Der Pilnacek-U-Ausschuss ist in der Sommerpause. ZackZack zieht Bilanz. Im ersten Teil geht es um die Rolle der Schlüsselperson im Innenministerium: Bundespolizeidirektor Michael Takacs. War er als reiner Privatmann in die Causa involviert?
25 Sitzungen, 39 Auskunftspersonen, 165 Stunden, rund 65.000 Seiten an Akten und Unterlagen. Mit diesen Kennzahlen ist der Pilnacek-Untersuchungsausschuss in die Ferien gegangen. Am 16. September soll es dann mit den ausstehenden Befragungstagen weitergehen.
ZackZack nimmt die Sommerpause zum Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen – zu bisherigen Erkenntnissen und Neuigkeiten, die der Ausschuss hervorbrachte. In Teil 1 widmen wir uns der Befragung einer Schlüsselperson: Bundespolizeidirektor und ÖVP-Mann Michael Takacs. In seinen Aussagen orteten Parlamentarier an manchen Stellen Widersprüche.
Privater oder dienstlicher Rat?
In den frühen Morgenstunden des 20. Oktober 2023 wurde Bundespolizeidirektor Michael Takacs von Anna P. angerufen. Sie informierte ihn erst über das Verschwinden Christian Pilnaceks, dann über dessen Tod und in einem dritten Telefonat über das Vorhandensein von dessen “Gegenständen”, etwa dem Handy, im Haus in Rossatz.
Mit ihren Aussagen belastete Anna P. den Bundespolizeidirektor unter Wahrheitspflicht zweimal. Am 18. Dezember 2025, als sie im Pilnacek-Buch-Prozess aussagte, konnte sich Anna P. erinnern: „Soweit ich weiß sagte er, dass die persönlichen Gegenstände der Witwe gehören, aber diesbezüglich werden sich die Polizisten noch bei uns melden.“
Am 11. Februar 2026 wurde sie im Untersuchungsausschuss noch deutlicher: „Ich habe auch am Todestag selbst ein paar Mal mit Michael Takacs telefoniert. Dabei habe ich ihn auch gefragt, was man mit den Habseligkeiten von Mag. Pilnacek zu machen hat, und er sagte, dass diese an die Angehörigen auszuhändigen sind.“ Dann fügte sie hinzu: „Er hat dann eben nur gemeint, ja, die gehören der Witwe, aber das wird eh die Polizei mit uns besprechen.“ Kurz danach besprachen die Beamten des Landeskriminalamts mit Anna P. und Pilnacek-Gefährtin Karin Wurm, dass das Handy der Witwe zu übergeben sei.
Die damals noch im Büro von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka tätige P. kannte Takacs aus der gemeinsamen Zeit in dessen BMI-Kabinett.
Aus den Befragungen geht hervor, dass P. eigentlich erst die Polizeidienststelle in Mautern dienstlich erreichen wollte, dann aber Takacs anrief. Es drängt sich die Frage auf: War der Bundespolizeidirektor dadurch dienstlich oder privat in die Causa involviert? Vor dem Ausschuss sagten sowohl Takacs als auch P. aus, dass sie kein enges Verhältnis miteinander pflegten. Anna P. gab zu Protokoll: “Ich habe keinen privaten Kontakt zu ihm noch ein sonstiges Naheverhältnis zu ihm.“
Zu den drei Telefonaten, die er an dem Tag mit P. führte, behauptete Takacs: “Die wurden alle privat geführt, weil sie mich um einen Ratschlag gefragt hat, und den habe ich ihr gegeben.” Gleichzeitig bestätigte Takacs auf Nachfragen von Sophie Wotschke (NEOS), dass P. ihn am dienstlichen Telefon anrief, das dürfe er ausdrücklich auch privat nutzen.
Erinnerungslücken
Bemerkenswert war, dass sich Takacs partout nicht erinnern konnte, ob er an jenem Tag Dienst versah. Der niederösterreichische Kripo-Chef Stefan Pfandler wusste das im Gegensatz sofort. “Ich müsste in meine dienstlichen Aufzeichnungen im System eintauchen, ich habe es am Kalender nicht mehr drauf“, sagte Takacs auf die verwunderte Reaktion von FPÖ-Abgeordneten Christian Hafenecker.
Doch warum ist es überhaupt relevant, ob Takacs im Dienst war oder dienstliche Ratschläge erteilte? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Wenn Takacs nicht im Dienst war, konnte er auch kein Amtsdelikt begehen. Wenn er allerdings als Bundespolizeidirektor persönlich Kabinettschef und Generaldirektor für öffentliche Sicherheit informiert, beim Landespolizeidirektor in St. Pölten Pilnacek-Ermittlungen angeordnet und mit dem Rat an Anna P. den Anstoß zum Verschwinden des Handys aus den Ermittlungen gegeben hat, geht es um seine dienstliche Verantwortung.

Takacs’ Widerspruch zu Karners Auskunft
Unbestreitbar ist, dass der Bundespolizeidirektor nach dem zweiten Telefonat mit P. zum Ableben Pilnaceks drei Führungskräfte informierte: zuerst BMI-Kabinettschef Christian Stella, dann den Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, und zuletzt den niederösterreichischen Landespolizeidirektor Franz Popp.
Was Takacs und der ihm untergeordnete Popp genau miteinander gesprochen haben, ist offen. Laut Popp sei es ein nur einminütiges Gespräch gewesen. Klar ist allerdings, dass Dokumente aus dem BMI in zwei Fällen nahelegen, was Takacs vehement bestreitet: Dass er Popp mit Ermittlungen beauftragt hat.
In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung an die NEOS von Innenminister Karner heißt es, dass Takacs Popp mit der Klärung des Sachverhaltes beauftragt habe. Konkret: “Er ersuchte den Landespolizeidirektor von Niederösterreich vormittags um Klärung des Sachverhaltes.“
Zudem gibt es eine Auskunft des BMI an die Volksanwaltschaft, in der es heißt: „In der Zeit zwischen 08:00 und 09:00 Uhr wurde der Landespolizeidirektor des LPD NÖ Franz Popp von Herrn Bundespolizeidirektor Michael Takacs telefonisch über die Auffindung des Herrn Mag. Christian Pilnacek informiert und die Einleitung geeigneter Erhebungen angewiesen.“ Mit dieser Weisung wäre belegt, dass Takacs als Kopf einer Weisungskette eine Schlüsselrolle gespielt hat.
Überraschenderweise widersprach Takacs im Untersuchungsausschuss der Anfragebeantwortung seines Ministers. “Also ich habe diesen Satz so
nicht gesagt; möglich, dass ich gesagt habe: Schau dir das an!, aber mit keinerlei
Beauftragung von irgendwelchen polizeilichen Maßnahmen.” Nina Tomaselli (Grüne) ortete jedenfalls Widersprüche zwischen Minister-Antwort und Takacs-Auskunft.
Unterzeichnet wurde das strittige BMI-Antwortschreiben an die Volksanwaltschaft vom Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Dieser gab auf Nachfrage im U-Ausschuss an, die Bundespolizeidirektion mit der Beantwortung beauftragt zu haben. Hat Takacs’ Abteilung also selbst geschrieben, dass er „Erhebungen angewiesen“ hat – das dann aber später bestritten? Antworten dazu könnte im Herbst die Befragung jenes Ministers liefern, dessen Ressort die Auskünfte erteilte: Gerald Karner.
Bis dahin bleibt vieles rund um den Bundespolizeidirektor offen.
Titelbild: ZackZack

