Dienstag, Mai 19, 2026

LKA-Chef Pfandler im U-Ausschuss: Pilnacek-Ermittlungen auf dem Prüfstand

Diese Woche wird die Ermittlungsarbeit im Fall Pilnacek wieder in den Fokus des U-Ausschusses rücken. Mit Stefan Pfandler, dem Leiter des LKA-Niederösterreich ist der erste Spitzenpolizist als Auskunftsperson geladen.

Am Mittwochnachmittag wird zunächst Kriminalpolizist P. Fragen zu den Ermittlungen im Fall Pilnacek beantworten müssen. Am Donnerstag ist dessen Chef Stefan Pfandler erste Auskunftsperson im Pilnacek-Untersuchungsausschuss. Die Fragen der Abgeordneten werden von der Tatortarbeit bis zur Weitergabe des Mobiltelefons an Pilnaceks Witwe reichen. Auch die Rolle von Pilnaceks Smartwatch könnte in den Fokus der Fraktionen rücken.

Pilnacek-Ermittler nahm Handy entgegen

P. hat „als Polizist am Tatort zahlreiche Wahrnehmungen zum Untersuchungsgegenstand“, heißt es im Ladungsverlangen der FPÖ. Er war laut eigener Aussage nicht am Auffindungsort von Pilnaceks Leiche zugegen, sondern leitete später die Zeugenvernehmung von Karin Wurm am frühen Nachmittag des 20. Oktober 2023 – dem Tag, an dem Pilnacek in den frühen Morgenstunden starb.

Er und einer seiner Kollegen fuhren wenig später zum Haus von Karin Wurm und Anna P. in Rossatz und nahmen Pilnaceks persönliche Gegenstände entgegen. Das Mobiltelefon wurde noch am selben Tag dem Anwalt von Pilnaceks Witwe, Rüdiger Schender, übergeben.

Aufgefallen ist P. auch aufgrund seiner Aktivitäten in den Logfiles des Ermittlungsaktes im Fall Pilnacek. Nachdem der Abschlussbericht im Fall Pilnacek bereits fertiggestellt war, griff P. noch Dutzende Male auf den Ermittlungsakt zu, in 30 Fällen bearbeitete er den Akt. Das geht aus einer Auswertung der Logfile-Daten hervor, die ZackZack vorliegt.

Zu den Umständen der Handyweitergabe wird P. ebenso Fragen beantworten müssen wie zu seiner Aktivität im Polizeiakt nach Abschluss der Ermittlungen. Von besonderem Interesse wird sein, mit welchen ranghöheren Beamten P. hinsichtlich der Ermittlungen Kontakt hatte. Zentraler Untersuchungsgegenstand im Pilnacek-Untersuchungsausschuss ist eine politische Einflussnahme auf die Ermittlungen.

Chef des LKA geladen

Am Donnerstag ist mit Stefan Pfandler P.s Vorgesetzter als Auskunftsperson geladen – und damit der erste hochrangige Polizist. Der Brigadier leitet das Landeskriminalamt Niederösterreich (LKA-NÖ), das die Ermittlungen im Fall Pilnacek übernahm. Pfandler reagierte im Zuge der Recherchen als einer der wenigen Polizeibeamten stets auf schriftliche Anfragen von ZackZack. Gleichzeitig ging er aktiv in die Medienöffentlichkeit. Sein Sendungsbewusstsein war von der Überzeugung getragen, die Ermittler hätten im Fall Pilnacek alles richtig gemacht.

Daran gibt es aber Zweifel. So wird Pfandler die Abläufe in den Ermittlungen erklären müssen – insbesondere den Weg des Pilnacek-Handys und warum dieses ausgerechnet an dessen Witwe Caroline List gehen sollte.

Warum die Ermittler das Mobiltelefon nicht als Beweismittel betrachteten und wieso sie es noch am selben Tag aus der Hand gaben, wird Pfandler dem Untersuchungsausschuss ebenso erklären müssen wie die fragwürdigen Umstände der Smartwatch-Auswertungsversuche im LKA. Durch die Aussage von Datenforensiker B. im U-Ausschuss wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt nie eine inhaltliche Auswertung der Watch vorgenommen hatte.

Eine werksseitige Auswertung der Watch, die womöglich weitere Ergebnisse geliefert hätte, wurde vom LKA nie versucht. Stattdessen wurde die Smartwatch einige Monate nach dem Handy ebenfalls an Caroline List weitergegeben.

Auch eine verweigerte Weitergabe der Smartwatch-Daten an Ermittler des Bundeskriminalamts könnte Thema der Befragung sein. In dieser Causa lieferte sich Pfandler eine Auseinandersetzung mit der WKStA, die die Datenbeschaffung in Auftrag gab. Als die WKStA nach der Weigerung Pfandlers mit einer Sicherstellungsanordnung drohte, konterte dieser mit: „Spannend. Okay.“

Spannend werden auch die Befragungstage im U-Ausschuss werden.


Titelbild: ZackZack / Montage

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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