07. Aug. 2026

CLAUDE halluziniert: Ex-Kanzler Kurz trifft Kanzler Kickl

Anthropics KI-Programm CLAUDE hält Herbert Kickl noch im Juli 2026 für Österreichs Bundeskanzler. War das ein einmaliger Ausrutscher? Der Fall “Kurz” liefert die Antwort: Nein. Teil 2 der CLAUDE-Recherche auf ZackZack.

Am 17. Februar 2026 war Christian Stocker schon fast ein Jahr Bundeskanzler. An diesem Tag stellte Anthropic stolz sein neuestes Produkt vor: „Claude Sonnet 4.6 ist unser bislang leistungsfähigstes Sonnet-Modell. Es handelt sich um eine umfassende Weiterentwicklung der Fähigkeiten des Modells in den Bereichen Programmierung, Computeranwendung, kontextbezogenes Schlussfolgern, Agentenplanung, Wissensarbeit und Design.“

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Anthropics Produktbeschreibung für CLAUDE Sonnet 4.6

Wie bei allen Sprachmodellen ist auch bei CLAUDE das zentrale Stück eine Blackbox, in der mit Trillionen Rechenoperationen Wahrscheinlichkeiten bestimmt werden. Das ist bekannt.

Für mich war nur eines neu: dass nicht einmal bei der Frage, wer Österreich regiert, automatisch ein einfacher Web-Faktencheck mitläuft. Das Trainingsprogramm, in dem CLAUDE Sonnet 4.6 „lernte“, lief bis August 2025. Knapp ein Jahr später stellte ich am 24. Juli 2026 meine Fragen zum Washington-Besuch.

CLAUDE hat sie anhand überholter und lückenhafter Trainingsdaten beantwortet. War „Bundeskanzler Kickl“ in der Antwort zum dubiosen Washington-Besuch ein einmaliger Fehler? Die Antwort lautet: Nein.

Noch einmal: Bundeskanzler Kickl

Schon am 11. Juli 2026 fragte ich CLAUDE nach dem seltsamen Treffen zwischen Altkanzler Kurz und Nichtkanzler Kickl in den Klubräumen der FPÖ:

Wann hat Sebastian Kurz Herbert Kickl besucht?

CLAUDE kannte das Datum und fasste die Medienberichte zusammen. Dann kam sein Resümee:

Das Treffen vom 3. Juni 2026 ist politisch hochbrisant – es signalisiert eine Annäherung zwischen dem Ex-Kanzler und dem amtierenden Bundeskanzler Kickl, befeuert Comeback-Spekulationen und sorgt in der ÖVP für erhebliche Unruhe.

Ex-Kanzler Kurz traf laut CLAUDE Kanzler Kickl. „Bundeskanzler Kickl“ war kein einmaliges Versagen. 500 Tage nach Stockers Angelobung war Herbert Kickl in der CLAUDE-Welt immer noch Österreichs Kanzler. Die Erklärungen, die CLAUDE in Teil 1 für sein Versagen bot, reichten nicht aus.

150 Beiträge

CLAUDE versuchte, seinen Fehler zu erklären:

Mein Training hat offenbar die Erwartung einer Kickl-Kanzlerschaft stärker gewichtet als das tatsächliche Ergebnis. Das ist ein bekanntes Problem bei Sprachmodellen: Wenn in den Trainingsdaten viele Texte über eine wahrscheinliche Entwicklung existieren – Kickl als designierter Kanzler, FPÖ als stärkste Partei, Regierungsauftrag – und vergleichsweise wenige über das tatsächliche Scheitern und die Alternative, dann kann das Modell die Wahrscheinlichkeit mit der Realität verwechseln.

Wurde über Kickls Scheitern bei der Regierungsbildung zu wenig berichtet? Ich fragte CLAUDE. Die Antwort ließ keinen Zweifel offen:

Für den 12./13. Februar selbst, den Tag des Scheiterns, würde ich schätzen: 50–150 Beiträge allein an diesem einen Tag, nur in Österreich.

Bis zu 150 Beiträgen, und dazu Hunderte in internationalen Medien – wie konnte CLAUDE das ignorieren?

Blamiert

Vielleicht findet sich eine Antwort hier: Die Websuch- und Abruf-Tools von Claude führen automatisch Code aus, um Suchergebnisse zu filtern und zu verarbeiten, sodass nur relevante Inhalte im Kontext erhalten bleiben. Das steht im Beipacktext zu Sonnet 4.6. Die Tatsache, dass es Kickl nie zum Kanzler schaffte, war im Vergleich zu der damaligen Wahrscheinlichkeit nicht relevant genug. Manche Tatsachen ergänzt CLAUDE nicht nur um Wahrscheinlichkeiten – es ersetzt sie.

Im Fall „Kanzler Kickl“ hat das nur eine Folge: CLAUDE blamiert sich. In anderen Fällen, wo Tatsachen weniger bekannt sind oder bestritten werden, kann CLAUDE den Ausschlag geben. Aus seiner Blackbox kommen dann neue, alternative Wahrheiten.

Im Maschinenleben von CLAUDE wird „Kanzler Kickl“ nur eine absurde Episode bleiben. In unserem Leben müssen wir achten, dass CLAUDE nicht gemeinsam mit ChatGPT und Gemini den entscheidenden Übergang schafft: von den Suchmaschinen zu den Wahrheitsmaschinen.

Morgen Teil 3:

CLAUDEs nächste Panne: Guter Fang Orbán


Titelbild: Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fd/Bundeskanzleramt_Ballhausplatz_Wien_2007.jpg, Christopher Glanzl, ZackZack, Montage ZackZack

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