Sonntag, Juli 12, 2026

Vor dem U-Ausschuss: 16 Fragen an ÖVP-Polizeichef Takacs

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Am 17. Juni erwartet der Pilnacek-Untersuchungsausschuss seine bisher wichtigste Auskunftsperson: ÖVP-Bundespolizeidirektor Michael Takacs. Seine Rolle beim Pilnacek-Laptop ist unklar. Inzwischen geht es auch bei ihm um das Verschwinden des Handys.

„Ja nicht hergeben. Lass ihn verschwinden. Einfach weg von euch, aussi aus dem Haus“. Das soll Bundespolizeidirektor Michael Takacs Pilnacek-Mitbewohnerin Anna P geraten haben, wie sie am 9. Dezember 2023 in einer Runde im Wiener Kellerlokal des Journalisten Michael Nikbakhsh und bei einem weiteren Treffen behauptet hat. Eine Tonaufnahme und ihre Abschrift, die der WKStA vorliegt, dokumentieren das.

Im Buch-Verbotsprozess gab Anna P. an, alles erfunden zu haben. Auch Takacs streitet alles ab.

Am Mittwoch könnte Takacs im U-Ausschuss etwas Anderes einholen: das 3. Telefonat, das er kurz nach Auffinden des Pilnacek-Leichnams mit Anna P. geführt hat – und der Rat, den er ihr zum Handy gegeben haben soll.

ZackZack hat die 16 wichtigsten Fragen an den ÖVP-Polizeichef zusammengestellt.

1. Wer erfuhr im BMI als Erster, dass Pilnacek sein Handy im Haus in Rossatz zurückgelassen hatte?

Antwort: MICHAEL TAKACS.

Am 2. Juni 2025 berichtet Takacs als Zeuge im Buch-Verbotsprozess, was ihm Anna P. beim 1. Telefonat, als sie gemeinsam mit Karin Wurm Pilnacek vermisste und noch nichts von seinem Tod wusste, berichtete: „dass sie in Sorge ist, dass Christian Pilnacek nicht zuhause ist und er sein Handy, seine Schlüssel und seine Brieftasche auf dem Tisch liegen lassen hat, was sie eben tun solle, ob sie zur Polizei gehen solle und dergleichen“.

Das 1. Telefonat fand damit am 20. Oktober 2023 ungefähr um 7 Uhr früh statt.

2. Wem im BMI hat Takacs berichtet, dass Pilnacek tot aufgefunden wurde?

Antwort: LANDESPOLIZEIDIREKTOR FRANZ POPP.

„In der Zeit zwischen 08:00 und 09:00 Uhr wurde der Landespolizeidirektor der LPD NÖ Franz Popp von Herrn Bundespolizeidirektor Michael Takacs telefonisch über die Auffindung des Herrn Mag. Christian Pilnacek informiert.“ Das schreibt die Volksanwaltschaft in ihrem Bericht zum Fall „Pilnacek“.

3. Wer hat die ersten Pilnacek-Ermittlungen angeordnet?

Antwort: MICHAEL TAKACS

Anna P. informierte Takacs und Takacs gab die Information mit einer Weisung sofort an seinen Landespolizeidirektor in St. Pölten weiter. Im Bericht der Volksanwaltschaft finden sich dazu wichtige Details.

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Das bestätigte Innenminister Gerhard Karner in einer Anfragebeantwortung im Mai 2024 zu Takacs: „Er ersuchte den Landespolizeidirektor von Niederösterreich vormittags um Klärung des Sachverhalts.“

Takacs hat Popp die Weisung zur „Einleitung geeigneter Erhebungen“ erteilt. Popp „beauftragte sodann das zuständige BPK (Bezirkspolizeikommando) Krems mit der Durchführung erster Maßnahmen“. Was dann am Altarm der Donau bei Rossatz geschah, ist bekannt.

4. Wie viele Telefonate hat es kurz nach Pilnaceks Auffinden zwischen Takacs und Anna P. gegeben?

Antwort: ZUMINDEST DREI.

Das erste Telefonat fand um etwa 6:30 Uhr, als Anna P. und Karin Wurm den vermissten Pilnacek suchten, statt.

Das zweite Telefonat folgte kurz nach Eintreffen der beiden Frauen am Auffindungsort des Leichnams.

Im dritten Telefonat ging es wenige Stunden später bereits um das Handy.

5. Wer hat als Erster über das „3. Telefonat“ zwischen Sobotka-Mitarbeiterin und Pilnacek-Mitbewohnerin Anna P. und Takacs ausgesagt?

