Mittwoch, Juni 10, 2026

Trumps Größenwahn: Der Nero vom Potomac

Donald Trump hat einen Vorgänger im alten Rom. Kaiser Nero errichtete sich Denkmäler und richtete Rom dabei fast zugrunde.

59 Meter hoch ist der Triumphbogen in Paris. Der Triumphbogen, den Donald Trump für sich in Washington am Eingang zum nationalen Soldatenfriedhof in Arlington will, soll das Pariser Vorbild mit 76 Meter in Trumps Schatten stellen. Auf die Frage eines CBS-Reporters, für wen der Triumphbogen gedacht sei, antwortete Trump offen: „für mich“.

Das ist nicht genug. Den Ostflügel des Weißen Hauses ließ Trump abreißen, um auf seinen Trümmern einen Ballsaal, der mit seinen 8.300 Quadratmetern weit größer als das Weiße Haus selbst ist, errichten zu lassen. Nicht nur die vergoldete Trump-Statue, an der die Besucher am Weg zum Trump National Doral Golf Club in Miami vorbei defilieren müssen, erinnert an das riesige Kaiser-Standbild neben dem Kolosseum und an seinen Kaiser, mit dem der US-Präsident immer öfter verglichen wird: an Nero.

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Der Minderwertigkeitskomplex des 16-jährigen Kaisers ähnelt ganz offensichtlich dem des 79-jährigen Präsidenten. Der eine wählte Christen, der andere Einwanderer zu Zielen seiner Verfolgungen. Der Kaiser unterhielt mit viel Spielen und wenig Brot, der Präsident lässt jetzt im Garten des Weißen Hauses Boxkämpfe austragen.

Bergab

Beide scheinen auf ähnliche Art verrückt zu sein. Aber das ist nicht die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen dem Nero vom Tiber und dem Nero vom Potomac. Beide markieren den Punkt, an dem es für ihre Weltmacht nur noch bergab geht.

Für Trump war es der Besuch in China. Kein amerikanischer Präsident ist von einer chinesischen Führung so gedemütigt worden wie Donald Trump. Von Apples Tim Cook und Nvidias Jensen Huang bis Musk ließ Trump die Spitzen seiner Wirtschaft in Peking antreten – und sah zu, wie sie mit leeren Händen nach Hause fuhren. Das US-Office of Government Ethics hat herausgefunden, dass Trump im Vorfeld der Reise mit Hunderten Millionen Dollar auf Gewinne von Apple, Amazon und Nvidia spekuliert hat. Nicht einmal dieser Deal hat geklappt.

Fossile Kriege

In China hätte Trump von der Solarwende bis zur Open Source-AI all das bestaunen können, was er in den USA verbockt hat. Aber das übersteigt den Horizont eines Präsidenten, der Deals mit Wirtschaft verwechselt.

Unter Trump verlieren die USA ihre letzten Kriege um die fossile Vorherrschaft. In zwanzig Jahren werden sie gemeinsam mit Saudis und Emiraten die neue chinesische Welt bestaunen.

Joe Biden war der Präsident, der die USA mit Verspätung in die solare Welt führen wollte. Trump hat die Weichen neu gestellt. Er geht den Weg von Putin: den Weg einer Supermacht, die sich selbst abhängt, auch, weil ihre Führung statt an die Zukunft nur an die eigenen Taschen denkt.

Trumps Ende

Das römische Beispiel zeigt aber auch etwas anderes: Am Ende wurde Nero von einem Senat, der lange zu feig war, davongejagt. Verkleidet auf der Flucht ließ er sich von einem freigelassenen Sklaven, der ihn bis zum Schluss begleitet hatte, töten.

Trumps Ende könnte weit banaler ausfallen: Er könnte wie sein unbesiegbar scheinendes Vorbild Victor Orbán von seinen Wählerinnen und Wählern aus dem Amt gejagt werden. Die Midterm Elections warten als Vorspiel dazu im Herbst.  

Dann könnte Trump dort landen, wo sich die Zuständigen um ihn kümmern: vor Strafgerichten, die seine vielen Verbrechen endlich ungehindert bis zum Urteil verfolgen können. In den USA bezeichnet man den amtierenden Präsidenten als „sitting president“. Wenn alles gut geht, werden wir ihn schon in wenigen Jahren den sitzenden Ex-Präsidenten nennen können.

Die Welt verändert

Sollte mit Trump die kurze Herrschaft der Kleptokraten zu Ende gehen, wird sich herausstellen, dass Trump die Welt verändert hat. Wahrscheinlich wird es keinen amerikanischen Weg zurück an die Spitze der Welt geben. Die Gewissheit, dass Demokratie und wirtschaftlicher Erfolg untrennbar miteinander verbunden sind, endet gerade mit der Machtübergabe von Washington an Peking. Was droht ist ein neues autoritäres Zeitalter, mit Europa, das als bedrängte Insel von Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie erstmals allein ist.

p.s.: Darum geht es auch bei uns, in einem Land, in dem gleich zwei Trump-Epigonen nach der Macht schielen: Herbert Kickl, der seine Trump-Talentprobe auf einem Polizeipferd abgelegt hat; und Sebastian Kurz, der rund um Thiel und Vance seine nächsten Coups vorbereitet.

Ergänzung um 10.00 Uhr.

Autor

ZackZack-Shop
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