09. Okt. 2026
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    Datenzentrum? Nein, danke!

    Weiterhin weiß man wenig über Strom- und Wasserverbrauch des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf, sowie über die Ausmaße der Bodenversiegelung. Und das hat seinen Grund: Google will über eine Vertraulichkeitsklausel im EU-Recht die Veröffentlichung von kritischen Informationen über seine Rechenzentren verhindern.

    Eine Psychotherapeutin erzählte mir am Freitag, die größte Sorge ihres Berufsstandes seien gegenwärtige Diskussionen, Therapeutinnen und Therapeuten durch ChatGPT zu ersetzen. Jobverlust und enorme Lebenssteigerungskosten durch den Strom- und Wasserverbrauch der gigantischen Entmenschlichungsmaschine namens Internet sind heute allgegenwärtig.

    Maschine der Diktatur

    Was früher als demokratisch und dezentral gefeiert wurde, ist heute eine Maschine der Diktatur. Und statt dezentral zu sein, braucht man plötzlich gigantische Datenzentren und damit vor allem Strom und Wasser. Was den Wasserverbrauch angeht, lohnt es sich, die Erfahrungen mit Datenzentren anderswo zu analysieren. Es ist zu bedenken, dass Wasser- und Stromverbrauch der Datenzentren stetig steigen. Selbst wenn also die von Google kolportierten Werte stimmen, wird es dabei nicht bleiben. In Der Standard schreibt Peter Illetschko:

    Die Wassermengen sind auch in anderen Rechenzentren ein Thema für öffentliche Kritik: In The Dalles, Oregon, stieg der Wasserbedarf von Googles Rechenzentren zwischen 2012 und 2024 stark an. 2024 wurden rund 4,8 Millionen Liter Wasser pro Tag entnommen. Das entsprach etwa 30 Prozent des durchschnittlichen Wasserbedarfs der gesamten Stadt, heißt es in einem wissenschaftlichen Aufsatz in Plos Water von 2026.

    Kein Zugang zu Informationen

    Wahrscheinlich aber wird es so kommen, dass die korrekten Verbrauchsdaten innerhalb der EU gar nicht veröffentlich werden müssen. Illetschko führt aus:

    Die Plattform Investigate Europe habe herausgefunden, dass Microsoft und DigitalEurope, eine Lobbygruppe zu deren Mitgliedern Amazon, Google und Meta gehören, eine Vertraulichkeitsklausel im EU-Recht erwirkt, um den öffentlichen Zugang zu kritischen Informationen über die Umweltauswirkungen von einzelnen Rechenzentren zu blockieren. Dadurch könne die Öffentlichkeit nicht nachvollziehen, wie viel Wasser und Energie ein konkretes Rechenzentrum tatsächlich verbraucht und welche Auswirkungen es vor Ort hat.

    Längst hat die Frage der Datenzentren in den USA politisches Gewicht. Shane Goldmacher in der New York Times:

    Umfragen zeigen, dass sich eine Revolte gegen Rechenzentren zusammenbraut. Eine im März durchgeführte Gallup-Umfrage ergab, dass 71 Prozent gegen den Bau solcher Zentren in ihrer Region waren, und eine im Sommer durchgeführte Umfrage des Annenberg Public Policy Center der University of Pennsylvania zeigte, dass die Zahl der Menschen, die sich gegen neue Rechenzentren in ihrer Region aussprechen, seit Februar und März um 12 Prozentpunkte gestiegen war. Die Auswirkungen waren so schnell spürbar, dass in einigen Wahlkämpfen, darunter die Gouverneurswahlen in Pennsylvania, Wisconsin und Florida, sowohl Demokraten als auch Republikaner Fernsehspots zum Thema Rechenzentren schalten.

    Chance für US-Demokraten

    Und es wäre auch ein Punkt, an dem der Widerstand gegen Umweltzerstörung und die Entmenschlichung über die Zugehörigkeit zu einem politischen Lager gestellt werden könnte. Ein Bereich also, in dem überparteilich mobilisieren könnte. Goldmacher weiter:

    Zac McCrary, ein demokratischer Meinungsforscher, sagte, dass der Widerstand gegen Rechenzentren den Demokraten eine seltene Chance biete, in ländlichen Gebieten und Kleinstädten Fuß zu fassen, die sich gegen die Bauvorhaben wehren. „Das bringt die parteipolitischen Koalitionen in einem Teil der Welt, in dem die Republikaner bisher dominierten, regelrecht durcheinander“, sagte er. „Es ist eines der wenigen Themen, das heute nicht sofort als ‚rot‘ oder ‚blau‘, als ‚links‘ oder ‚rechts‘ eingestuft wird.“

    Wovor also fürchtet man sich in Österreich? Der Widerstand gegen das Google-Datenzentrum ist überschaubar. Und es gibt nicht einmal eine Bewegung gegen das Datenzentrum, sondern es sind meist Initiativen, die mehr Aufklärung und Mitsprache fordern, wie die Oberösterreichischen Nachrichten am Freitag berichteten:

    Mini-Proteste in Österreich

    Rund 100 Personen fanden sich laut einer Sprecherin der Landespolizeidirektion um 15 Uhr am Linzer Landhausplatz ein. Die Kundgebung war für zwei Stunden anberaumt. Gefordert wurde „mehr Mitsprache bei der Umsetzung des KI-Rechenzentrums in Kronstorf“.

    Das längst der Erosion preisgegebene Engagement der Zivilgesellschaft scheint nicht wiederherstellbar zu sein. Es gibt keinen Sticker mit der Aufschrift Datenzentrum? Nein, danke!, wie 1978 gegen die Atomkraft. Heute ist Österreich von Atomkraftwerken umringt, auf Importe von Atomstrom angewiesen. Und Österreich ist Mitglied der EU, in der Atomstrom als grün ausgezeichnet werden darf. Google investiert angeblich in Oberösterreich. Damit gemeint sind 100 Arbeitsplätze, die angeblich vergeben werden. Die Oberösterreichischen Nachrichten weiter:

    Mit Transparenten ausgerüstet zogen die Demonstranten friedlich über die Landstraße. Zwischenfälle gab es keine, so die Sprecherin. Veranstaltet wurde die Kundgebung von der „Bürgerinnen Initiative Rechenzentrum Kronstorf“. Mehrere Milliarden Euro investiert Google, um in der 3500-Einwohner-Gemeinde Kronstorf im Bezirk Linz-Land ein Rechenzentrum zu errichten. Zur genauen Summe schweigt der US-Konzern.

    Wer sich bei uns um die Umwelt sorgt, haut lieber auf Landesregierungen hin als auf milliardenschwere Konzerne. Dabei könnte man das Thema Bodenversiegelung auch in Fall Kronstorf aufgreifen. Peter Illetschko in Der Standard:

    Unter Kritikern des in Bau befindlichen Google-Rechenzentrums in Kronstorf an der Enns kursiert eine recht unverhohlene Polemik. Dabei werden die durch die Inbetriebnahme des Zentrums versprochenen hundert Arbeitsplätze mit der Fläche des dann verbauten Gebiets, nämlich 50 Hektar (500.000 m²), gegengerechnet. Pro Arbeitskraft würden demnach 5000 Quadratmeter versiegelt werden. Das wäre tatsächlich eine traurige Umweltbilanz.

    Autor

    • Daniel Wisser

      Daniel Wisser ist preisgekrönter Autor von Romanen und Kurzgeschichten. Scharf und genau beschreibt er, wie ein Land das Gleichgewicht verliert.

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