Antwort: MICHAEL TAKACS.

Am 2. Juni 2025 sagte Takacs als Erster zum 3. Telefonat aus:

Richter: Haben Sie in weiterer Folge noch mit Frau Anna P. über den Fall gesprochen?

Takacs: Noch am selben Tag hat sie mich, ich glaube am frühen Nachmittag, angerufen, was sie mit den Schlüsseln, dem Handy und der Brieftasche machen soll. Und da habe ich ihr gesagt, dass sie es entweder den Angehörigen übergeben solle oder die Polizei ersuchen, dass die Polizei das übernehmen kann.

Richter: Warum haben Sie das zu ihr gesagt?

Takacs: Weil sie mich gefragt hat, was sie damit machen soll.

6. Wer hat als Erster den Rat gegeben, Pilnaceks privates Handy nicht der Staatsanwältin in Krems, sondern der Witwe in Graz zu übergeben?

Antwort: laut Anna P. MICHAEL TAKACS.

Am 18. Dezember 2025, als Anna P. im Buch-Prozess aussagte, konnte sie sich an das 3. Telefonat mit Takacs erinnern: „Soweit ich weiß sagte er, dass die persönlichen Gegenstände der Witwe gehören, aber diesbezüglich werden sich die Polizisten noch bei uns melden. Das war alles.“

Anna P. bestätigte ihre Aussage im Prozess am 11. Februar 2026 im Untersuchungsausschuss.: „Ich habe auch am Todestag selbst ein paar Mal mit Michael Takacs telefoniert. Dabei habe ich ihn auch gefragt, was man mit den Habseligkeiten von Mag. Pilnacek zu machen hat, und er sagte, dass diese an die Angehörigen auszuhändigen sind.“ Später wurde sie konkreter: „Er hat dann eben nur gemeint, ja, die gehören der Witwe, aber das wird eh die Polizei mit uns besprechen.“

7. Wann hat das 3. Telefonat mit Takacs stattgefunden?

Antwort: GEGEN MITTAGnach der Übernahme der Ermittlungen durch das LKA NÖ.

Der Zeitpunkt dieses  dritten Gesprächs kann eingegrenzt werden. Anna P. gab bei der WKStA zu Protokoll: „Wir sind dann vor Ort geblieben, bis Mag. Pilnacek aus dem Wasser gezogen worden war. Dann haben Karin und ich die Örtlichkeit verlassen. Das Eintreffen der Gemeindeärztin haben wir nicht mehr mitbekommen.“

Gemeindeärztin Dagmar W. war um 9:20 Uhr am Ufer eingetroffen. Wurm und Anna P. waren um diese Zeit bereits wieder zurück im Haus in Rossatz, das nur rund 300 Meter vom Uferweg entfernt war.

Dort lagen am Vormittag des 20. Oktober 2023 Handy, Geldbörse und Schlüssel von Christian Pilnacek auf einem Tisch in der Küche. Von dort rief Anna P. den Bundespolizeidirektor das dritte Mal an.

8. Zum Zeitpunkt seines Rats an Anna P., das Handy an Angehörige weiterzugeben – war Takacs über den Stand der Ermittlungen zu Pilnaceks Tod offiziell informiert?

Antwort: NEIN.

Takacs wurde dazu im Buch-Verbotsprozess unter Wahrheitspflicht befragt.

Frage: Im Laufe des 20.10.202 – sind Sie da informiert worden, dass man im Bereich der Ermittler des Landeskriminalamtes bereits überzeugt war, dass die Todesursache Selbstmord war?

Takacs: Nein, weil ich in die Ermittlungen nicht eingebunden war.

9. Woher wusste Takacs, was mit einem Beweismittel in einem Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, das gerade vom Landeskriminalamt NÖ übernommen worden war, zu geschehen hatte?

Antwort: OFFENE FRAGE.

Das Handy war ein potenzielles Beweismittel. Trotzdem fragten die Polizeibeamten die Staatsanwaltschaft Krems nicht, was sie damit tun sollten. Stattdessen veranlassten sie die Weitergabe an Witwe List in Graz.

Takacs bestritt im Buch-Verbotsprozess, irgendwelche Anweisungen in diese Richtung gegeben zu haben.

10. Über welche kriminalpolizeiliche Ausbildung, die ihm die Beurteilung der Rechtmäßigkeit seines Rats an Anna P. ermöglichte, verfügte Takacs?

Antwort: ÜBER KEINE.

