In Österreichs Zeitungslandschaft sind die Parteizugehörigkeiten der Medien klar. Mit Rainer Nowak hat ihr Verband VÖZ nun einen türkisen Sebastian-Kurz-Groupie als Präsidenten. Während er sein Amt antritt, setzt man mit SLAPP-Klagen zum vernichtenden Schlag gegen kleine unabhängige Medien an.
Österreichs Medienlandschaft ist zu 98 Prozent schwarz-blau. Oder vielleicht blau-schwarz. Das Verhältnis zwischen blauen und schwarzen Anteilen hängt davon ab, wer gerade regiert und wie die Meinungsumfragen aussehen. Jedenfalls gibt es unter Österreichs großen Medien kein einziges linkes oder progressives Medium und auch kein liberales – die Geschichte liberaler Medien in diesem Land ist ohnehin eine sehr kurze.
Diese rechte Hegemonie führt zu einer Ungeniertheit, Parteilichkeit offen zur Schau zu stellen. Es ist in Österreich eine Tugend, ja geradezu ein Muss, sich als Groupie zu outen. Nicht nur, dass man Parteilichkeit stolz herzeigt wie einen Orden, man heftet auch persönliche Erwartungen daran. Aufstieg in der Karriere, Posten oder Geld – gerade die niedrigsten Motive gelten in Österreich als die höchsten.
Türkise Groupies als unabhängige Journalisten
Es war schon erbärmlich genug, Rainer Nowaks Artikel in Die Presse ab dem Auftreten von Sebastian Kurz als »kommender Mann in der Volkspartei« lesen zu müssen. Der Innenpolitik-Teil der Presse – einer einst international bedeutsamen Zeitung – war ab diesem Zeitpunkt inhaltlich und sprachlich auf das Niveau von Heute gesunken. Und ist es bis heute geblieben.
Schlimmer noch war es, Rainer Nowak auch im Fernsehen sehen zu müssen. Man erinnere sich an Diskussionsrunden, bei denen – unter der Moderation von Hans Bürger – Rainer Nowak und Martina Salomon als Chefredakteure Politik analysierten. Drei türkise Kurz-Groupies spielen »unabhängige« Journalisten. Es kommt einem das nackte Grauen.
Die Unterraschung
Wie unterrascht waren wir, als wir durch die Veröffentlichung von Chats erfahren mussten, dass das, was man landauf und landab munkelte, tatsächlich zutraf: Nowak hatte bei all seinem Schreiben und Diskutieren immer ein steiles Karriereziel vor Augen gehabt: Er wollte Generaldirektor des ORF werden und hat dieses Ansinnen auch freimütig bei Sebastian Kurz‘ Kontaktmann für Postenbesetzungen Thomas Schmid deponiert.
Das war selbst seinem Arbeitgeber zu viel. Das heißt: Auch hier wurde der österreichische Weg gegangen. Man musste bei Die Presse zuerst einmal so tun, als handle man nun entsprechend. Nowak verließ Die Presse und fand Unterschlupf bei seinen Parteifreunden in der Neuen Kronen Zeitung. Boulevardniveau hatte er ja, wie gesagt, journalistisch schon. Und auch weltanschaulich passte er sich ohne Einschulung sofort an.
Korruption – ein Lausbubenstreich
Wie groß war das Erstaunen aber, als Nowak vergangenes Jahr wieder zur Presse zurückkehrte. Man beeilte sich hinzuzufügen, er würde dort nicht als Journalist, sondern als Geschäftsführer tätig sein. Korruption ist in Österreich so etwas wie ein Lausbubenstreich. Wenn sie von der politischen Rechten begangen wird, ist sie überhaupt nichtig.
Dieser Tage folgte ein weiterer Aufstieg des Kurz-Groupies Nowak: Er wurde soeben Präsident des VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungen). Dieser Verband hat in der Verschlechterung der österreichischen Medienlandschaft Großes geleistet. Einst hatte das Land mit ORF.at ein großes, hochqualitatives Online-Medium, das weitsichtige Medienexperten früh für ein neues Medium aufgebaut hatten. Freilich war das dem Zeitungsverband, dessen meiste Mitglieder das World-Wide-Web lange nicht ernstgenommen und die Digitalisierung verschlafen haben, immer ein Dorn im Auge. Politisch und juristisch ging der VÖZ also so lange gegen ORF.at vor, bis in einer Stunde der Übermacht türkiser Günstlinge und blau-äugiger Grüner unter der türkis-grünen Regierung zur Zerschlagung der wichtigsten und größten Onlineplattform des Landes angesetzt wurde.
Vollständige Zerstörung
Was heute von ORF.at übrig ist, ist dürftig – doch selbst der dürftige Rest ist weiter Ziel von Angriffen. Nun, lese ich, soll ORF.at in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden, in der andere Medien, die zum Beispiel der »parteiunabhängigen«, also schwarzen Raiffeisen-Bank gehören, es nun völlig vernichten können. Wenn die österreichischen Zeitungen schon nicht besser werden, so machen sie wenigstens andere Medien so schlecht, dass sie sich mit ihnen messen können. Das ist die österreichische Lösung.
Man stelle sich vor, dass in all diesem Wahnsinn, die Schwarz-Blauen oder Blau-Schwarzen sich nicht zu schade sind, nun auch zur Zerstörung kleiner unabhängiger Medien anzusetzen. Die Klagswellen, mit denen man jetzt alle kaputt machen will, die außerhalb der schwarz-blauen VÖZ-Diktatur mit sehr sehr wenig Geld und viel Mut für ein kleines Publikum schreiben, sind Ausdruck eines mangelnden Selbstbewusstseins. Die Rechten und Rechtsextremen in diesem Land wollen keine Redefreiheit und keine freien Medien. Und sie wissen genau, dass ihre Medien politisch nichts zu bieten haben.
Es ist ein Kompliment
Wir bei ZackZack sehen es als Kompliment, dass man uns mundtot machen will. Offensichtlich gelingt es uns, etwas zu sagen, Dinge zu schreiben, die nirgendwo anders in diesem Land gesagt oder geschrieben werden können.
Warum es in Österreich nicht möglich ist, eine Informationskultur und ein Pressewesen zu etablieren, die den Standards einer westlichen Demokratie gerecht werden, ist einfach gesagt: Parteipolitische Zugehörigkeit ist in diesem Land ein Muss. Wie sagte einst Franz Vranitzky: »Die Presse ist die unabhängige Tageszeitung der ÖVP.« Das kann man so stehen lassen.
Titelbild: Miriam Moné

