Seit Ende August gelten 50-Prozent-Zölle auf kanadische Waren. Ottawa kontert ab 8. September. Während Trump weiter droht, geht Kanada eigene Wege. Der Verlierer sitzt im Weißen Haus.
Am Donnerstag stand Kanadas Premierminister Mark Carney im Alstom-Werk im kanadischen Ontaria und verkündete den größten Auftrag in der Geschichte der Bahngesellschaft VIA Rail: 4,7 Milliarden kanadische Dollar – rund 2,9 Milliarden Euro – für 313 neue Waggons. Gebaut werden sollen sie erstmals seit vier Jahrzehnten wieder in Kanada. Davor kamen die Waggons aus den USA. Ein weiterer schwerer Schlag für Donald Trumps Zoll- und Wirtschaftspolitik.
Wertschöpfung wandert über die Grenze
Von der ersten großen Bestellung für den kanadischen Personenverkehr erwartet sich die Regierung eine Wertschöpfung von 1,6 Milliarden kanadischen Dollar, also fast einer Milliarde Euro. Über 700 Arbeitsplätze werden entstehen, die ansonsten in den USA entstanden wären. „Waggons, die früher in den Vereinigten Staaten gebaut wurden, werden jetzt hier gebaut“, sagte Carney. Erst 2018 investierte die staatliche kanadische VIA Rail fast eine Milliarde in einen Auftrag in Kalifornien. Die Geschäftsbeziehungen mit Werken in den USA enden inmitten des von Trump provozierten Handelskriegs nun.
Eskalation aus Washington
Hintergrund der bewussten politischen Entscheidung ist der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg mit Kanada, das er oft als 51. Bundesstaat bezeichnete und Carney abfällig „Gouverneur“ nennt. Am 22. August ließ Trump 50-Prozent-Zölle auf einige kanadische Waren in Kraft treten. Carney kündigte Gegenzölle im gleichen Ausmaß ab 8. September an. Der US-Präsident drohte daraufhin mit weiteren Zöllen auf Autos, Autoteile und Stahl. In der kanadischen Politik werden die Trump-Zölle als Drohgebärde verstanden und als Versuch, Kanada zu spalten. Carney beschwört Kampfesgeist. Der amerikanische Handelskrieg sei “eine Fehlkalkulation, weil wir alles haben, um das Land zu bauen, das wir wollen“, zitiert Global News den kanadischen Premier.
In einem am Donnerstag millionenfach geteilten Clip bezeichnet Trump Kanada deshalb als größere Belastung als China. Nicht der Umgang mit der asiatischen Volksrepublik sei für die US-Administration am schwierigsten, sondern das Nachbarland Kanada.
Handelskrieg politisches Desaster
Wer in diesem Konflikt verliert, zeigen die Umfragen.
Laut Reuters/Ipsos liegt Trumps Zustimmung bei 33 Prozent, die Ablehnung bei 63 Prozent. Zum Amtsantritt im Jänner 2025 waren es noch 47 Prozent Zustimmung, ein Minus von 14 Prozentpunkten. Es ist der dritte Wert in Folge auf diesem Niveau und der tiefste seiner gesamten politischen Karriere. Selbst Joe Biden lag an seinem Tiefpunkt bei 35 Prozent.
Carney wiederum weiß Trumps Attacken gegen Kanada für sich zu nutzen. Laut dem Umfrageinstitut Liaison Strategies liegt seine Zustimmung bei 60 Prozent. Eine Verbesserung von drei Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die Ablehnung sank um zwei Punkte auf 31 Prozent, der beste Wert seit Mai.
Titelbild: APA-Images / PA / David Jackson

