Die gegenwärtige Trockenperiode führt in Österreich nun schon das zweite Jahr zu einem starken Rückgang der Stromlieferungen aus Wasserkraft. Die Auswirkung: Die CO2-Emissionen der heimischen Stromerzeugung steigen stark an.
Die Naivität, mit der überall auf der Welt, aber auch in Österreich, vom Einsatz von KI-Tools, der Zukunft der KI und ihrer jetzt geplanten Einrichtung als Unterrichtsfach gesprochen wird, ist an sich schon haarsträubend. Schlimmer noch aber, dass der Zusammenhang zwischen Computereinsatz und Stromversorgung kaum thematisiert wird. Immer noch ist man der Meinung, ein E-Mail sei kostenlos. Immer noch erkennt man nicht, dass Streaming die ökologiefeindlichste Art der Datennutzung ist.
Seit Google seinen KI-Modus anbietet oder besser gesagt, ihn seinen Usern aufzwingt, benötigt der Konzern schlagartig sieben Prozent mehr Strom als zuvor. Ich habe den KI-Dienst Gemini von Google gefragt, ob man den KI-Modus deaktivieren kann und folgenden Antwort bekommen: »Es gibt derzeit keine offizielle Schaltfläche in den Standard-Einstellungen von Google, um die KI-gestützten Antworten (die sogenannten „KI-Übersichten“ oder den „KI-Modus“) mit einem einzigen Klick dauerhaft und systemweit zu deaktivieren. Google betrachtet die KI als festen Bestandteil der modernen Suche.«
Strom, Strom, Strom
In solchen Zeiten brauchen wir Strom, Strom, Strom. Österreich hat es nicht geschafft, sich von Importen unabhängig zu machen, womit es von fossiler Energie und der Atomenergie seiner Importländer und von den Teuerungswellen, die die Energiekriege unserer Zeit auslösen abhängig ist. Dazu kommt: Der hohe Anteil der Wasserkraft an der österreichischen Stromversorgung schwindet aufgrund der rezenten Trockenperiode. In der Tageszeitung Die Presse hat Matthias Auer dazu einen trockenen und ernüchternden Bericht vorgelegt:
Noch vor Kurzem schien alles in bester Ordnung: Erst im Herbst erklärte die E-Control, dass der Anteil aus erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Jahr 2024 bilanziell auf 94 Prozent gestiegen sei. Dass ein Gutteil des Ökostroms im Sommer als Solarstrom anfällt und bestenfalls verschenkt werden kann, während im Winter Atomstromimporte und Gaskraftwerke das Land am Laufen halten müssen, stand damals schon auf einem anderen Blatt. Aber immerhin, das politische Ziel, bis 2030 (bilanziell) zum Ökostrom-Selbstversorger zu werden, schien in Griffweite. Die Bilanz für 2025 sieht jedoch komplett anders aus.
Der Autor bezieht sich dabei auf die Studie Clean Power Progress Index des Energiedatenanbieters Montel. Und er macht deutlich, wohin der Trend seit 2025 geht: zu höheren CO2-Emissionen:
Demnach ist die kohlenstofffreie Erzeugung im Land 2025 um 18,6 Prozent gesunken. […] Im Gegenzug stieg die Stromproduktion aus fossilen Kraftwerken um 15 Prozent an. Die Treibhausgas-Emissionen des heimischen Elektrizitätssektors gingen deshalb um 40 Prozent auf über 50 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Megawattstunde nach oben.
Rückgang bei Wasserkraft
Ausschlaggebend dafür ist vor allem ein Rückgang der Stromerzeugung durch Wasserkraft, der wieder seinen Grund in der rezente Trockenperiode hat. Matthias Auer weiter:
Österreichs letztjähriger Absturz ist hingegen vor allem die Folge der starken Abhängigkeit des Landes von Wasserkraft, die üblicherweise die Grundlage des kohlenstoffarmen Strommixes bildet. Aufgrund der starken Trockenheit sank die Wasserkrafterzeugung 2025 deutlich und wurde in erster Linie durch eine höhere Produktion von Gaskraftwerken ausgeglichen. „Die Ergebnisse bestätigen den Bedarf an einer stärkeren Diversifizierung der Stromsysteme in Europa und den Ländern, die stark auf Wasserkraft setzen“, sagt Jean-Paul Harreman, Direktor bei Montel. „Ohne zusätzliche Flexibilität werden wetterbedingte Schwankungen in der Wasserkrafterzeugung voraussichtlich weiterhin zu Volatilität sowohl im Erzeugungsmix als auch in der Emissionsintensität führen.“
Dass es in Österreich kein Bewusstsein für einen bewussten Umgang mit Wasser gibt, darüber schreibt Tobias Goller auf ORF.at und hat dazu den Soziologen Christoph Reinprecht von der Universität Wien interviewt:
Das Bewusstsein, dass Wasser eine kollektive Ressource sei, die knapp werden kann und die man verteilen müsse, fehle derzeit, sagte Reinprecht im Interview mit ORF.at. Das sei darauf zurückzuführen, dass sich die Beziehung zwischen „Privatwohl“ und Gemeinwohl in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
Diese Verschiebung habe auch mit der in Österreich stark verankerten „Einfamilienhaus-Ideologie“ zu tun. Es gehöre einfach dazu, wenn man ein Haus mit Garten baut, auch ein Schwimmbecken zu bauen. Da wäre es auch grotesk, den mit gebauten Pool nicht zu befüllen, so Reinprecht. Gleichzeitig könnte man im eigenen Garten „die Illusion aufrechterhalten, dass man für sich lebt und alles individualisierbar ist“.
Anreiz zum Wassersparen fehlt
Tobias Gollers zweiter Interviewpartner Sebastian Seebauer von Joanneum Research macht klar, warum in Österreich der Anreiz zum Wassersparen fehlt:
Um Menschen ein Gefühl dafür zu geben, wie viel Wasser sie zum Beispiel für ihren Pool verbrauchen, schlägt Seebauer vor, ihnen einen Vergleich zu bieten. Man könnte etwa veranschaulichen, welche Ackerfläche mit der Wassermenge eines vollgefüllten Pools bewässert werden kann. „Damit bekommt das Wasser einen anderen Stellenwert“, sagte Seebauer. Durch den im internationalen Vergleich niedrigen Wasserpreis gibt es hierzulande keinen Kostenanreiz zum Wassersparen.
Wie die Kleine Zeitung mit Hinweis auf ein Interview der APA berichtet, wird sich die unterdurchschnittliche Stromproduktion aus Wasserkraft auch 2026 fortsetzen:
Die anhaltende Trockenheit macht sich beim Verbund-Konzern bereits deutlich bemerkbar: Die Laufkraftwerke des Strom-Versorgers lieferten heuer bisher deutlich weniger Strom als im langjährigen Durchschnitt, teilte der Verbund auf Anfrage der APA mit. Nach einem sehr guten Jahr 2024 zeichnet sich bereits das zweite Jahr mit einem deutlichen Rückgang bei der Stromproduktion ab. Fehlende Niederschläge sowie Schneemangel lassen keine spürbare Besserung erwarten.
Möglicherweise gibt es also im Land am Strome Themen, die uns unmittelbarer betreffen als der Songcontest, Heidi Klums Muskelfaserriss oder UFO-Berichte aus den USA.
Titelbild: Manon Véret


