit der Smartwatch befasst waren, sind als Auskunftspersonen geladen.

Erfolglose Auswertung

Bekannt ist das unterschiedliche Vorgehen bei Handy und Watch. Letztere wurde einbehalten – und auch nach der Obduktion, im Gegensatz zu anderen persönlichen Gegenständen, zunächst nicht ausgefolgt. Chefermittler Hannes Fellner entschied sich für eine Auswertung: „Angemerkt wird, dass die Smartwatch nicht übergeben wurde, da eine Auswertung der Daten versucht wird“, schrieb er in einem Amtsvermerk am 11. Dezember 2023. Später erklärte der Mordermittler, man habe kurz davor in einem anderen Verfahren spannende Erkenntnisse erlangt und habe Bewegungsdaten herausfinden wollen.

Mit der Auswertung beauftragt wurde das BK, das aber zuvor eine Software beschaffen musste. Man erstellte eine Sicherungskopie sowie einen rund 1300-seitigen Auswertungsbericht, der Anfang Jänner 2024 vorlag. Der Schluss, den Fellner daraus zog, wurde inzwischen vielfach kritisiert: „Keine Gesundheitsdaten (Herzschlag) od. Standortdaten vorhanden!“, notierte er handschriftlich auf dem Deckblatt des umfangreichen BK-Berichts; weitere Seiten wurden nicht in den Akt der Kremser Staatsanwaltschaft übernommen. Kurz darauf wurden die Ermittlungen geschlossen und die Smartwatch ausgehändigt.

Eine Wende brachte dann der Bericht des IT-Experten H., der im Zuge der WKStA-Ermittlungen entstand. „Angemerkt wird, dass offenbar viele Daten in Datenbanken vorhanden sind, welche dazu dienen können, die letzten Stunden des Mag. Pilnacek genauer zu erörtern“, hieß es darin. Der findige Experte wurde mit weiteren Aufträgen betraut. Zuletzt sicherte er die Uhr im Jänner 2026 ein weiteres Mal, nachdem Witwe List die Smartwatch eigenhändig an die Behörden übergeben hatte.

Der Weg der Smartwatch. Illustration: ZackZack, JN.

Schlüssel zu Gesundheitsdaten wäre Handy

Warum aber fand der IT-Experte weit mehr, als LKA und BK? Das wird bei der Befragung der zwei Kriminalbeamten am Mittwoch und Donnerstag wohl im Fokus stehen. Geladen ist am Mittwoch ein Abteilungsleiter des Cybercrime-Competence-Centers C4. Am Donnerstag folgt ein weiterer Beamter des Bundeskriminalamtes aus dieser Abteilung.

Einige Wahrnehmungen zu den holprigen Vorgängen bei der Auswertung äußerte bereits der vom U-Ausschuss befragte IT-Experte H. Er berichtete von „wiederkehrenden Problemen“ bei verwendeter Software und daraus folgenden, möglichen Fehlinterpretationen durch Ermittler. Dass im BK Ermittlung und IT getrennt sind, sei nicht ideal. Er sei aber „positiv überrascht“, dass überhaupt eine Auswertung durch das BK erfolgt war. Smarte Geräte auszuwerten sei in Österreich noch immer nicht gängig; der Fall Pilnacek könnte durch die große Aufmerksamkeit Verbesserungen bringen. Überhaupt hätte der mediale Fokus (ZackZack berichtete 2025 als Erstes über die brisanten Smartwatch-Entwicklungen) bewirkt, dass der Experte “mehr Zeit” in seine Arbeit steckte.

Was das Geheimnis um die exakten Gesundheitsdaten betrifft, brachte H.s Befragung eine Ernüchterung. Um an diese heranzukommen, benötige es laut dem IT-Mann wohl das Handy. „Das ist der magische Schlüssel, mit dem man wieder an diese Daten kommt.“ Das Schicksal des Smartphones ist allerdings bekannt.


Titelbild:

Autoren

  • Thomas Hoisl

    Ist seit April 2024 bei ZackZack. Arbeitete zuvor u.a. für "profil". Widmet sich oft Sicherheitsthemen oder Korruptions-Causen.

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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