Donnerstag, Mai 14, 2026

Österreichische Oligarchen-Jets: Aufklärung gefordert

Die Aufregung über die kolportierte Österreich-Connection der ungarischen Kapitalflucht reißt nicht ab. Die Grünen planen nun parlamentarische Anfragen.

Mittwochfrüh vergangener Woche, Budapest, Ferenc Liszt International Airport. Um 7:43 Uhr hebt ein Privatjet des Modells Bombardier BD-100 Challenger 350 ab. Ziel: Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate. Am nächsten Tag fliegt die Maschine wieder retour. Was genau sich an Bord des gut 20 Meter langen Jet befindet, ist unklar.

Zwei Tage später lässt der neugewählte Premierminister Péter Magyar mit Neuigkeiten aufhorchen, die ein großes Medienecho auslösen. „Oligarchen aus Orbáns Umfeld transferieren Dutzende Milliarden Forint in die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Uruguay und andere ferne Länder”, so der Politiker, der in dem Zusammenhang auch einen konkreten Namen nennt: Lőrinc Mészáros, enger Vertrauter von Viktor Orbán und reichster Mann Ungarns.

Wie investigative Recherchen des ungarischen Mediums Atlatszo.hu schon 2024 nahelegten, sind Reisebewegungen des eingangs erwähnten Jets Mészáros zuzuordnen. Registriert ist die Maschine in Österreich, sie fliegt unter dem Luftfahrtkennzeichen OE-HOZ. Eine Anfrage zu den Umständen des Fluges ließ die Mészáros-Gruppe bislang unbeantwortet.

Flüge zwischen Wien, Budapest und Abu Dhabi

ZackZack hat am Mittwoch erstmals über den bemerkenswerten Flug berichtet und nun weitere Reisebewegungen des Jets ausgewertet.

Auffällig ist, dass der eintägige Trip in die Emirate die erste Flugbewegung der Maschine seit der Ungarn-Wahl ist. In den vergangenen sechs Monaten war die Maschine zumindest an 52 Tagen unterwegs. Übereinstimmend mit den Recherchen von Atlatszo.hu zeigt sich, dass der Jet immer wieder nach Budapest zurückkehrt und dort für weitere Reisen verbleibt. Insider aus der Branche bestätigen gegenüber ZackZack, dass es ungewöhnlich wäre, wenn Superreiche wie Mészáros Jets weiter vermieten. Sprich: Reisebewegungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Oligarchen zuzuordnen, sofern er den Jet tatsächlich selbst besitzt.

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Der Oligarchen-Jet mit österreichischer Registrierung flog letzte Woche nach Abu Dhabi und retour.

Am öftesten flog der Jet in den letzten sechs Monaten nach Rumänien (elf Mal), wo der Unternehmer Geschäftsbeziehungen und Grundstücke besitzt, oder nach Frankreich (sieben Mal), wo er Berichten zufolge gerne urlaubt. In die Emirate jettete die Maschine zweimal im Dezember und nun vergangene Woche. Österreich, wo das Flugzeug registriert ist, wurde von Ungarn aus dreimal angesteuert: am 11. Februar bewegte es sich nach Klagenfurt (dort befindet sich ein bekannter Privatjet-Hangar) und am 27. und 28. Februar zwischen Wien und Budapest hin und her.

Aufgebracht hatte die Österreich-Connection am Wochenende ein Bericht des Guardian. Dort wird auf nicht näher genannte Quellen verwiesen, laut denen Orbán-nahe Oligarchen Wien nutzen, um mittels Privatjets ihr Vermögen aus der EU abzuziehen.

Stögmüller: Ist Österreich ein “Geldschlepper-Hub”?

Grund genug, dass hierzulande die Rufe nach Aufklärung lauter werden. “Die Medienberichte über eine Kapitalflucht ungarischer Oligarchen über Wien sind alarmierend. Ebenso, dass ein in Österreich registrierter Privatjet eine auffällige Rolle spielt”, sagt der grüne Abgeordnete David Stögmüller zu ZackZack. “Es wäre unfassbar, wenn Österreich zu einem Geldschlepper-Hub in Europa für reiche Oligarchen wird.” Die Grünen planen in der kommenden Woche deshalb die Einbringung parlamentarischer Anfragen zur Causa. ZackZack wird weiter berichten.


Titelbild: APA-Images / AFP / ATTILA KISBENEDEK, https://pixabay.com/photos/hungary-budapest-map-geography-1896330/, https://bombardier.com

Autoren

  • Thomas Hoisl

    Ist seit April 2024 bei ZackZack. Arbeitete zuvor u.a. für "profil". Widmet sich oft Sicherheitsthemen oder Korruptions-Causen.

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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