Mittwoch, Juni 10, 2026

Keks-Desaster in Grönland: Trumps Sonderbeauftragter wird von Schulkind vorgeführt

Louisiana-Gouverneur Jeff Landry reiste im Tarnanzug nach Nuuk und wurde von einem Schulkind und dem grönländischen Premier in die Schranken gewiesen.

Er kam mit Schokoladendublonen, Keksversprechen und in Tarnkleidung. Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und Trumps selbsternannter “Sonderbeauftragter für Grönland”, hat diese Woche die grönländische Hauptstadt Nuuk bereist. Von einem Schulkind und dem Premierminister wurde er gedemütigt und flog am selben Tag zurück.

“Willst du ein Foto?” – “Nein.”

Das ist das Kernstück dieser diplomatischen Mission. Auf dem dänischen Staatssender DR bückte sich Landry zu einem grönländischen Jungen herab, nachdem er ihm als “berühmter Gouverneur aus Amerika” vorgestellt worden war. Landry fragte das Schulkind: „Willst du ein Foto?“ Die Antwort des Kindes war niederschmetternd aber symptomatisch für Jeffrys Gröndland-Besuch: „Nein“.

Kinder mit Keksen gelockt

Bevor das Kind die Annexionstour des amerikanischen Sondergesandten mit einem einem einzigen Wort in die Schranken wies, hatte Landry bereits eine beeindruckende Liste diplomatischer Fehltritte abgearbeitet, auf die der kanadische Journalist Dean Blundell und britische Medien wie der Guardian und die BBC hinweisen.

So tauchte er uneingeladen bei der Wirtschaftskonferenz “Future Greenland” auf. Die dortigen Teilnehmer wirkten mehrheitlich irritiert und wollten sich mit ihm ebenfalls nicht ablichten lassen. Eine grönländische Geschäftsfrau sagte der BBC: „Mir gefällt es nicht, wie man versucht, die diplomatischen Kanäle zu umgehen und einfach durch die Vordertür hereinzukommen.“

Für seine Meetings wechselte er in Militärtarnkleidung. Landry hat nie in der Armee gedient. Es gibt keine Militäroperation.

Größtes Gesprächsthema war aber seine Keksdiplomatie gegenüber jungen Kindern. Landry zog durch die Straßen von Nuuk und lockte Kinder mit Schokolade. Er versprach ihnen, wenn sie mit ihm in den Gouverneurspalast von Louisiana kommen, könnten sie so viel Schokolade essen, wie sie wollten. Es klang wie aus einer Warnbroschüre gegen Pädophile vor einem Schulgebäude.

Premier gegen “Chocolate-Cookie”-Diplomatie

Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen empfing Landry zu einem Höflichkeitsgespräch. Danach trat er vor die dänische Öffentlichkeit und stellte Landrys Keksdiplomatie an den Pranger:  “Unsere Position ist klar. Wir haben unsere roten Linien. Und egal wie viele ‘Chocolate Cookies’ wir bekommen, wir werden sie nicht ändern.”

Gesundheitsministerin Anna Wangenheim ließ gegenüber Journalisten noch weniger Zweideutigkeit: “Grönländer sind keine Versuchskaninchen in einem geopolitischen Projekt.”

Der ehemalige US-Botschafter Dänemarks, Rufus Gifford, erteilte Landry einen Rat: „Geh nach Hause!“

Landry war unter anderem nach Grönland gekommen, um ein neues, größeres US-Konsulat in Nuuk zu eröffnen. Die Mission des Sondergesandten war es, Freunde in Grönland zu finden. Einer Einladungsfeier ins neue US-Konsulat wollte aber kein hochrangiger grönländischer oder europäischer Politiker folgen. Stattdessen gab es eine Demonstration vor dem neu eingeweihten US-Gebäude. „Grönland steht nicht zum Verkauf“, war etwa auf den Schildern zu lesen.  

Wetteifern um Grönland

Frankreich und Kanada haben bereits eigene Konsulate in Nuuk eröffnet – als öffentliches Solidaritätssignal gegen die USA. Drei mit Trump verbundene Männer waren zuvor von der dänischen Regierung observiert worden, weil sie eine Sezessionsbewegung in Grönland zu inszenieren versuchten. Dänemark reagierte scharf auf die amerikanische Operation, die offenbar von einem US-Geheimdienst ausging.

US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt angedeutet, Grönland okkupieren zu wollen. Seither hat sich auf der arktischen Insel, die formell zu Dänemark gehört, Widerstand gegen die US-Bestrebungen breitgemacht. Jeff Landrys Taktik, mit Schokolade und netten Worten Freunde zu finden, nachdem er vier Monate zuvor noch für die Besetzung war, kam bei den Grönländern nicht gut an. Landry blieb nicht nur auf seinen Keksen sitzen.


Titelbild: APA-Images / AFP / KENT NISHIMURA, APA-Images / AFP / CHRISTIAN KLINDT SOELBECK , pixabay

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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