Am 2. Juni 2025 antwortete Takacs als Zeuge im Buch-Verbotsprozess: „Ob meine Tätigkeit bei der Polizei jemals mit Ermittlungsbereichen im kriminalpolizeilichen Bereich zu tun gehabt hat, dann lautet die Antwort nein, denn ich war hauptsächlich uniformiert und zeige sichtbare Präsenz.“

Takacs verfügt über keine kriminalpolizeiliche Ausbildung und konnte schon daher nicht ausreichend beurteilen, was mit dem Beweismittel „Handy“ zu geschehen hatte.

11. Hat Takacs die Weitergabe des Handys mit anderen Entscheidungsträgern abgesprochen?

Antwort: OFFENE FRAGEN.

Franz Popp hat in seiner Einvernahme im Buch-Verbotsprozess gesagt, er wäre am 20.10.2023 nicht informiert worden, dass Anna P. von Takacs den Rat bekommen habe, das Handy an Angehörige zu übergeben.

„Nachdem ich das von Anna P. erfahren hatte, habe ich meine hierarchische Struktur verständigt, in dem Fall war es der Generaldirektor für öffentlicher Sicherheit und den Kabinettschef des Innenministers.“ Das sagte Takacs im Buchverbots-Prozess aus.

Was Takacs im Detail Generaldirektor Franz Ruf und Karners Kabinettschef berichtet hat, ist – noch – nicht bekannt.

Obwohl die WKStA auch gegen „unbekannte Täter im BMI“ ermittelte, wurde bis heute kein einziger Vorgesetzter von Takacs einvernommen. Damit sind die wichtigsten Fragen an die Entscheidungsträger über Takacs offen.

12. Hat Takacs mit Anna P. am 20.10.2023 nur privat telefoniert?

Antwort: NEIN.

Anna P. gab vor der WKStA am 6.5.2025 in einer schriftlichen Stellungnahme an:

Und: Anna P. „hatte am 20.10.2023 zuerst versucht, die örtliche Polizei (gemeint ist damit der Dienstposten Mautern) telefonisch zu erreichen. Da dies nicht gelungen ist, hat P. in der gegebenen Situation Takacs angerufen und um Rat gefragt“.

Anna P. wandte sich an die Polizei, zuerst an die PI Mautern, dann an den Bundespolizeidirektor. Sie wollte dienstliche Auskünfte.

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13. War der Rat, den Takacs Anna P. zur Weitergabe des Handys gab, dienstlich oder privat?

Antwort: offensichtlich DIENSTLICH.

 „Anna P. ist nur die berufliche Telefonnummer von Takacs bekannt.“ Das erklärte P. der WKStA am 6. Mai 2025. Anna P. hat Takacs als Polizeibeamten in seinem Büro offensichtlich auf seinem Diensthandy angerufen. Das Gespräch und der Rat, den Takacs Anna P. gab, waren damit dienstlich.

14. Ist der Rat von Takacs, das Handy an List weiterzugeben, umgesetzt worden?

Antwort: JA.

Anna P. sagte dazu am 23. Mai 2024 als Zeugin über die Einvernahme durch Chefinspektor Hannes Fellner vom LKA NÖ auf der PI Mautern am 20. Oktober 2023:

„Ich kann mich erinnern, dass wir, als wir bei der Einvernahme waren, dass wir, also Karin und ich gemeinsam, nach Ende der Vernehmungen, gefragt haben, was wir mit den Sachen, die noch im Haus liegen würden, machen sollen.“

„Die Beamten sagten, dass die Sachen der Gattin von Mag. Pilnacek gehören würden und dass diese an sie, also die Gattin zu übergeben seien.“

„Wir wurden auch gefragt, ob wir das machen würden, oder ob es uns lieber sei, dass sie, also die Polizeibeamten die Übergabe für uns erledigen sollten.

„Wir ersuchten dann, ob die Übergabe an die Frau nicht die Polizisten machen könnten, da wir damit nichts zu tun haben wollten. Wir beide kannten auch die Frau von Mag. Pilnacek nicht.“

15. Hat Takacs den Ermittlern klar gemacht, was mit dem Handy und anderen Gegenständen zu tun ist?

Antwort: OFFENE FRAGE

Takacs bestreitet das. Die Akten, Mails, Nachrichten und Amtsvermerke aus Innenministerium und Ministerkabinett, die darüber Aufschluss geben könnten, wurden dem Untersuchungsausschuss bis heute nicht geliefert.

16. Ist in diesem Zusammenhang der Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der Unterdrückung eines Beweismittels gegen Michael Takacs untersucht worden?

Antwort: JA. Aber es wurden keine Ermittlungen eingeleitet.

Dazu wird ZackZack gesondert berichten.

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