Industriellen-Präsident Georg Knill schimpft über Klima-Freaks. Einer davon könnte er selbst sein.
Die Regierung hat sich bekanntlich wieder einmal geeinigt, diesmal auf 240 Millionen für Bauern mit und ein Klimaschutzgesetz ohne Fahrplan. Damit flog bei Georg Knill, dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, die Sicherung aus dem Kasten. Es sei „Tür und Tor geöffnet für Klimafreaks“.
Ursprünglich bezeichnete das englische Wort „Freak“ eine Laune der Natur, wie etwa eine Missbildung. Knill wird wohl nicht gemeint haben, dass sich die Natur mit dem Gesetz eine Laune gegönnt hat. Der Präsident hat das Wort wohl so verwendet, wie es abwertend gemeint ist: als jemand, der auf sonderliche Art von Normen abweicht.
Wenn man sich alles in aller Ruhe ansieht, könnte man leicht zu einem anderen Schluss kommen: Der Freak heißt Georg Knill, und das aus mehreren guten geschäftlichen Gründen. Dazu muss man nur eines außer Streit stellen: dass Georg Knill wirtschaftlich denkt.
1. die neue Industrie
Gemeinsam mit Kanzler Nehammer blieb Knill dem Verbrennermotor bis zum Schluss treu. Knills Begründung verrät Wetterwissen: „Sonne scheint nicht jeden Tag, Wind bläst nicht jeden Tag.“ Auch dank Knill bläst der Wind der Industrie inzwischen jeden Tag ins Gesicht.
Es war die Industrie selbst, die die Energiewende verhindert und Europa gemeinsam mit den USA zum Schlusslicht beim globalen Geschäft mit Solaranlagen und E-Autos gemacht hat. Es waren fossile Präsidenten wie Knill, die die Überholspur für China freigehalten haben.
Kaum jemand hat der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten so massiv geschadet wie ihre eigenen Vertreter. Einer von ihnen ist Georg Knill.
Es nütze nicht, „klimapolitischer Vorreiter zu sein, wenn dadurch der Wirtschaftsstandort beschädigt wird“. So klingt Knill. Was nützt es jetzt, dass wir Nachzügler sind?
2. Drohnentech für Russland statt E-Autos für uns
Im Jänner 2025 berichtete ZackZack als einziges Medium: „Die Unternehmensgruppe von IV-Präsident Georg Knill baute bis 2015 Russlands erste Fabrik für Glasfaserproduktion. Solche Fasern verwendet Russland mittlerweile im Drohnenkrieg gegen die Ukraine.“
Im April 2025 brannte das Werk in Saransk. Die Ukraine hatte es erfolgreich mit Drohnen angegriffen.

Es ist ein ziemlich kleiner Trost, dass man in Russland wahrscheinlich bis heute von Knill-Qualität überzeugt ist.
Freakshow mit Knill
Früher war es üblich, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zu fahren und dort Freaks als Attraktionen zur Schau zu stellen. Was hätte eine Klima-Freakshow heute zu bieten? Stellen wir uns einen Jahrmarkt irgendwo in einer chinesischen Stadt vor. Der Unterhalter holt Knill auf die Bühne und stellt ihn vor. Das Publikum zerkugelt sich. Er postiert den Landwirtschaftsminister daneben und den Wirtschaftsminister dazu. Lachkrämpfe. Und dann noch Herbert Kickl mit seinem 300 PS-Verbrenner…
Knill hat bis heute eines nicht verstanden: Klimaschutz ist eines der besten Geschäfte, die es gibt. Er verhindert, dass das Wasser ausgeht und die Ernten vertrocknen. Er erhält Winterlandschaften und damit ihren Tourismus. Und er schafft Arbeitsplätze in der Industrie – in China.
In China könnte man für Fossil-Freaks Eintritt verlangen. In Österreich steht ihnen fast jede Tür gratis offen. Für den Klimaschutz bleibt sie weiter zu. Das ist der Knill-Unterschied, auf den es ankommt.


