11. Aug. 2026

Protest gegen Google-Rechenzentrum bei Kronstorf: “Auswirkung nicht geklärt”

Im oberösterreichischen Kronstorf soll in Zukunft ein riesiges Google-Rechenzentrum stehen. Doch nachdem der US-Konzern Pläne für einen weiteren Ausbau präsentierte, formiert sich immer stärker Widerstand.

Am Freitag Nachmittag demonstrierten zwischen 200 und 300 Personen gegen das bereits im Bau befindliche Google Rechenzentrum in Kronstorf. Zum Protest hatte die Bürgerinitiative „Rechenzentrum Kronstorf“ aufgerufen. Sie kritisiert vor allem fehlende Transparenz, die fehlende verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung und Folgen für die Natur in der Umgebung.

Ausbau geplant

Die erste Baustufe ist bereits genehmigt und kann wohl nicht mehr verhindert werden. Google plant jedoch einen Ausbau des Projekts, den die Protestbewegung verhindern will. Dabei nimmt sie sich Entwicklung in den USA zum Vorbild. Dort hat sich mittlerweile eine große Protestbewegung gegen den Bau von großen Rechenzentren formiert. Wiederkehrende Kritikpunkte: Die sogenannten “KI-Fabriken” belasten die natürliche Umgebung massiv und liegen nicht im Interesse der örtlichen Bevölkerung.

Bei Kronstorf stören sich die Kritiker insbesondere daran, dass im Fall von großen Rechenzentren keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben ist. Genau das will die Bürgerinitiative erzwingen.

Die erste Ausbaustufe des Google-Rechenzentrums soll einen Stromverbrauch von rund 1,3 Terrawattstunden (TWh) haben. Vor einiger Zeit wurde allerdings eine zweite geplante Ausbaustufe bekannt. Diese soll 4,4 TWh jährlich benötigen und damit laut Austrian Power Grid mehr als alle oberösterreichischen Haushalte zusammen. Ganz Oberösterreich inklusive Industrie und anderen Unternehmen verbraucht ungefähr 14 TWh im Jahr.

Land und Wasser geopfert

Thomas Fink, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, mobilisiert vor allem gegen die Versiegelung von 50 Hektar bestem Ackerland und der Belastung für die Enns. In den Fluss soll das verwendete Kühlwasser für die Server gespült werden. Täglich wird mit fast 6 Millionen Litern an 30 Grad warmem Wasser gerechnet.

„Der US-Techkonzern Google baut in Kronstorf auf einer Fläche von 50 Hektar ein sogenanntes Hyperscale-Rechenzentrum – eines der größten in Europa. Dafür werden rund 70 Fußballfelder wertvolles Ackerland verbaut. Gleichzeitig sind die langfristigen Auswirkungen auf die Enns, das Grundwasser und die regionale Energieversorgung noch nicht ausreichend geklärt.“

Thomas Fink

Fink beklagt vor allem, dass Google nicht auf modernere Möglichkeiten zur Kühlung der Server zurückgegriffen hat: „Es gibt hochmoderne Kühlmöglichkeiten für Rechenzentren, die ohne die Nutzung von Grundwasser auskommen, mit Immersion-Cooling“. Warum Google diese Möglichkeiten nicht ausgeschöpft hat? Fink vermutet einen simplen Grund: „Es war die einfachste Option für den US-Konzern Google und die oberösterreichischen Entscheidungsträger. Für die Bevölkerung und die Umwelt ist es jedoch die schädlichste Option.“

Die Initiative verweist auf den Umstand, dass das Megaprojekt auch enorm viel CO² freisetzen wird. Sollte die zweite Ausbaustufe umgesetzt werden, würde man zur Kompensation eine Waldfläche benötigen, die mehr als 10 Prozent der Oberösterreichischen Fläche ausmacht.

Die befürchtete Erwärmung der Enns könnte vor allem für die dort lebenden Fische zum echten Problem werden. Bei entsprechendem Anstieg der Temperatur können manche Fischarten nicht mehr richtig stoffwechseln und weichen in kältere Gebiete aus oder verenden. Noch bewirbt der Landesfischereiverband die Enns als „Salmonidengewässer der Spitzenklasse“. Das könnte sich – sollten die Befürchtungen wahr werden – bald ändern.  

fisch plakat
Eines der Plakate beim Protest in Kronstorf am 17.07.2026

„Weil es sein muss“

Auch ein grundlegendes Problem sieht man bei der Bürgerinitiative: „Wir setzen uns auch dafür ein, dass kritische Daten und digitale Infrastruktur unter demokratischer Kontrolle bleiben“, sagt Sprecher Harald Müllner. Die Besteuerung von Gewinnen im digitalen Bereich sollen laut der Bewegung dort anfallen, wo sie erzielt werden.

Das Land Oberösterreich und der Gemeinderat von Kronstorf stehen hinter dem Projekt. Der ÖVP-Vorsitzende in Kronstorf argumentierte mit der zunehmenden Nutzung von KI. Rechenzentren wie das in Kronstorf müssten wegen dem steigenden Rechenbedarf gebaut werden „weil es sein muss.“  


Titelbild: Bürgerinitiative Rechenzentrum Kronstorf

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