Im Föhrenwald im Bezirk Neunkirchen ist erneut ein Großbrand ausgebrochen. Diesmal bedrohen die Flammen umliegende Ortschaften. Erste Evakuierungen haben begonnen.
Es war wohl eine Frage der Zeit. Und die Zeit ist rascher gekommen als gedacht. Schon wieder brennt es im Föhrenwald – und die Feuerbrunst ist gefährlich denn je. Im Verlauf des Freitags hat das mit Phosphormunition aus dem Zweiten Weltkrieg kontaminierte Waldland wieder Feuer gefangen. Erst vergangene Woche brannten rund 100 Hektar Waldland ab. Doch der aktuelle Waldbrand übertrifft alles bisher Dagewesene. Peter Pilz war vor Ort und erklärt die Problematik mitsamt der fehlenden Verantwortungsübernahme.
Bangen um die eigenen vier Wände
Aktuellen Medienberichten zufolge bahnen sich die Flammen diesmal besonders ungünstig ihren verheerenden Weg durch den Föhrenwald. Anders als beim Brand vergangene Woche bläst der Wind den Brand in Richtung der bewohnten Gebiete. Am Freitagnachmittag waren die Flammen nur noch 50 Meter von den ersten Häuserreihen entfernt. Besonders betroffen war die Katastralgemeinde Neusiedl am Steinfeld. Die Bürgermeisterin von St. Egyden, Christa Tisch, beschreibt gegenüber der Krone den Ernst der Lage: „Die sechs Häuser in der Bahnstraße sind bereits evakuiert. Die 50 Wohnungen in den fünf Wohnblöcken der Waldstrandsiedlung werden gerade geräumt. Die Flammen waren nur 50 Meter von den Häusern entfernt.“

Vizebürgermeister Johannes Tinhof von der SPÖ sagte: „Derzeit liegt unser Hauptaugenmerk auf der Versorgung und Unterbringung der Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten.“
Konkret musste Bewohner der Bahnstraße, die Richtung Föhrenwald verläuft und nahegelegene Siedlungen, wie etwa die Waldstrandsiedlung evakuiert werden. Rund 250 Menschen wurden im Gemeindehaus oder in Feuerwehrhäusern untergebracht. Alexander Wochner ist unter den Betroffenen. Er erzählt dem ORF: „Innerhalb kürzester Zeit sind die Feuerwehren bereits bei uns durch die Gasse gefahren, ein Feuerwehrauto ist dann bei jedem Haus stehen geblieben und hat gemeint, ich soll unbedingt das Haus verlassen, dieses Mal sei es sehr ernst, der Wind wehe in die verkehrte Richtung für uns, nämlich genau auf die Häuser zu, und es werde gefährlich für uns“.
Grundstückseigentümer selbst zuständig
Es ist nicht der erste und womöglich nicht der letzte Brand im Föhrenwald. Denn in dem Waldgrundstück liegt verrostete Phosphormunition nahe einer aufgelassenen Pulverfabrik, die die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verwendeten. Platzt diese auf und kommt mit warmer Luft in Kontakt, entzündet sie sich und brennt von sich aus so lange, bis sie keinen Sauerstoff mehr zu Verfügung hat.

ZackZack hatte vergangene Woche beim Innen- und Verteidigungsministerium nachgefragt und wollte wissen, wer für die Beseitigung der alten Munition zuständig ist.
Das Innenministerium sah sich nicht in der Verantwortung.
Das Verteidigungsministerium antwortete: “In der österreichischen Rechtsordnung findet sich keine Bestimmung, die die Republik Österreich verpflichten würde, Kriegsmaterial aufzusuchen bzw. Sondierungsmaßnahmen vorzunehmen oder Grundstücke frei von Kampfmitteln zu erklären.” Weiters verwies das BMLV auf andere Stellen wie den Entminungsdienst und die “nächstgelegene Sicherheitsdienststelle”. Generell hat man offenbar kein vollständiges Bild der Lage: “Beim Entminungsdienst als zuständige Fachstelle, sind keine Aufzeichnungen bzw. Hinweise über die Lagerung von Kriegsmaterialien beider Weltkriege vorhanden”.
Verantwortlich für die Beseitigung bleiben die Betroffenen: “Im Falle des Föhrenwaldes in St. Egyden liegt es bei dem jeweiligen Grundstückseigentümer ein Unternehmen zu beauftragen.” Falls Gefahrengut gefunden wird, stellt der Entminungsdienst den kostenlosen Abtransport sicher, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.
Wenn die Glut im Wald versiegt ist, werden die Debatten über das Phosphor im Föhrenwald wieder aufflammen.
Titelbild: APA-Images / APA / ANDREA FASS


