Wiener Neustadt beschloss den Verkauf des Großteils seiner Gemeindewohnungen. Ab September übernimmt auch der umstrittene Investor Michael Tojner Wohnanlagen. Der Deal erinnert an die politisch umkämpfte Verkaufsentscheidung, bei der bis heute offen ist, welche Partei ihn tatsächlich besiegelte.
In Wiener Neustadt wird der Ausverkauf der Gemeindewohnungen immer konkreter. Mit 1. September wechseln weitere 1.242 Mietwohnungen den Eigentümer. Eine der Gesellschaften, die zum Zug kommen, gehört dem Investor Michael Tojner. Seine WertInvest WieNeu Prop GmbH & Co KG übernimmt unter anderem die Gustav-Kraupa-Wohnhausanlage am Flugfeld, wie zunächst der Kurier vermeldete.
Damit sind Anfang September bereits 1.357 der insgesamt 1.646 zum Verkauf stehenden Wohnungen übertragen. Acht von elf Paketen sind damit vergeben. Die Stadt hatte sich im Herbst 2025 dazu entschlossen, den Großteil ihrer 2.192 Gemeindewohnungen zu verkaufen. Begründet wurde der Schritt mit dem schlechten Zustand vieler Häuser, hohen Kosten und einem jährlichen Verlust von rund vier Millionen Euro. Rund 500 Wohnungen standen zuletzt leer.
FPÖ und SPÖ beschuldigten sich gegenseitig
Der Verkauf war von Beginn an politisch explosiv. ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger bezeichnet ihn als “alternativlos.” Die anderen Parteien sagen das anders: Wie ZackZack im Dezember berichtete, hatten SPÖ und FPÖ vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung öffentlich gegen einen großflächigen Verkauf Stellung bezogen. Im Gemeinderat kam es am 7. Oktober 2025 dennoch zu einer Mehrheit von 21 zu 17 Stimmen für die Neustrukturierung des Vertrags mit der stadteigenen IFP GmbH – und damit für den Weg zum Verkauf.
Besonders brisant: Die Abstimmung war auf Antrag der ÖVP geheim. Die ÖVP verfügte damals über 15 Mandate, NEOS und eine Bürgerliste über jeweils eines. Die Grünen stimmten gegen den Verkauf. Für die Mehrheit mussten somit mindestens vier weitere Stimmen aus SPÖ und FPÖ gekommen sein. Beide Parteien bestritten anschließend, dafür gestimmt zu haben.
Die FPÖ erklärte gegenüber ZackZack sogar, ihre Mandatare hätten ihre Stimmzettel fotografiert und damit ihre Ablehnung dokumentiert. Die Fotos wurden aus rechtlichen Gründen allerdings nicht veröffentlicht. SPÖ-Chef Rainer Spenger betonte ebenfalls, er habe gegen den Verkauf gestimmt. Damit blieb die zentrale Frage ungeklärt: Wer gab die entscheidenden Stimmen für den historischen Verkauf?
Tojner steigt ein
Jetzt wird also sichtbar, wer von der neuen Eigentümerstruktur profitiert. Neben Gesellschaften aus dem Umfeld von Michael Tojner übernehmen die Quadradite GmbH, die zur Resida Holding gehört, und die GLM Preiswert Wohnen GmbH weitere Wohnungspakete. Die Stadt betont, die Käufer seien „sorgfältig ausgewählt“ worden.
Tojners Einstieg ist jedenfalls brisant: Gegen den Unternehmer gibt es seit Jahren Ermittlungen. Ausgangspunkt war eine Anzeige des Landes Burgenland aus 2019. Dabei geht es um den Verdacht, dass das Land im Zusammenhang mit den ehemaligen gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften Gesfö, Riedenhof und Pannonia durch zu niedrig angesetzte Immobilienwerte geschädigt worden sein könnte. Das Land beziffert den möglichen Schaden mit mehr als 160 Millionen Euro. Im Mai 2026 wurden Verfahren gegen mehrere Beschuldigte eingestellt, die Ermittlungen gegen 13 Personen dauern jedoch an. Tojner bestritt stets die Vorwürfe; für ihn gilt vollumgänglich die Unschuldsvermutung.
Für die Mieter der Gemeindewohnungen sollen die Vorgänge zunächst nichts ändern, die bestehenden Mietverträge bleiben aufrecht, will die Stadt betont wissen. Wie viel die Investoren für die Wohnungen bezahlen, bleibt vorerst geheim. Die Stadt will die Kaufpreise erst nach Abschluss des Gesamtprojekts im Herbst veröffentlichen.
Titelbild: PH Wien (CC BY-SA 3.0) – ZackZack-Montage – GEORG HOCHMUTH / APA – Ernst Weiss / APA


