07. Aug. 2026

Kickl, Kurz – und 103 Prozent

103 Prozent. So groß war der Erfolg unserer SLAPP-Spendenkampagne. Doch die Gefahr für die Pressefreiheit wächst, seit Kickl und Kurz zueinander gefunden haben.

Zuerst einmal mein großer Dank: Schon zum zweiten Mal habt ihr, unsere Leserinnen und Leser, uns vor dem Zusperren bewahrt. Seit wir mit der Aufklärung eines hochpolitischen Todesfalls ins Wespennest von ÖVP-Polizeispitze und Pilnacek-Strafjustiz gestochen haben, hagelt es SLAPP-Klagen, gegen ZackZack und gegen mich.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder auf unseren Spenden-Zähler geschaut und gesehen, wie die Prozentmarke nach oben klettert: zuerst schnell auf zehn, dann auf zwanzig Prozent und zwei Wochen später das Finale: 80, 90 und zum Schluss 103 Prozent. Das war eine große Freude, für alle in unserem kleinen Team.

Die SLAPP-Klagen gegen uns haben einen Grund: Anders als vor zwanzig Jahren gibt es heute kaum noch investigativen Journalismus in den traditionellen Zeitungen und im ORF. Kleine neue Medien wie Dunkelkammer und ZackZack füllen eine Lücke, die es früher nicht gegeben hat.

Alles totklagen

Unser Vorteil ist, dass wir über alles berichten können, weil wir völlig unabhängig sind. Der Nachteil ist auch kein Geheimnis: Wir haben kaum Geld.

Im Reich der ÖVP hat man daraus eine Lehre gezogen: alles totklagen, was man nicht totschweigen kann. Seit unserer Gründung vor sieben Jahren begleiten uns Millionenklagen. Wir wissen nie, ob es uns in einem Jahr noch geben wird. Wir wissen nur eines: dass wir genau so stark sind wie die Unterstützung, die ihr uns gebt: unsere Leserinnen und Leser.

Dafür noch einmal ein großes Danke.

Ausgeschlossen

Und jetzt zu dem, was gerade passiert:

Der verdiente NEOS-Abgeordnete Veit Dengler ist aus Partei und Parlamentsklub ausgeschlossen worden, weil er eine Klubsitzung mit seinem Handy aufgenommen hat. Dengler selbst beteuert, er habe alle Anwesenden informiert und vor ihnen die Aufnahme wieder gelöscht. Wenn es diese Pimperlgeschichte nicht war – warum hat man ihn dann ausgeschlossen?

Dengler hat gegen das Budget des Bundeskanzleramts gestimmt. Das war aber nicht der Grund, beteuern die übrigen NEOS, weil Abgeordnete bei ihnen nach wie vor völlig frei sind. Klubzwang? Niemals! Wer das glaubt, wird mit Sicherheit selig.

Kurz und Kickl

Noch seliger wird man, wenn man Folgendes glaubt: Altkanzler Kurz hat Alt-Innenminister Kickl am 3. Juni im Parlament besucht. Kickl soll, wie aus dem FPÖ-Klub berichtet wird, mit dem 90-minütigen Gespräch hoch zufrieden gewesen sein. Kurz danach war Kurz nicht mehr auf der Ladungsliste für den Pilnacek-Untersuchungsausschuss. Laut FPÖ habe das eine nichts mit dem anderen zu tun. Kurz sei als Zeuge nicht interessant genug.

Kurz hat als Letzter mit Pilnacek telefoniert – und als Erster dessen Suizid behauptet. Als suspendierter Sektionschef hat Pilnacek Kurz illegal juristisch beraten und hat in dieser Zeit Schriftsätze für die Kanzlei von Rechtsanwalt Schender verfasst. Schender wiederum holte für Gerichtspräsidentin List Pilnaceks Handy schon nach wenigen Stunden vom Landeskriminalamt Niederösterreich ab. Kurz danach telefonierte Kurz mit List, nur um sein Beileid auszudrücken, was sonst. Der Rest ist Bunsenbrenner, Kurz-Besuch bei Kickl und ein Kurz-Loch in der Ladungsliste.

Deal und Dubai

Unterstellen wir einmal, Kickl hätte mit Kurz einen Deal gemacht. Was hätte Kickl für die Verhinderung einer Kurz-Aussage im U-Ausschuss bekommen? Oder, andersherum: Wenn Kickl mit Kurz-Hilfe Chef des neuen Rechtsblocks in Parlament und Regierung werden will – was kriegt Kurz? Den Innenminister? Außenminister? Bundespräsident? Oder werden schon Fäden zu denen in der FPÖ, die es lieber ohne Kickl machen würden, gesponnen?

Mit Kickl und Kurz steht erstmals ein Rechtsblock, in dem die alte ÖVP nicht mehr vorkommt, vor der Tür. Das ist die politische Dimension.

Aber da war doch noch etwas. Pilnaceks verstorbener Freund Wolfgang Rauball berichtete nicht nur mir, dass Pilnacek Millionen aus Dubai erwartete und damit seinen Hauskauf finanzieren wollte. Dubai – da fallen mir Namen ein: Benko. Kurz. Takacs. Marsalek. Martin Weiss… Die haben alle nichts miteinander zu tun. Deshalb gibt es auch nichts zu fragen.

Ideenschmiede

Wahrscheinlich ist mit Kickl und Kurz alles ganz anders und einfach. Beide schmieden neue Ideen für Österreich und haben sich folgerichtig zu einer Ideenschmiede gefunden. Beide haben einander als gute Christenmenschen alles, was sie sich gegenseitig angetan haben, vergeben. Es geht um das große Ganze, und das ist eine Regierung, die die politische Welt von Vance, Thiel, AfD und Putin auf österreichisch abmischt.

Was dann kommt, darauf gibt es von Washington bis Wien immer öfter einen Vorgeschmack. Da geht es nicht um Weltanschauungen, sondern gleich um die Welt selbst und um die Antwort auf eine einzige Frage: Wem gehört sie.

Von Putin bis Musk gibt es darauf eine Antwort: uns, den neuen Oligarchen, mit ihrem Geld und ihren neuen und alten Medien. Da stören wir mit ZackZack und eurer Unterstützung gerne weiter, solange es noch freie Medien und freie Wahlen gibt.

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