Sonntag, Juli 12, 2026

Rekordhitze: Joghurt statt Totschnig

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Dass wir erstmals eine gefährliche Hitzewelle schon im Juni überstehen müssen, verdanken wir einer fossilen Politik. Wie die Hitze könnte auch sie in Österreich noch gefährlicher werden.

Heute werden in ganz Europa Tausende Menschen sterben, ohne eigene Schuld und völlig sinnlos. Sie werden sterben, weil die Temperaturen von menschlich auf unmenschlich steigen. Einige davon wird es in Österreich treffen, mitten unter uns.

1986 bin ich mit den Grünen in den Nationalrat eingezogen. Vom ersten Tag an haben wir gewarnt, dass es so kommen könnte. Niemand hat gewusst, wann es zu spät ist. Aber wer wollte, konnte sehen, wie wir fast ungebremst auf diesen Punkt zurasten.

Damals vor vierzig Jahren hätten wir genug Zeit und viele Möglichkeiten gehabt, alles abzuwenden. Ja, es hätte noch einige heiße Sommer gegeben. Aber die drei, vier Grad, die jetzt oben draufkommen, machen den Unterschied aus, ob man schwitzt und stöhnt oder zusammenbricht und es nicht mehr schafft.

„Hitzewellen hat es schon immer gegeben.“ Das stimmt. 40 Grad im August, als große Ausreißer. Aber nicht im Juni. Das ist neu und eine Warnung vor einem August, wie wir ihn nicht kennen.

9 Kanzler

Die Kanzler, die nichts getan haben, weil sie alle zu kurzsichtig dachten und zu kurzfristig handelten, hießen Vranitzky, Klima (im Ernst), Schüssel, Gusenbauer, Faymann, Kern, Kurz, Nehammer und jetzt Stocker. Neun Kanzler hatten Wichtigeres zu tun. Was, das haben wir längst vergessen. Nur eines werden wir uns merken: dass sie verantwortungslos gehandelt und versagt haben.

Das stammt von Christian Stocker: „Wirtschaftliche Stärke bedeutet auch geopolitische Schlagkraft. Dazu brauchen wir sichere, leistbare Energie, eine Klimapolitik, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und mutigere Schritte gegen überbordende Bürokratie.“

Unsinniger geht es kaum. „Eine Klimapolitik, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt“ – jeder, der die ÖVP kennt, weiß, was das heißt: Kosten senken, damit man billiger anbieten kann. Welche Kosten senkt ein ÖVP-Kanzler? Zu hohe Löhne, Ökosteuern und „überbordende Bürokratie“, also Regulierungen und Verbote.

„Eine Klimapolitik, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt“, hätte Österreich vor dreißig Jahren zum Vorreiter der Solarwende gemacht. Das war unser Vorschlag. Von Vranitzky bis Kurz haben die Fossilkanzler auf Öl und Gas gesetzt. Jetzt zeigt uns China, welchen Preis Konzerne wie VW für ihre hoffnungslose Rückständigkeit zahlen müssen. Dort stehen 100.000 Beschäftigte auf Kündigungslisten, weil VW gegen die neuen Konkurrenten aus China uralt aussieht.

Heute wissen wir, dass damals, 1986, die Grünen die einzige Partei mit Wirtschaftskompetenz waren. ÖVP und SPÖ teilten sich Land und Wirtschaft untereinander auf. Für die Zukunft hatten sie keine Zeit.

Joghurt und Klimaleugner

Jetzt ist es für vieles zu spät. Natürlich können wir auch jetzt etwas tun: uns so gut es geht schützen und verhindern, dass es noch schlimmer wird.

Geht das? In Amsterdam lässt der Hitzekoordinator viel zu große Fenster von außen verhängen. Die französische Hauptstadt baut mit Fraîcheur de Paris ein gigantisches System zur Wasserkühlung für ganze Viertel. In Großbritannien raten Öko-Architekten, die Fenster mit Joghurt zu beschmieren. BBC meldete einen Temperaturrückgang von 5 bis 6 Prozent – und empfahl griechischen Joghurt mit 10 Prozent Fett.

Joghurt ersetzt keinen Klimaschutz, aber es ist derzeit deutlich wirksamer als unser Umweltminister und sein Kanzler. Die haben den Klimaschutz längst privatisiert: Wer Geld hat, leistet sich eine teure Klimaanlage. Wer keines hat, hat Pech, wie etliche Krankenhäuser und Schulen.

Wenn aus den Umfragen Wahlergebnisse werden, könnte die nächste Regierung von Klimaleugnern geführt werden. Sie werden Stimmen von Menschen bekommen, die sich keine Klimaanlage leisten können und in Glutstädten festsitzen, während Herbert Kickl in den Bergen abtaucht. Ein Vorschlag, der im deutschen Halle umgesetzt wurde, könnte ihm gefallen: Der Eintritt zum lokalen Badesee ist nur noch für deutschsprechende Gäste gestattet. Nur sie können die Anweisungen des Sicherheitspersonals fehlerfrei verstehen.

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