Sonntag, Juli 12, 2026

Der Marie-Antoinette-Standard

Google
ZackZack auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
?
Ein Klick auf „Aktivieren" öffnet eine Google-Seite, auf der du ZackZack als bevorzugte Nachrichtenquelle speichern kannst. Das beeinflusst, welche Artikel dir in Google News und im Discover-Feed vorgeschlagen werden. Google erhält dabei keine Daten von uns – du änderst lediglich eine Einstellung in deinem eigenen Google-Konto.
Aktivieren

Während die Hitzewelle in Europa Todesopfer fordert, hat man den Eindruck, Menschen an Machthebeln haben den Ernst der Lage nicht ganz erkannt.

Das zweierlei Maß wird noch der Untergang der Demokratie sein. Wer soll noch auf die Grundsätze der Gleichheit vertrauen, wenn diese so offensichtlich missachtet werden? Während die Hitzewelle in Europa Todesopfer fordert, Straßen ganz ohne Klimaklebende zerstört und das Leben, wie wir es kannten, verändert, hat man den Eindruck, Menschen an Machthebeln haben den Ernst der Lage nicht ganz erkannt. Klimaanlagen in Schulen? Oder Pflegeheimen? Hitzeferien? Aber geh. Und wenn sie keine Klimaanlage haben, sollen sie eben die Wohnungen einfach auf 26 Grad halten!

Das ist nicht neu. Immer, wenn es ans Existentielle geht, zeigt sich dieses zweierlei Maß. Das war schon so, als die Coronapandemie noch aktuell war. Das playbook war dasselbe. Den Schulkindern verweigerte man Luftfilter und damit neben sauberer Luft auch mehr Sicherheit. Sich selbst allerdings gönnten sich einige der Verantwortlichen Luftfilter, die ja angeblich gar nicht nötig waren. Gerne im Bundeskanzleramt. Besonders offensichtlich auch in Davos, was zu dem Begriff „Davosstandard“ führte. Man hätte diesen Effekt eigentlich gleich Marie-Antoinette-Standard nennen können, es wäre ehrlicher gewesen. Ja, ja, die Autorin dieser Zeilen weiß, dass das böse Zitat mit Brot und Kuchen in ihren Mund geschoben wurde, sie das so niemals gesagt hat. Falsche Zeit, falscher Ort, grausames Schicksal.

Immer, wenn es ans Existentielle geht, zeigt sich dieses zweierlei Maß. Das war schon so, als die Coronapandemie noch aktuell war.

In diesen schwer erträglichen Hitzetagen (deren Herkunft man gewiss nicht mit „Sommer“ mehr abtun kann, denn ja, es war immer schon heiß im Sommer, aber sicherlich keine beinahe- und über 40 Grad, die sich tagelang hielten, Österreich ist ja weder Italien noch Kroatien, und die haben außerdem auch noch Meer!) war allerdings noch eine andere Person zur falschen Zeit am falschen Ort, nämlich tagsüber in dem eigenen Auto. Das wäre an und für sich ja noch kein Problem gewesen, aber die betroffene Person saß nicht allein in ihrem Wagen, sondern saß dort mutmaßlich begleitet von 2,48 Promille, die fürs Autofahren eine ganz üble Begleitung darstellen.

Die mutmaßlich illuminierte Person hieß Norbert Hofer. Gefahren soll er sein wie „ein Verrückter“, so ein Zeuge, der die Polizei rief, die Hofer nach kurzer Fahndung an seiner Wohnadresse neben seinem Auto vorfand. Ebendort soll der Politiker angegeben haben, nicht selbst am Steuer gesessen zu sein. Am nächsten Tag wunderte man sich nicht mehr, was alles möglich sein könnte, man wusste, was möglich war, denn Hofer gab die Alkoholisierung am Steuer zu. Und hier wären wir wieder beim sogenannten Davosstandard. Als Verkehrsminister hatte er noch dramatisch beklagt, dass üble Drogenlenker andere Verkehrsteilnehmer gefährden würden.


Titelbild: ZackZack/Miriam Mone

Autor

  • Julya Rabinowich

    Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

webseitenewsletter banner (8)
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

48 Kommentare

48 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
×