08. Sep. 2026

Rechenzentren & Hitzewellen: Strommangel als Preistreiber

Rechenzentren, Klimaanlagen und E-Autos werden den Strombedarf in Österreich massiv erhöhen. Aber kann die Stromproduktion mithalten? Und wenn nicht – wird dann der Strom für private Haushalte teurer?

Die Hitzerekorde purzeln beinahe täglich. Vielerorts fehlt das Wasser. In Ungarn und Frankreich mussten Atomkraftwerke abgeschaltet werden, weil die nötige Kühlung nicht mehr gegeben war. Auch in Österreich hat die Hitze Auswirkungen auf die Energieproduktion. Die Leistung von Wasserkraftwerken – der wichtigsten Energiequelle Österreichs – ist gegenüber den beiden Vorjahren eingebrochen.

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Aus Wasserkraft gewonnener Strom in Österreich in Terrawattstunden pro Jahr. Datenquelle: E-Control

Das Gefährliche an der Entwicklung: Die Sommer werden nicht kühler werden. Aber der Strombedarf steigt jährlich. Elektroautos, Klimaanlagen und riesige Rechenzentren werden bald Mengen an Strom verschlingen, die es in Österreich noch nicht gibt. Mit möglichen Auswirkungen für alle.

Zu wenig Strom für Datenzentren

Europa braucht Strom. Seitdem die EU den „AI Continent Action Plan“ ausgerufen hat, werden quer über den Kontinent verteilt massive KI-Rechenzentren errichtet – auch in Österreich. Eine Verdoppelung der Rechenzentrenkapazitäten bis 2030 soll so erreicht werden. Aber hat Europa dafür überhaupt genügend Strom? Nicht alle sind sich da so sicher. Etwa die Makroökonomin Matilde Ciani. Sie beforscht die KI-Politik Europas für das Kiel Institut und kommt zu dem Schluss: „Europa plant ehrgeizige digitale Infrastruktur, ohne sicherzustellen, dass das Stromsystem dies auch tragen kann.“

Die Folgen davon konnte man in Irland bereits beobachten. Dort verschlingt die große Anzahl an mittlerweile gebauten Datenzentren bereits 22 Prozent des landesweiten Stromverbrauchs. In einigen Gemeinden ist das Netz so überlastet, dass es immer wieder zu Stromausfällen kommt. Die irische Regierung will neue Datenzentren nun nur noch dann zulassen, wenn die Konzerne ihren Strombedarf selbst generieren.

In Österreich sollen allein zwei große Rechenzentren in Kronstorf (Google) oder bei Wien (Microsoft) den Strombedarf bei Vollausbau um über 6 Terrawattstunden (TWh) in die Höhe schrauben. Weitere Standorte werden angefragt, so etwa im burgenländischen Nickelsdorf, wo ebenfalls ein gigantisches Projekt entstehen könnte. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von zuletzt rund 65 TWh wären dafür in den nächsten Jahren nur für Rechenzentren eine Leistungssteigerung von rund 10 Prozent nötig.

Österreich baut seine Stromproduktion durch erneuerbare Energiequellen auch aus. Aber zu den Rechenzentren kommt die steigende Nachfrage von E-Autos und Klimaanlagen. Sollte der Ausbau der Stromproduktion nicht mit dem Bedarf mithalten können, wird Österreich mehr Strom importieren müssen. Das könnte auch Folgen für private Haushalte haben.  

Preise werden steigen

Alfons Haber von der E-Control stellt gegenüber ZackZack klar: „Höhere Nachfrage kann den Strompreis erhöhen.“ Österreich sollte daher gegensteuern und die Windkraft ausbauen, um in den Wintermonaten unabhängiger zu werden. Er verweist auf das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz und meint: „Die Zielerreichung erscheint möglich.“ Mit allzu großen Preissteigerungen rechnet Haber demnächst aber nicht, „weil Österreich gut an den europäischen Strommarkt angebunden ist.“

Verbund-Pressesprecherin Ingun Metelko nennt die derzeitige Situation „schwierig und herausfordernd“. Man kämpfe derzeit mit dem wasserärmsten Jahr seit 100 Jahren, was die Stromgewinnung aus Wasserkraft dämpfe und zu einer „dramatischen Entwicklung an den kleineren aber auch größeren Flüssen“ führe. Einen unumkehrbaren Trend erkennt Metelko aber nicht und verweist auf das wasserreiche Jahr 2024.

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Niedrigpegel bei Wasserkraftwerken, Quelle: APA-Images / fotokerschi / David Rauscher

Metelko betont, dass die Preissteigerungen von der Marktsituation abhängen. Klar ist, dass sich Österreich durch stärkeren Stromimport beim Strompreis abhängiger von der Weltpolitik mache. „Preisgarantien wird es über einen längeren Zeitraum nicht geben.“ Die gestiegene Nachfrage durch Rechenzentren, E-Autos und Klimaanlagen kann Österreich Metelko zufolge abfedern, wenn es erneuerbare Energiekraftwerke ausbaut.

Diesen Appell richte man seitens des Verbunds „bei jeder Gelegenheit“ an die politischen Entscheidungsträger. Es sage „der Hausverstand, dass man alle verfügbaren Energiequellen bestmöglich nutzen muss.“ Beim Thema Windenergie gebe es in Österreich aber „sehr viele Widerstände – geographisch und lokalpolitisch.“

Gesetzliche Pläne – schmerzliche Realität

Das 2021 von der Schwarz-Grünen Regierung beschlossene Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und durch das 2026 ergänzte Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sehen vor, dass Österreich bis 2030 um 30 TWh mehr Strom aus Wasser, Wind und Sonne gegenüber dem Jahr 2021 gewinnt.

Doch 2026 – nach der Hälfte der Zeit – liegt die Republik schlecht im Rennen. Nur circa ein Drittel der gewünschten Stromproduktion wurden erreicht. Wenn Österreich nicht bald massiv Strom importieren will, muss es in den nächsten 5 Jahren doppelt so schnell an der Energiewende arbeiten wie in den letzten fünf Jahren. „Mit dem aktuellen Tempo sind die ehrgeizigen nationalen Ziele 2030 völlig außer Reichweite“, sagte daher auch Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich.

Schnelle Energiewende oder höherer Strompreis für private Haushalte – um diese politische Entscheidung geht es jetzt.


Titelbild: Bürgerinitiative Kronstorf

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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