18. Aug. 2026

Irrweg in den Bergen: Verloren mit ChatGPT

Zwei junge Französinnen vermieden durch Glück die Katastrophe. Sie vertrauten ChatGPT und liefen ahnungslos in die Gefahr. Es ist nicht der einzige Vorfall dieser Art.

Am 21. Juli 2026 wandern zwei junge Frauen durch die französischen Pyrenäen. Noch wissen sie nicht, dass sie nur außerordentliches Glück vor einer Katastrophe bewahren wird. Wären sie nicht zufällig einem jungen Bergführer begegnet, wären sie vielleicht nie an ihrem Ziel angekommen.

ChatGPT zeichnete Fantasiekarte

Julien Vignasse arbeitet für den französischen Nationalpark Pyrenäen und ist Begleiter von Bergwanderungen. Am 21. Juli stieß er auf zwei junge Wanderinnen, die ihn nach dem Weg fragten. Die beiden Wanderinnen wirkten verloren und waren erschöpft, schildert Vignasse gegenüber MidiLibre. Was die beiden jungen Frauen nicht ahnten, war die große Gefahr, der sie nur um Haaresbreite entgangen sind. Die Wanderinnen glaubten, ganz woanders zu sein, als sie in Wirklichkeit waren. Sie fragten Vignasse: „Wir gehen zum Estomsee. Wie lange werden wir noch brauchen?“

Eine Frage, die ihnen vielleicht das Leben gerettet hat. Beim Bergführer schrillten die Alarmglocken: „Wartet! Der Estomsee ist überhaupt nicht hier, ihr seid nicht im richtigen Tal.“ Die Frauen waren irritiert: „Das ist komisch, und überhaupt hätten wir vor dem Estomsee die Berghütte Wallon-Marcadeau erreichen sollen.“

Da wusste Vignasse, dass etwas nicht stimmte, „weil der See und die Berghütte überhaupt nicht im selben Tal sind.“ Er fragte sie, ob sie eine Karte hätten. Die Frauen zückten ein Handy und zeigten ihm ihre Karte.

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falsche ChatGPT-Wanderkarte, die die Frauen dem Bergführer zeigten

„Sie war komplett falsch“, sagt Vignasse gegenüber franceinfo. So etwas hatte er noch nicht gesehen.

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zum Vergleich die richtige Wanderkarte

Die Frauen erklärten ihm, dass sie die Karte mit ChatGPT erstellt hätten. Ein Blick auf die Karte machte klar, dass sich die beiden Frauen ungefähr 20 Kilometer weit entfernt von dem Ort befanden, zu dem sie gehen wollten – eine Strecke, die nicht mehr zu bewältigen war.

Vignasse analysiert die Karte fassungslos. Darauf ist die Distanz zwischen der Berghütte Wallon und der Estom-Berghütte mit 1 Stunde und 45 Minuten angegeben. Eine Strecke, für die man laut dem Experten zehn bis zwölf Stunden braucht. Auch ein See, der auf der Karte in der Nähe eingezeichnet war, befand sich in Wirklichkeit ganz woanders.

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Bergführer Julien Vignasse warnt vor KI-Wanderkarten

Vignasse zeigte den Frauen einen sicheren Weg zurück in eine Herberge. Gegenüber franceinfo warnt der Bergführer davor, KI fürs Wandern zu verwenden. Falls man sich verletzt und gegenüber der Bergrettung seinen Standort falsch angibt, kann man sich in große Gefahr bringen. Leider käme so etwas immer öfter vor, so Vignasse.

Kein Einzelfall

Jüngste Medienberichte geben ihm recht. Digitaltrends und Cybernews berichteten erst kürzlich darüber, dass ein Paar in Polen per Helikopter aus dem Tatragebirge gerettet werden musste. Die beiden Litauer befragten ChatGPT nach einer Abkürzung. Der Chatbot empfahl ihnen einen gefährlichen Weg, der mit ihrer Ausrüstung nicht bewältigbar war. Schließlich musste das Paar die Bergrettung rufen.

Etwas Ähnliches ereignete sich im Vorjahr bereits in Kanada in der Nähe von Vancouver, berichtete OECD.AI. Dort wurde ein Paar von ChatGPT auf verschneite Berge geführt. Gänzlich unausgerüstet und der KI ausgeliefert, musste das Paar von örtlichen Suchtrupps gerettet werden.


Titelbild:

Fotos aus https://www.youtube.com/shorts/2jdpsz2wM0U

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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