Der Verdacht lautet: Sebastian Kurz hat 2017 die Nationalratswahl mit einem gekauften Boulevard gewonnen. Jetzt liefert die Beinschab-Auswertung der WKStA neue Beweise für eine mögliche Anklage des Ex-Kanzlers.
Mit diesem Chat zwischen Finanzministeriums-Generalsekretär Thomas Schmid und Außenminister Sebastian Kurz begann am 15. März 2016 einiges.
Thomas Schmid: Gute News bei der Umfrage Front. Sophie weiß ich nicht ob ich
überreden konnte. Sie ist noch voll auf…
Sebastian Kurz: Kann ich mit ihr reden? – Super, danke.
Schmid: Ja bitte! Sie ist so angefressen wegen Mitterlehner, weil er ihr in den Rücken gefallen ist. Habe jetzt 3 Stunden mit ihr gesprochen. Und Spindi auf sie angesetzt. Wenn du ihr sagst dass jetzt nicht die Welt untergeht. Und das Mitterlehner eben ein Arsch war usw. Hilft das sicher.
Kurz: Passt, mach ich.

Meinungsforscherin und Familienministerin Sophie Karmasin stritt gerade mit Vizekanzler und ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner. Sie blieb an Bord, stellte sich hinter Mitterlehner-Konkurrent Sebastian Kurz und organisierte gemeinsam mit Sabine Beinschab die Kurz-Wellen in Österreich, die den Außenminister mit dem „Beinschab-Tool“ an seinem Konkurrenten Mitterlehner vorbei an die Macht spülten.
Der Beinschab-Auswertungsbericht
Die WKStA beschreibt das in ihrem Auswertungsbericht: Studien und Umfragen von Sabine BEINSCHAB, MA, MBA für das Bundesministerium für Finanzen.

Das sogenannte BEINSCHAB-ÖSTERREICH-Tool lässt sich grob in zwei Phasen untergliedern. In der ersten Phase, die ausschließlich im Jahr 2016 zu verorten ist und von den Akteuren als die ersten „sechs Wellen” bezeichnet wird, führte BEINSCHAB Umfragen, deren Inhalte ihr von SCHMID und/oder FRISCHMANN vorgegeben wurden, durch und verrechnete diese an die MONEY.AT Medien GmbH, die als Teil der Mediengruppe ÖSTERREICH zu betrachten ist.
Ausgewählte Ergebnisse dieser Umfragen wurden in Abstimmung mit SCHMID bzw FRISCHMANN anschließend im redaktionellen Teil der Tageszeitung ÖSTERREICH bzw dem online erscheinenden Pendant oe24.at veröffentlicht (Laut Aussage von SCHMID beauftragte das Bundesministerium für Finanzen als Gegenleistung für diese wunschgemäßen Veröffentlichungen in zeitlicher Nähe Inseratenschaltungen in Medien der „FELLNER-Gruppe“.
Thomas Schmid diente der ÖVP als Generalsekretär im Finanzministerium. Johannes Frischmann kümmerte sich um die Medienerfolge von Sebastian Kurz. Das Geld kam, wie die WKStA inzwischen rekonstruiert hat, aus dem Finanzministerium. Die Wellen, die Kurz zur Macht trugen, bestanden nach Ansicht der WKStA aus Steuergeld.
Als Kronzeuge erklärte Thomas Schmid, was die guten Nachrichten bei der Umfrage-Front waren:

Besser geht´s nicht!
Im August 2016 rollten die Wellen längst. Sophie Karmasin gratulierte ihrem Chef:

Im September 2016 war laut WKStA alles auf Schiene: Am 6. September 2016 informiert MMag. SCHMID KURZ, dass die „gesamte Politikforschung im Österreich nun zur Beinschab wandern“ werde und ergänzt: „Damit haben wir Umfragen und Co im besprochenen Sinne :-))“

Im besprochenen Sinn
Kurz scheint alles gewusst zu haben – im „besprochenen Sinn“, den Schmid erklärte: Das war eben der Einfluss auf Beinschab, auf die Kommentierungen und auf die Umfrageergebnisse, der Einfluss auf den redaktionellen Teil, wo Umfragekommentierungen platziert werden konnten.
Am 8. Dezember 2016 bedankte sich Kurz bei Finanz-Fädenzieher Schmid:

Möglichst tief und schlecht
Thomas Schmid erklärte der WKStA, warum Kurz die Umfrage für gut hielt:

Kurz Bescheid gewusst
Hat Kurz alles über das Beinschab-Tool gewusst? Die Antwort des Kronzeugen lautet Ja.

Am 8. Dezember 2016 ging es für Beinschab um eine heikle Frage: Durfte sie die Kosten für die Kurz/Österreich-Umfragen in einer Studie für das Finanzministerium „dazurechnen“? Auch hier gab es ein klares Ja.

Immer zu Diensten
„Danke für Österreich heute!“ So bedankte sich Kurz am 8. Jänner 2017 bei Thomas Schmid.

Die WKStA beschreibt, was davor passiert war: Am 8. Jänner 2017 sendet FRISCHMANN ein Foto von der Umfrage und dem Interview von BEINSCHAB in der Tageszeitung ÖSTERREICH an SCHMID. Dieser antwortet: „Gute Arbeit!!“. FRISCHMANN meint, dass er BEINSCHAB „noch angesagt“ habe, was sie im Interview sagen solle.
SCHMID meint daraufhin: „So weit wie wir bin ich echt noch nie gegangen. Geniales investment. Und Fellner ist ein Kapitalist. Wer zahlt schafft an. Ich liebe das.” KURZ bedankt sich am Abend bei SCHMID „für Österreich heute!“ Dieser erwidert: „Immer zu Deinen Diensten :-))“
Rechtzeitig für Parteivorstand
An diesem Tag übertraf Wolfgang Fellners Österreich alle Erwartungen: Mitterlehner landete „im Umfragekeller“ und Beinschab durfte persönlich erklären: „VP würde von Kurz-Wechsel profitieren!“

Als sich der ÖVP-Parteivorstand am 8. Jänner 2017 traf, lag die druckfrische Kurz-Jubelseite am Tisch. Kurz selbst gab sich ahnungslos und verwundert: „Ich verstehe diese Debatte nicht“.
Vorne dabei
Am 16. Februar 2017 war der Machtkampf um die ÖVP-Spitze in vollem Gange. Beinschab meldete sich bei Kurz-Kommunikationschef Gerald Fleischmann: Hallo Hr Fleischmann. Nur zur Info: beim aktuellen ö Blitz ist SF mit SK dabei. Ergebnis schaut gut aus.
SK war Sebastian Kurz. Fleischmann wollte mehr wissen: Sorry dass ich nachfrage … “Ö Blitz” ist Zeitung “Österreich”? Und wird das auch veröffentlicht?
Beinschab beruhigte: Ja Österreich. Veröffentlicht – denke ja.
Fleischmann war zufrieden: Ui, ok … Danke für Info. Und der Kurz ist da vorn mit der
VP? Oder mischt er nur irgendwie mit?
Beinschab meldete den Erfolg: Ja, vorne.

Ab Februar 2017 lief alles nach Plan. Mitterlehner wurde demontiert, und der Boulevard wurde mit Österreich an der Spitze in Stellung gebracht. Im Herbst darauf war Kurz Kanzler. Aber davor passierte noch einiges mit dem Beinschab-Tool.
Für Sebastian Kurz, Sabine Beinschab, Sophie Karmasin, Gerald Frischmann und Thomas Schmid gelten Unschuldsvermutungen.
Demnächst Fortsetzung: Vor allem muss Kurz vor Strache landen!
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