Dienstag, Mai 19, 2026

Orbáns Oligarchen flüchten über Wien: Milliarden in Privatjets

Nach Orbáns Wahlniederlage schlägt die Stunde der Kapitalflucht. Der Flughafen Wien-Schwechat wird zum Drehkreuz für Schwarzgelder des ungarischen Fidesz-Regimes.

Nach dem politischen Erdbeben in Ungarn bricht bei Orbán und seinen Mitstreitern die Panik aus. Laut einem Bericht des britischen Guardian nutzen enge Vertraute und Geschäftsleute aus dem Umfeld des abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten ausgerechnet den Wiener Flughafen, um ihr Vermögen ins Ausland zu schaffen.

Wien wird damit unfreiwillig zur Drehscheibe einer der größten Kapitalfluchtaktionen der jüngeren osteuropäischen Geschichte. Und Österreich – traditionell eng mit Ungarn verflochten – steht mittendrin.

Dubai, USA, Südamerika

Schon kurz nach der ungarischen Parlamentswahl vom 12. April, in der Orbáns Fidesz-Partei von Peter Magyars TISZA vernichtend geschlagen wurde, begannen Orbáns Oligarchen mit Evakuierungsplänen für ihren angehäuften Reichtum.

Laut Guardian, ungarischen Medien und Peter Magyar selbst werden Gelder und Vermögenswerte vor allem in Länder wie Saudi-Arabien, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate verlagert. Auch Uruguay und die USA werden als Zieldestinationen genannt. Es geht um zweistellige Milliardenbeträge in Forint. Magyar hatte angekündigt, die Korruption in Ungarn zu beenden und die Schuldigen zu bestrafen.

Einige ehemalige Spitzenfunktionäre des Orbán-Regimes sollen aktiv US-Visa beantragen und Kontakte zu Institutionen im Umfeld der politischen Bewegung von Donald Trump suchen. Orbáns Medienmogul Lőrinc Mészáros könnte das Land bereits verlassen haben.

Wien-Schwechat: Österreich als Fluchthelfer?

Dass ausgerechnet Österreich als Abflugort dient, ist kein Zufall. Die geografische Nähe zu Budapest, die engen Wirtschaftsbeziehungen und ein traditionell diskreter Finanzsektor machen Wien zu einem naheliegenden Transitpunkt. Bereits in der Vergangenheit war Österreich immer wieder Schauplatz dubioser Geldflüsse aus dem östlichen Europa – man erinnere sich an die Hypo-Affäre oder die Verbindungen österreichischer Banken zu osteuropäischen Oligarchen.

Wien scheint ein freundlicher Hafen für Privatjets zu sein. So hatten Oligarchen wie Dmytro Firtasch, dessen Auslieferungsantrag der USA Österreich abgelehnt hatte, einen Privatjet in Wien geparkt, der mit ihm in Verbindung stand.

Magyar will “gestohlenes Geld einfrieren”

Ungarns designierter Regierungschef Péter Magyar reagierte in einer Videobotschaft ungewöhnlich scharf: Er erklärte, von mehreren hochwertigen Transaktionen informiert worden zu sein, die von Banken wegen Verdachts auf Geldwäsche eingefroren wurden. Die betroffenen Geschäftsleute sollen dem Umfeld von Antal Rogán zuzurechnen sein – einem der mächtigsten Männer im Fidesz-Apparat.

Magyar rief Sicherheitsbehörden und Strafverfolgung dazu auf, die Ausreise von Orbán-nahen Unternehmern zu unterbinden und ihre Konten sofort einzufrieren. Er spricht von “gestohlenem Geld” des ungarischen Volkes.

Orbán “besucht” Trump

Der Guardian berichtet auch über Orbáns fragwürdige Reisepläne. Eine Quelle mit Verbindungen zur Fidesz sagt, Orbán plane, rund um den Start der FIFA-Weltmeisterschaft in die USA zu reisen – und dort mehrere Wochen zu bleiben. Dieser Trip sei laut derselben Quelle schon vor der Wahlniederlage geplant gewesen. Ob es sich um einen Urlaub, einen politischen Schachzug oder um eine langfristige Flucht handle, ist nicht klar. Fix ist jedenfalls, dass Orbán seinen Sitz im ungarischen Parlament nicht annehmen wird. Damit verlässt Orbán die Politik überraschend schnell. Der ungarische Investigativ-Journalist Szabolcs Panyi vermutet, dass Orbán der drohenden Strafverfolgung in Ungarn entkommen will:

Orbáns Tochter und sein Schwiegersohn István Tiborcz, der durch öffentliche Aufträge zu unermesslichem Reichtum gekommen ist, haben bereits vergangenen Sommer ihren Wohnsitz nach New York verlegt. Die Familie Orbán scheint sich auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten.


Titelbild: WikiCommons: Vlada Republike Slovenije from Ljubljana

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