16. Sep. 2026

Kinder, Hitze und ein Kampfmittel-Brand: Alles in Buddha!

Kanzler kann er nicht, Sommerloch schon. Christian Stocker ist kein Einzelfall in einer Partei der Unbedarften, die der Konkurrenz der blauen Schlaumeier hilflos ausgesetzt ist. Dort entdeckt Landeshauptmann Kunasek gerade den Klimawandel.

Einmal sagt der Bundeskanzler das, was er denkt. Ganz in Sicherheit, bei einer Tour durch Österreich, nur für ausgewählte Gäste. Genau dort fährt ihm einer aus dem Sommerloch: „Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Ich habe meine Kinder nicht als Rechenbeispiele erzogen.“ Die nachgeschobene Entschuldigung unterstreicht eine Einsicht: Christian Stocker ist das Doppellos der ÖVP: talentlos und ambitionslos.

Stockers Sager war nicht böse und ganz sicher nicht Absicht. Er war einfach daneben. Und da liegt das Problem. Landwirtschaftsminister Totschnig zum Klimawandel: einfach daneben. Verteidigungsministerin Tanner zur Aufrüstung: einfach daneben. Wirtschaftskammerchef Ruck…

Danebensteher und Schlaumeier

Einfach daneben. Das ist das eine. Mit Absicht, genau ins Ziel. Das ist das andere. Erst da sieht man den Unterschied zwischen den weniger Gescheiten und den besonders Schlauen.

Die Danebensteher machen es für Raiffeisen. Für den Bauernbund. Für Rüstungskonzerne und die „Gegengeschäfte“. Die Schlaumeier machen es für sich. Der Schlaueste in der Branche war bis vor kurzem Herbert Kickl.

Ich glaube ihm keine Sekunde, dass er nicht weiß, was er sagt. Kickl hat verstanden, dass die giftige Mischung aus Dummheit und Angst sein größtes Kapital ist. Also nützt er es, wenn gut integrierte Ausländerkinder deportiert werden; wenn es um freie Fahrt für freie Dieselbürger geht; wenn ererbter Reichtum als Leistung verteidigt wird; und wenn eine Klimakatastrophe nicht mehr ist als eine schlechte Laune des Sommerwetters.

Kunasek statt Kickl

Die Danebensteher sitzen alles aus, bis sie geistesverwandte Journalisten zum Buddha adeln. Die Schlaumeier sind einen Schritt voraus. Das wird jetzt erstmals zu einem Problem für Herbert Kickl.

Als FPÖ-Landeshauptmann der Steiermark hat Mario Kunasek zum Hitzegipfel geladen. Kunasek ist wendiger als Kickl. Er merkt, dass es für Klimaleugner in der Steiermark zu heiß wird. Am Land führen auch FPÖ-nahe Bauern ihre Kühe zum Schlachten, weil das Futter vertrocknet. In der Stadt stellen auch FPÖ-Wähler fest, dass aus ihren Wohnungen Hitzefallen geworden sind.

Kunasek kommt drauf, dass die Hitze nach Islam und COVID zum nächsten Freispiel für die FPÖ werden kann. Die Grünen haben als einzige rechtzeitig gewarnt, aber mit ihrer Politik des Strafens viele abgestoßen. Jetzt kommt die FPÖ und stellt fest, dass die Regierung schläft. Den Platz des Beschützers vor Hitze, Trockenheit und bald den folgenden Überschwemmungen reklamiert die Partei, die gerade noch alles geleugnet hat, für sich.

Phosphorbrand und Bauernbund

So, und jetzt noch einmal zu den Danebenstehern. In einem langen Waldstück zwischen Neunkirchen und Wiener Neustadt sind es gerade 20 Zentimeter Boden, auf dem die Bauern in der Saubersdorfer Drift mühevoll neuen Mischwald aufforsten. Als Altlast einer Munitionsfabrik, die Hitlers Wehrmacht mit Giftgranaten belieferte, ist den Boden mit Phosphor verseucht.

Wenn es heiß wird, entzündet sich Phosphor, und der Wald brennt. Immer öfter werden aus kleinen Feuern verheerende Flächenbrände. Als niederösterreichische Bauernbündlerin weiß die Verteidigungsministerin das. Ihr Ministerium ist für die Beseitigung von Kampfmitteln zuständig. Aber Wien und St. Pölten schauen zu, wie die Bauern zwischen den schwarzen Brandstummeln neu aufforsten und Gemeinde verzweifelt Löschteiche anlegt, weil sie sich nicht mehr leisten kann.

Verantwortungslos und herzlos

Es ist nicht nur daneben, bis zum nächsten Großbrand wegzuschauen und dann, wenn wieder alles in Flammen steht, ein paar Löschhubschrauber zu schicken. Es ist verantwortungslos und herzlos. Möglicherweise hat die Bauernbund-Ministerin zwischen den Milliarden-Shoppingtouren durch die europäische Militärindustrie einfach keinen Platz im Kalender für bedrohte Menschen in ihrer Heimat.

Hoffentlich nimmt sich jemand Zeit und ein paar Buntstifte, um all das Klaudia Tanner, Norbert Totschnig und Christian Stocker zu erklären. Aber vielleicht kommt alles für sie ebenso zu spät wie für die Menschen, die ohne jede eigene Schuld gerade sehr viel mehr verlieren.

Damit das alles nicht zu traurig bleibt, schließe ich mit einem Wortwitz, der ÖVP-Herzen höher schlagen lässt: Alles in Buddha!

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