Günter Gaisbacher war wichtig. Nicht im herkömmlichen Sinn, weil er nie eine hohe Funktion “ausfüllte”. Er war nicht einmal ein Promi. Günter Gaisbacher war ein Kapfenberger Arbeiter.
Günter Gaisbacher war sehr sanft, besonders freundlich und außergewöhnlich stur. Im Edelstahlwerk lernte er in der Werksschule. Sein Bruder und seine Freunde gingen nach Graz und Wien. Gü blieb in Kapfenberg und arbeitete als Maschinenschlosser beim Böhler, wie die Vereinigten Edelstahlwerke VEW beharrlich weiter hießen.
Bei Betriebsversammlungen fehlte ihm eine Eigenschaft, die vom Arbeiterbetriebsrat besonders geschätzt wurde: Er konnte seinen Mund nicht halten. 1978 ärgerte er die SPÖ und ihren Betriebsratsobmann Alois Rechberger mit den „Sozialisten gegen AKW“. Gü verstand nicht, dass man sich zwischen Arbeiten für Böhler und Randalieren gegen Zwentendorf entscheiden müsse. Das brachte ihm den ersten schwarzen Punkt.
Den zweiten holte sich Gü mit einer Unterschrift. Er wollte den Gewerkschaftlichen Linksblock der KPÖ nicht wählen, aber er wollte, dass er kandidieren konnte. Daher unterschrieb er. Nicht einmal Anrufe bei den Eltern halfen. Gü blieb stur und kassierte den zweiten Punkt.
Kündigungswelle
1979 war das Stahlgeschäft eingebrochen. Erwartungsgemäß stand Gü auf der ersten großen Kündigungsliste. Für ihn war das ein Glück, weil die Ersten auf der Liste auch die Ersten bei der Arbeitssuche waren. Ein paar Kilometer weiter im Thörlgraben suchte die Kettenfabrik PEWAG Maschinenschlosser, bekam Gü und damit einen neuen Betriebsrat.
Der alte war bei der SPÖ und galt als „Betriebskaiser“. Gü´s neue Liste holte alle Mandate. Der Kaiser musste zurück an die Werkbank. Gü beschloss, nicht Vorsitzender, sondern sein Stellvertreter zu werden, weil man mit dem alten Gewerken Pengg schnell in Rage geriet und das vielleicht nicht immer das Beste für die Belegschaft war.
Bis zu seiner Pensionierung blieb er dort und hatte das Schönste, was man am Ende haben kann: eine gute Nachrede.
Antifa und Film
Was war noch? Antifaschismus, weil gerade in der Steiermark vieles noch als Altlast auf nächste Chancen wartete und weil Gü nie vergessen hat, wie die Nazis seinen Vater verfolgt hatten; gemeinsame Aktionen mit den Kollegen der Vöest in Linz; und das Kapfenberger „Filmzuckerl“, das zuerst gute Filme in die Böhlerstadt und Kapfenbergerinnen ins Kino brachte und mit den Kapfenberger Filmtagen zum ersten Mal alle aus dem neuen österreichischen Film zusammenbrachte.
Erst kurz vor seinem Tod hat Gü erfahren, dass ihn derselbe bösartige Lungenkrebs, der schon Kurt Kuch das Leben gekostet hat, heimsuchte. Am 13. August ist er daran gestorben.
Am Kapfenberger Friedhof sind wir mit seinem Bruder und seinen Freunden in der Sonne gestanden und haben uns Geschichten erzählt, vom Gü, der gerne in Kapfenberg geblieben ist und vieles gut gemacht hat.
Daran erinnern wir uns gerne.

