Nachdem Spanien den WM-Titel gewonnen hatte, wollte US-Präsident Donald Trump sich im Lichte der Sieger sonnen. Doch die hatten etwas dagegen. Mit gutem Grund.
Am Sonntagabend entthronte eine souveräne spanische Mannschaft den bis dahin amtierenden Fußball-Weltmeister Argentinien. Die Südamerikaner rund um Superstar Lionel Messi mussten sich dem spanischen Kollektiv völlig verdient mit 0-1 geschlagen geben.
Doch bei der Siegerehrung geriet das Sportliche schnell in den Hintergrund. Schuld daran war wieder einmal US-Präsident Donald Trump, der sich unerlaubt in den Vordergrund drängen wollte. Spaniens Kapitän Rodrigo Hernández – kurz Rodri – hielt dagegen.
Aus Siegerfoto gedrängt
Das WM-Finale war das erste Spiel der Weltmeisterschaft, bei dem US-Präsident Trump im Stadion war. Hinter Panzerglas verschanzt, verfolgte er neben FIFA-Präsident Gianni Infantino das Match. Als er nach dem Spiel auf den Rasen trat, wurde er mit einem lautstarken Pfeifkonzert begrüßt. Doch es wurde noch schlimmer für Trump.
Die entscheidende Szene ereignete sich beim Siegerfoto just in dem Moment, als Spaniens Weltmeisterkapitän Rodri vor seinem kompletten Team den WM-Pokal in die Luft stemmen sollte. Trump marschiert in die Mitte des Bildes, schüttelt Rodri die Hände und übergibt ihm gemeinsam mit FIFA-Präsident Gianni Infantino den WM-Pokal.
Eigentlich sollten sich Trump und Infantino jetzt nach dem offiziellen Protokoll vom Siegerpodest zurückziehen. Doch während Infantino nach links ausweicht, hat Trump offenbar vor, in der Mitte des spanischen Teams stehenzubleiben. Dabei hat Trump nicht mit der Gelassenheit Rodris gerechnet. Der spanische Star, der immer stoisch bleibt und keinen einzigen Social Media Account hat, schiebt den US-Präsident entschieden, aber höflich von der Bühne. Infantino rennt ihm hastig hinterher.
Erst als Trump gezwungen war, aus der Bildmitte zu verschwinden, streckt Rodri den WM-Pokal in die Luft. Der spanische Kapitän kehrte die Kräfteverhältnisse am Siegerpodest um und deklassierte Trump zu einer unbedeutenden Randfigur. Die Szene ging um die Welt.
Trump beleidigte Spanier
Rodri wollte offenbar nicht, dass sich ein US-Präsident im Licht ihres Sieges sonnt, der zuvor verächtlich über das Land gesprochen hatte. Noch im Juli hatte Trump die Spanierinnen und Spanier als „hoffnungslos“ und „schlechte Menschen“ bezeichnet und gedroht, alle Handelsbeziehungen mit Spanien zu beenden.
Hintergrund ist das belastete Verhältnis mit Spaniens linkem sozialdemokratischen Premierminister Pedro Sánchez. Der spanische Regierungschef kritisierte die US-Politik von Donald Trump immer wieder und untersagte dem US-Militär die Nutzung von spanischer Infrastruktur für den Krieg gegen den Iran. Im März sagte Sánchez über Spaniens Außenpolitik gegenüber Trump, es sei „naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet“. Kapitän Rodri zeigte Trump im Moment des Triumphs erneut die spanische kalte Schulter.
Titelbild: APA-Images / AFP / ANGELA WEISS

