Geänderte Börseregeln sollen Elon Musk dabei helfen auf Kosten von Kleinanlegern Milliarden in sein Unternehmen zu spülen.
Bisher war es an der Börse so, dass Neuzugänge, sogenannte IPOs (Initial Public Offerings) sich behaupten mussten. Dass der Erfolg, der sich in steigenden Aktienkursen widerspiegelt, davon abhing, dass Investoren diese Aktien kauften.
Die Grundlage dafür, ob Investoren (große und kleine) eine Aktie kaufen oder verkaufen, hängt davon ab, ob sie die Unternehmensbewertung als unter- oder überbewertet ansehen. Überbewertete Aktien werden verkauft, dadurch sinkt der Kurs und die Überwertung ist korrigiert, das gleiche gilt bei der Unterbewertung.
Üblicherweise wird bei einem IPO eine Kursspanne bekanntgegeben. Dazu muss das Unternehmen seine fundamentalen Unternehmensdaten bekanntgeben. Investoren entscheiden dann anhand dieser Daten, ob sie die Aktien kaufen möchten oder nicht.
Jetzt ist aber plötzlich alles anders. An der Wall Street wurden vor kurzem Regeln geändert, die diese Logik massiv beeinflussen.
Regeln vor Musk-Börsengang gestrichen
Neben den Aktien selbst gibt es noch eine Reihe weiterer Papiere, die gehandelt werden. Es gibt Aktienindizes, wie S&P500, NASDAQ100 und darauf aufbauende ETFs. Vor allem Kleinanleger kaufen dann nicht mehr einzelne Aktien, sondern investieren kleinere Summen in Fonds, die diese Aktienindizes nachbilden. Der einzelne Anleger entscheidet dann nicht mehr selbst, welche Aktien gekauft werden, sondern investiert in einen Fond, der wiederum die Aktien kauft, die im Aktienindex enthalten sind.
Bisher gab es strenge Regeln, welche Aktien in Aktienindizes enthalten sein dürfen. So mussten mindestens 10 Prozent einer Aktie in Streubesitz sein und ebenso musste eine Aktie eine gewisse Zeit im Handel sein, bevor sie aufgenommen werden konnte.
Diese zwei Regeln wurden jetzt außer Kraft gesetzt, just vor dem IPO von SpaceX, Kritiker sprechen daher auch von einer “Lex SpaceX”. Von SpaceX werden nur 5,8% auf der Börse platziert, der Rest bleibt den bisherigen Eigentümern. Dennoch soll die Aktie sehr bald nach dem IPO in Aktienindizes zu finden sein.
Nachfrage künstlich erhöht
Elon Musk hat damit erreicht, dass die SpaceX-Aktie eine zusätzliche Nachfrage erfährt, die es wahrscheinlicher macht, dass der Aktienkurs kurz nach dem Börsegang steigen wird. Ohne diese Änderungen wäre es viel wahrscheinlicher, dass der Aktienkurs absinkt, vor allem, weil die fundamentalen Werte des Unternehmens keine hohe Bewertung erlauben.
Das Unternehmen schreibt jährlich Milliardenverluste. In etwa 5 Milliarden Dollar im letzten Jahr bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden. SpaceX beziffert aber den Gesamtmarkt, in dem es sich bewegt, mit 28 Billionen Dollar. Fantasiezahlen, die in einem regulären Umfeld nur wenige seriöse Investoren anlocken.
In Summe machen es diese Änderungen der Regeln wahrscheinlicher, dass SpaceX nach dem Börsengang einen Kursansteig verzeichnen wird, der durch diese zusätzliche Nachfrage getrieben wird (die Fonds, die die Aktienindizes nachbilden, sind gezwungen, die Aktie zu kaufen) und später, wenn der Aktienkurs aufgrund der tatsächlichen Unternehmsdaten wieder sinkt, werden eine Menge Kleinanleger viel Geld verlieren. Dazu kommt auch noch, dass nicht wie sonst üblich eine Kursspanne ausgegeben wird, sondern der initiale Aktienkurs von SpaceX und den emittierenden Banken mit 135 Dollar pro Aktie fixiert wurde.
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