Die fast zweiwöchige Hitzewelle ist vorbei. Doch sie wird in die Geschichtsbücher eingehen, wie Daten von GeoSphere Austria belegen.
Sie ist vorbei, aber hat Spuren hinterlassen. Fast zwei Wochen lang hat eine Hitzewelle Österreich im Griff gehabt, die laut GeoSphere Austria viele Rekorde gebrochen hat. Am Mittwochabend hat sich die glühende Hitze nach Regenschauern im Osten vorerst verabschiedet. Doch davor hatten die anhaltend hohen Temperaturen landesweite Erschöpfung und zahlreiche Tote nach hitzebedingten Badeunfällen zur Folge.
Für die Geschichtsbücher
Die anhaltende Hitzewelle war vor allem so besonders, weil sie vor dem Beginn der eigentlich heißesten Monate, Juli und August, aufgetreten war. Gleich 157 von 277 Wetterstationen meldeten laut GeoSphere Austria neue Juni-Rekorde. Die neuen Höchstwerte lagen durchschnittlich um 1,4 Grad über den alten. An 46 Stationen sogar um mehr als zwei Grad.
Wien lieferte das Extrembeispiel. Auf der Hohen Warte, wo seit 1872 gemessen wird, fiel der bisherige Juni-Rekord von 1950 um satte 3,6 Grad. Sogar der bisherige Jahresrekord aus dem August 2013, damals war es 38,5 Grad heiß – wurde mit 39,7 Grad überboten.
Über 60 der 277 Wetterstationen meldeten insgesamt neue Jahresrekorde. In Bregenz, Innsbruck, Linz und auf der Wiener Hohen Warte war es die heftigste Hitzewelle der Messgeschichte.

Keine Erholung in der Nacht
Auch nachts gab es keine Erholung: In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 29. Juni, verzeichneten 94 Stationen laut GeoSphere Austria eine sogenannte Tropennacht. Die Temperatur fiel nicht unter 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit blieb hoch. Auf der Wiener Jubiläumswarte sank das Thermometer in dieser Nacht nur auf 27,3 Grad. Es war die heißeste Nacht der Messgeschichte.
Besonders die fehlende nächtliche Erholung ist für den menschlichen Organismus bedrohlich. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit zitiert den Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien: „Kern- und Angelpunkt nachhaltiger gesundheitlicher Auswirkungen von Hitzewellen ist die gestörte Nachtruhe. Zu wenig und unruhiger Schlaf mit häufigem Aufwachen und vermehrten Schwitzen beeinträchtigt die – gerade in Hitzeperioden so wichtige – Erholungsphase des Organismus. Damit startet man bereits geschwächt in den nächsten heißen Tag – mit verminderter Leistungsfähigkeit und geringerer Hitzeresistenz.”
Ideal ist laut übereinstimmenden Expertenmeinungen eine Temperatur zwischen 15 und 18 oder 19 Grad im Schlafzimmer. Ab einer Raumtemperatur von über 20 Grad kann sich der Körper auch im Schlaf schlechter erholen.
Hitzewellen häufiger
Laut Einschätzung der Wetter- und Klimaexperten war die überstandene Hitzewelle kein Ausreißer. Der GeoSphere-Analyse zufolge dauern die stärksten Hitzewellen in Österreichs Landeshauptstädten heute im Schnitt sieben Tage länger als noch 1960. Die Kombination aus Hitzetagen und tropischen Nächten nimmt messbar zu, besonders im Osten und in tiefen Westlagen.
Alles nur Zufall? Hat nichts mit dem Menschen zu tun? Warme Tage gab es schon immer? Ja, aber nicht in dieser Regelmäßigkeit. Die Zahlen sind – obwohl es nicht die heftigste Hitzewelle im Juni seit Beginn der Aufzeichnungen war – eindeutig.
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