Kandidaten von New Yorks linkem Bürgermeister Zohran Mamdani siegen in Vorwahlen und schocken die Parteizentralen in Washington. Ein politisches Erdbeben könnte folgen.
Die Nacht des 23. Juni 2026 wird als Wendepunkt in die Geschichte der amerikanischen Demokratischen Partei eingehen. Alle drei Kongresskandidaten, die New Yorks linken Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt hatte, gewannen ihre Vorwahlen. Amtierende Abgeordnete waren chancenlos. Der Schwung der linken erfasst die Bundespartei.
Drei Siege gegen die Altpartei
Da war zum einen der fünffache Amtsinhaber Adriano Espaillat, der in der Bronx zum fünften Mal in Folge kandidierte. Er wurde von der Newcomerin Darializa Avila Chevalier, einer 32 jährigen Doktorandin mit sozialistischen Tendenzen geschlagen. Chevaliers Siegesrede traf ins Herz der demokratischen Partei: „Heute haben wir es klar gemacht. Die Politik der Vergangenheit endet heute!“ Die linken Kräfte in den USA bezeichnen sich selbst als „Democratic Socialists of America“ (DSA):
Brad Lander, ein ehemaliger Stadtrechnungsprüfer New Yorks und progressiver Veteran schlug den zweifachen Amtsinhaber Dan Goldman. Goldman war von niemand Geringerem unterstützt worden als House Minority Leader Hakeem Jeffries. Es hatte ihm nichts genützt. Die Wahl zeigt auch, dass Israel-Kritik bei New Yorks Bevölkerung weitaus besser ankommt, als Israeltreue. Denn Goldman galt als israelnaher Kandidat, der vom „American Israel Public Affairs Committee“ unterstützt wurde, während Lander der Netanjahu-Regierung Genozid vorwarf.
Claire Valdez vertritt ebenfalls den sozialistischen Mamdani-Flügel der Partei. Sie setzte sich im offenen Rennen um den Sitz der scheidenden Abgeordneten Nydia Velázquez im 7. Bezirk gegen Antonio Reynoso durch – Velázquez’ persönlich ausgewählten Nachfolger.
Der Mann dahinter: Zohran Mamdani
New Yorks 34-jähriger Bürgermeister setzte dabei alles auf eine Karte. Die Rechnung ging auf. Er brach offen mit der demokratischen Führung in Washington und warf sein Gewicht hinter Linksaußen-Kandidaten, die keine Scheu vor Israel-Kritik zeigten und ambitionierte Wirtschaftsprogramme forderten.
„Es geht nicht nur darum, mehr Demokraten zu wählen. Es geht darum, bessere Demokraten zu wählen”, sagte Mamdani am Wahlabend. CNN erkannte in Mamdani nach dessen Wahlsiegen einen neuen einflussreichen Akteur in der demokratischen Partei, der das Establishment unter Druck setze.
MAGA gegen DSA?
Die Demokratische Partei kämpft mit sich selbst – und das offen. Politische Beobachter beider Lager fragen sich, ob demokratisch-sozialistisch ausgerichtete Kandidaten zunehmend Einfluss innerhalb der Partei gewinnen und was das für Demokraten in umkämpften Wahlkreisen quer durchs Land bedeutet.
Auch in anderen Bundesstaaten gewinnen Linksaußen-Kandidaten an Boden: In Maine sicherte sich der Progressive Graham Platner eine Vorwahl und tritt im November gegen die republikanische Senatorin Susan Collins an. In Los Angeles kandidiert die demokratische Sozialistin Nithya Raman gegen Bürgermeisterin Karen Bass.
Auch die republikanische Partei hat sich unter Donald Trump stark verändert und ist deutlich nach rechts gerückt. Der amtierende Präsident hat die Partei gründlicher konsolidiert als vielleicht jeder moderne Präsident: 62 % der Basis-Republikaner identifizieren sich laut Brookings mittlerweile als MAGA-Anhänger.
Trump hat sich seine Gegner in der Partei genau gemerkt. Dort, wo Anti-Trump-Kandidaten der Republikaner zur Wahl stehen bringt er stets von ihm unterstützte Gegenkandidaten ins Spiel – meistens mit Erfolg.
Aber nicht alle republikanischen Wähler stehen hinter Trump. Die Nicht-MAGA-Republikaner werden zunehmend zu politischen Einzelgängern. In außenpolitischen Fragen, bei Zöllen und Fragen zu den Grundfesten der Demokratie tendieren viele moderate Republikaner zu Gegenkandidaten Trumps.
Beide Parteien befinden sich in einem entscheidenden Wandel. Die Ränder rechts und links werden immer stärker. Das Amerika der politischen Mitte schrumpft. Und im November bei den Midterm-Wahlen wird sich zeigen, welcher Rand der stärkere ist und die vielen moderaten Wählergruppen in sein Lager ziehen kann.
Titelbild: APA-Images / AFP / KENA BETANCUR

