Unter einem Facebook-Beitrag von Servus TV eskaliert seit Tagen die Stimmung, hunderte User freuen sich über Tote bei einem Hassverbrechen in einer US-Moschee. Mittlerweile wurde sogar die Wiener Polizei aktiv. Der Privatsender hat bislang nicht reagiert.
Am vergangenen Montag stürmten zwei schwer bewaffnete Teenager den Moschee-Komplex des Islamic Centre of San Diego in Südkalifornien. Die Angreifer töteten drei Menschen, darunter einen Sicherheitsmann, der sich den Tätern entgegenstellte. 140 Kinder waren zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Areal. Beide Angreifer nahmen sich das Leben, das FBI vermutet ein rassistisches Hassverbrechen.
Große Aufmerksamkeit erhält die Meldung hierzulande seit Dienstagfrüh in einem Facebook-Posting von “Servus Nachrichten” des Senders Servus TV, wo über das Verbrechen informiert wird. Der Beitrag hat hunderte Kommentare und tausende Interaktionen – ein erheblicher Teil davon ist allerdings mehr als bedenklich: “Schauen Sie sich das an, es ist ein Wahnsinn was da für ein Dreck geschrieben wird”, so ein schockierter Anruf in der ZackZack-Redaktion, weitere Hinweise folgten.
Tatsächlich wird einem beim Blick in die Kommentarspalte ganz anders: etliche User, viele davon mit Klarnamen, öffentlichen Profilen und Ortsangaben, feiern die Morde unverblümt und bedauern, dass nicht noch mehr Leute ermordet wurden. Über 200 Mal wurde der Ausgangsbeitrag mit einem “Haha”-Emoji versehen.
Wiener Polizei: Ermittlungsstellen eingeschaltet
“Also in einer Moschee kann es keine Falschen getroffen haben”, kommentiert etwa ein Mann aus einem Wiener Flächenbezirk, der dafür wiederum über hundert Likes an Zuspruch erhält. “2894272145 zu wenige erwischt”, schreibt ein weiterer Wiener User mit Klarnamen, auch hier gibt es große Zustimmung. “Nicht mehr Munition gehabt oder wie”, hetzt ein Mann aus Neunkirchen. Ein Poster aus Deutschland, auf dessen öffentlichem Profil sein Auto samt Kennzeichen zu sehen ist, schreibt gar: “Nur 5 ?!? Wenn ich sowas vorbereiten würde, sähe die Statistik garantiert besser aus, Amateur.”
Dazwischen gibt es aber auch Empörung über die Hasskommentare, User verlinkten etwa mehrfach den Account der Wiener Polizei. Auf Nachfrage bei der dortigen Pressestelle heißt es gegenüber ZackZack: “Die LPD Wien prüft bei Verlinkungen, ob der Verdacht eines Straftatbestandes und ein etwaiger Wienbezug vorliegt und leitet dies auch entsprechend an Ermittlungsstellen weiter, das ist in den angesprochenen Fällen auch passiert.” In Frage kommt bei entsprechenden Kommentaren etwa der Straftatbestand der Verhetzung.

Die Beratungsstelle ZARA, die auch auf Hass im Netz spezialisiert ist, wurde von aufmerksamen Usern ebenfalls unter dem Beitrag verlinkt. Dort heißt es zu ZackZack: “Wer rassistische oder anderweitig diskriminierende Hasspostings entdeckt, kann diese bei der Beratungsstelle #GegenHassimNetz des Vereins ZARA melden. Inhalte, die von ZARA gemeldet werden, müssen von den Plattformen prioritär geprüft werden, wodurch rechtswidrige oder schädliche Inhalte häufig schneller entfernt werden können.”
Servus TV reagiert bislang nicht
Gleichzeitig würde man meinen, dass es beim größten Privatsender des Landes auch Verantwortliche gibt, die vor allem neue und reichweitenstarke Social Media-Beiträge moderieren und kontrollieren. Warum aber bleiben die Hasskommentare seit Tagen online? ZackZack fragte bei Servus TV nach, erhielt bis Donnerstagnachmittag allerdings keine Rückmeldung.
Update 22.5., 09:00 Uhr: Servus Nachrichten hat den gesamten Facebook-Beitrag vom Netz genommen. Ob zuvor eine entsprechende Sicherung aller inkriminierten Postings stattgefunden hat, ist unklar.
Titelbild: ZOE MEYERS / AFP / APA-Images


