Sonntag, Juli 12, 2026

ORF, ZackZack und Pressefreiheit: Hypothek abbezahlt

Google
ZackZack auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
?
Ein Klick auf „Aktivieren" öffnet eine Google-Seite, auf der du ZackZack als bevorzugte Nachrichtenquelle speichern kannst. Das beeinflusst, welche Artikel dir in Google News und im Discover-Feed vorgeschlagen werden. Google erhält dabei keine Daten von uns – du änderst lediglich eine Einstellung in deinem eigenen Google-Konto.
Aktivieren

Dem ORF geht es schlecht, weil er nicht unabhängig ist. Uns geht es schlecht, weil wir zu unabhängig sind. Der ORF hat ÖVP, SPÖ und die Haushaltsabgabe. Wir haben euch.

Es gibt Sätze, die muss man mehrmals lesen. Der gehört dazu: „Dass ich als Kandidat der Regierung galt, war eine Hypothek, die jetzt abbezahlt ist.“ Das ist Clemens Pig direkt nach seiner Wahl zum Generaldirektor des ORF ausgekommen. Wie der gesamte ORF verdient sich auch dieser Satz eine Untersuchung.

Kandidat. Clemens Pig war der Kandidat von ÖVP und SPÖ. Die NEOS wollten mit dem Geschäft der Proporzparteien nichts zu tun haben. Pig war nicht Regierungskandidat, weil er der Kandidat der beiden Parteien, die den ORF als ihr Eigentum betrachten, war.

Hypothek. Eine Hypothek ist ein Pfandrecht. Wem war Pig etwas schuldig? Da kommen nach der Wahl, in der zwei Freundeskreise gehalten haben, wohl nur ihre Parteien in Frage: ÖVP und SPÖ.

Abbezahlt. Wie wurde Pigs Hypothek abbezahlt? War es wie früher? 2017 vereinbarte Sebastian Kurz mit Heinz Strache: „Geschäftsführung bei gesamter Neubestellung: 3:2 (GD + 2 VP, 2 FP)“. 2019 dealten die Grünen mit Kurz – mit demselben Ergebnis: 3:2 für die ÖVP.

Diesmal erzwingt ein neues ORF-Gesetz einen hohen Frauenanteil. Alles andere findet wie bisher hinter den Kulissen statt. Vielleicht nützt Pig die schwere Krise des ORF, um seine Spitze unabhängiger zu machen. Doch das Problem bleibt mit Heinz Lederer und Gregor Schütze, den Anführern der „Freundeskreise“ im Stiftungsrat. Vielleicht müssen sie gerade die Schrauben lockern, weil sie selbst ums Überleben kämpfen. Sobald sie wieder fest im Stiftungssattel sitzen, können sie die türkisen und roten Schrauben nachziehen.

Der ORF kämpft ums Überleben, weil ihm die Parteien bis heute das Wichtigste verweigern: Unabhängigkeit.

Zu unabhängig

Auch in diesem Punkt ist der große ORF das genaue Gegenteil vom kleinen ZackZack. Der Grund, warum wir ums Überleben kämpfen, ist gerade unsere Unabhängigkeit. Die investigativen Recherchen, die früher in ORF, Kurier oder profil veröffentlich wurden, erscheinen immer öfter nur noch bei uns.

Wir können das, weil hinter und über uns keine ÖVP, kein Raiffeisen und keine Industriellenvereinigung steht. Von den ÖVP-Polizisten im Fall Pilnacek bis zu den Russland-Geschäften von Industriellenpräsident Knill, von den BMI-Chats bis zu Benko, Ho und Sobotka waren wir oft die Ersten und immer öfter die Einzigen.

Wir brauchen keine Haushaltsabgabe und keine Regierungsinserate. Wir brauchen nur Schutz vor SLAPP-Klagen, die ein kleines, wirtschaftlich gesundes Unternehmen wie ZackZack in den Ruin treiben sollen.

Im Fall „Pilnacek“ haben wir uns mit ÖVP-Polizeispitzen und Teilen der Strafjustiz angelegt. Erstmals sind es Vertreter des Rechtsstaats, die uns mundtot klagen wollen – und dabei von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst GÖD finanziell unterstützt werden. Auf Solidarität traditioneller Medien dürfen wir nicht hoffen, die gibt es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schon lange nicht mehr.

Überlebensfrage

Kommt das SLAPP-Verbot rechtzeitig? Das ist unsere Überlebensfrage. Bis dahin verlassen wir uns auf euch – die Leserinnen und Leser von ZackZack. Ihr seid die besten Garanten unserer Unabhängigkeit, weil ihr nur eines wollt: dass wir über alle Tatsachen berichten, unabhängig von Parteifarben und Geld.

Wir sammeln gerade Spenden, damit wir die SLAPP-Kosten der letzten Monate decken können. Es geht um 76.652 Euro.

Jetzt, wo ich das auf der Alm vor meiner Rückfahrt nach Wien schreibe, sind wir schon bei 46 Prozent. Das ist ein toller Start. Wir können es schaffen, wenn zu den 396 Spenderinnen und Spendern ihr alle dazukommt.

Das geht ganz einfach: HIER.

Autor

webseitenewsletter banner (8)
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

116 Kommentare

116 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
×