Theoretisch wäre damit zu rechnen, dass ein Mensch, der eine schwere Erkrankung bekannt gibt, eher mit Besserungswünschen und Solidaritätsbekundungen überschüttet wird. Praktisch sieht es so aus, dass es nicht eben lange dauerte, bis die Kloake die dazugehörenden Kloakierer offenbarte.
Ein Finanzminister bekommt Krebs. Er drückt sich nicht vor dem Gewicht seiner Aufgabe. Er beschließt zuerst das Budget. Er trägt seine Verantwortung, so wie er sie seit Amtsantritt getragen hat, weiter, bis alles in trockenen Tüchern ist. Erst dann gibt er seine Krebserkrankung und den sofort einsetzenden Therapiebeginn bekannt. Und was passiert dann? Natürlich ist es Thema in den meisten Medien. Und was passiert anschließend? Die meisten Medien haben Foren. Und die meisten Foren werden immer wieder zu Kloaken menschlicher Niedertracht. Theoretisch liegt die Verantwortung für diese Foren und ihre Moderation bei den Medien, die sie öffnen. Theoretisch wäre auch damit zu rechnen, dass ein Mensch, der eine schwere Erkrankung bekannt gibt, eher mit Besserungswünschen und Solidaritätsbekundungen überschüttet wird.
Praktisch sieht es so aus, dass es nicht eben lange dauerte, bis die Kloake die dazugehörenden Kloakierer offenbarte. Die sich freuten. Und mehr noch, die noch Übleres wünschten. Vergiftete Geisteszwerge mit Schaum vorm Schundmaul, die darin eine gute Nachricht erkannten. Nicht weil sie etwas über Budgetpolitik zu sagen hätten. Sondern weil sie den Tod inzwischen für ein legitimes politisches Argument halten. Das zeigt nicht nur politische Radikalisierung, es ist schlicht eine gesellschaftliche und politische Verwahrlosung. Ein solches Forum nicht zu schließen oder streng zu moderieren ist übrigens ebenfalls ein gesellschaftspolitisches Versagen. Der Geifer wird nur dort gespien, wo er Raum findet. Es ist eine Zerrüttung all dessen, das sich Humanismus nennt. Oder Gesellschaftskonsens. Eine gesellschaftliche Spaltung kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Das ist bereits ein gewisser gesellschaftlicher Niedergang. Einige haben sich offensichtlich aus dem Konsens verabschiedet. Parteien wie die FPÖ schüren die Feuerchen gerne weiter. Und nein, das hat exakt nichts mit einem demokratischen Diskussionsprozess zu tun.
Man darf Markus Marterbauer kritisieren. Hart, laut, kompromisslos. Man darf seine Politik ablehnen und für falsch halten. Man kann das sogar tun, auch wenn alle harten Fakten dagegen sprechen. Ja, man darf auch verblendet sein. Verblendung ist zwar ungünstig sowohl für die Verblendeten als auch für alle anderen. Aber Verblendung ist kein Straftatbestand. Dafür gibt es Demokratie. Wer aber einem Kranken den Tod wünscht, hat sie nicht verstanden. Und auch nichts verstanden davon, was einen aufrichtigen Menschen ausmacht. Die Psychiaterin und Gutachterin Heidi Kastner hat schon treffend festgestellt, dass die Dummheit aufgehört habe, sich zu schämen. Aber es ist nicht nur die Dummheit, die da spricht. Hier spricht enthemmter, verurteilenswerter Hass. Wenn jemand schwer erkrankt, gibt es exakt nur eines, was man tun kann: Ihm alles Beste zu wünschen. Und ihm, so man Kraft hat, den Rücken zu stärken. Rascheste Gesundung, Markus Marterbauer.
Titelbild: ZackZack/Miriam Mone

