Von Gerichtsmedizinern bis Ermittlerinnen setzten sich viele Personen kritisch mit dem Fall Pilnacek auseinander – die Folge waren Strafverfahren, Jobverlust oder weitere, bedenkliche Konsequenzen. Teil 3 der ZackZack-Serie zur U-Ausschuss-Bilanz.
Im letzten Teil der ZackZack-Serie zum Pilnacek-U-Ausschuss berichteten wir über eine Reihe unabhängiger Experten, die in ihren Befragungen deutliche Kritik an der Polizeiarbeit äußerten.
Was vielen der Kritiker gemein ist: ihre kritische Haltung, ihre öffentlichen Äußerungen oder schlichtweg ihre gewissenhafte Arbeit hatten negative Folgen. Vieles davon kam erst durch die Befragungen im U-Ausschuss heraus. ZackZack liefert einen Überblick.
Druck auf Oberstaatsanwältin
Da ist zunächst Oberstaatsanwältin Silvia T. von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Sie war die fallführende Ermittlerin, die mutmaßlichen Amtsmissbrauch durch niederösterreichische Kriminalpolizisten und unbekannte Täter im Innenministerium untersuchte. Das Verfahren wurde im Frühjahr 2025 eingestellt, die WKStA übte aber gleichzeitig schwere Kritik, etwa am Umgang mit dem Pilnacek-Handy. Trotz massivem Druck seitens der Oberstaatsanwaltschaft Wien (OStA) blieb Silvia T. bei ihrer Ansicht, die äußere Tatseite des Amtsmissbrauchs sei erfüllt und die Beamten hätten gewusst, was sie taten.
T. ließ dann bei ihrer Befragung im Mai damit aufhorchen, dass gegen sie vor einigen Monaten eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingebracht wurde. Zudem langte eine Strafanzeige ein, in der T. zwar nicht direkt beschuldigt wurde, ihr aber durchaus Vorwürfe gemacht wurden. Beide Eingaben stammten von Rechtsanwältin Linda Poppenwimmer, die mehrere Spitzenpolizisten wie Michael Takacs oder Franz Popp vertritt. Geschickt wurden beide an die OStA Wien, was zumindest im Fall der Anzeige ungewöhnlich ist. Poppenwimmer war früher selbst bei der WKStA, hatte aber einen engen Draht zum OStA-Leiter Johann Fuchs.
T. zeigte sich über die Vorgänge “erstaunt, weil gleichzeitig am 27. Jänner
die gleiche Rechtsanwältin gegen mich eine Aufsichtsbeschwerde eingebracht
hat, wo ich mich genauso rechtfertigen müssen habe”. Die Oberstaatsanwältin musste wegen ihrer heiklen Ermittlungen gegenüber der OStA folglich Rede und Antwort stehen.
Krems regte Streichung von Longato aus Liste an
Der Fall des Gerichtsmediziners Stefano Longato passt in dieses Muster. Der Innsbrucker Mediziner widersprach in seinem Privatgutachten bekanntlich der Suizid-These. Nachdem die Staatsanwaltschaft Krems 2025 die Neuprüfung der Ermittlungen im Fall Pilnacek vornehmen musste, verlangte sie von Longato die Herausgabe seines Gutachtens.
Longatos erste Reaktion war, dass sich Krems dafür an seinen Auftraggeber, Peter Pilz, wenden sollte, die Rechtsgrundlage schien ihm unklar. Dann erhöhte Krems den Druck, wie der Mediziner im Juni aussagte: “Die Sicherstellungsanordnung ist mir übermittelt worden, und die Kriminalpolizei Innsbruck hat mich angerufen.” Nachsatz: “Ich war leicht verwundert.”
Longato lieferte schließlich, wusste aber nicht, was sich im Hintergrund noch abspielte. So zeigte sich die Leiterin der Kremser Behörde erzürnt und schlug in einem Schreiben an die OStA vor, Longatos Streichung aus der Liste anerkannter Sachverständiger und damit ein Berufsverbot zu prüfen: „Sein Verhalten in gegenständlicher Strafsache, insbesondere die Nichtbefolgung der Anordnung der Sicherstellung, sollte wohl zur Würdigung dem für seine Eintragung in die Liste der gerichtlich beeideten Sachverständigen zuständigen OLG-Präsidenten zur Kenntnis gebracht werden.“ Was aus dem Druck gegen den Mediziner wurde? “Ich habe der Dinge geharrt, die da noch kommen mögen. Bis jetzt habe ich vom Gericht nichts gehört.”
Mysteriöse Telefonanrufe und Strafverfahren
Einige der Konsequenzen, mit denen kritische Personen in der Causa Pilnacek konfrontiert waren, lassen sich eindeutig auf ihre Aufklärungsarbeit zurückführen. Andere Zusammenhänge sind etwas weniger klar, hinterlassen aber jedenfalls einen beunruhigenden Eindruck.
Der pensionierte IT-Techniker Harald Monschein, der im Auftrag von Anna P. und Karin Wurm Daten des Pilnacek-Laptops sicherte, berichtete im U-Ausschuss etwa von mysteriösen Anrufen, nachdem er ZackZack ein brisantes Interview gegeben hatte. “Hör auf, blöd zu
reden!” und “Was redest du da herum?!” sei ihn von “unbekannten Männerstimmen” am Telefon mitgeteilt worden. Monschein habe sich deshalb auch eine Alarmanlage einbauen lassen, erzählte er.
Auch Gemeindeärztin Dagmar W. schilderte “komische Sachen” nach ihrer Tätigkeit am Fundort. “Meinem ältesten Sohn sind zweimal die Reifen aufgeschlitzt worden, Fensterscheiben wurden eingeschlagen, meine Windschutzscheibe wurde drei- oder viermal eingeschlagen, aber ich kenne keinen Zusammenhang, es ist ja kein Zettel drinnen gesteckt. Es war halt eigenartig. Es war dann aber auch wieder vorbei.”
Dramatisch wurde es rund um Journalist Erich Vogl, der bei der Kronen Zeitung federführend und vielfach exklusiv über die Causa Pilnacek berichtet hatte. Kurz nach seinen Aussagen bei Gericht über Kanzler-Interventionen bei der Krone-Führung wurde sein langjähriges Dienstverhältnis bei dem Medium aufgelöst. Im U-Ausschuss gab sich Vogl dann auffallend zugeknöpft – seine bereits getätigten, brisanten Aussagen widerrief er jedenfalls nicht.
Bekannt ist auch, dass gegen Vogl und ZackZack-Herausgeber Peter Pilz ein substanzloses Strafverfahren zum Pilnacek-Laptop initiiert wurde, das auf einer dubiosen Anzeige von Gerichtspräsidentin und Pilnacek-Witwe Caroline List beruhte und neun Monate dauerte.
Nur eine, die von früheren, kritischen Äußerungen Abstand nahm, ist Anna P. Mehrere Zeugen und auch Parlamentarier äußerten den Eindruck, dass sie erheblich unter Druck stand. Gegen P. und Wurm laufen bekanntlich mehrere Verfahren zum Pilnacek-Laptop, eine Diversion erlaubte die OStA bei ihnen ausdrücklich nicht; ganz anders lief es bei Bundespolizeidirektor Takacs, bei dem ein Ermittlungsverfahren nach langer Anfangsprüfung nicht einmal gestartet wurde.
Titelbild: ZackZack / Stefano Longato – Erich Vogl – Harald Monschein

