Gerhard Zeiler kann SPÖ-Chef werden, aber nicht Vizekanzler. Daher kann Christian Stocker nicht Bundeskanzler bleiben.
Gerhard Zeiler wird SPÖ-Parteichef. Warum? Ganz einfach: weil die Wiener SPÖ nur grünes Licht gibt, wenn alle wichtigen Parteiampeln umschaltbereit sind. Michael Ludwig setzt sich zu Christoph Dichand ins Zeiler-Boot – und dann wird losgerudert.
Politisch ist das weder ein Rechts- noch ein Linksruck, sondern einfach ein Ruck und damit das, was in der SPÖ viele vermissen. Der einzige Richtungskampf, den die Partei derzeit ausficht, ist ohnehin nur der über oder unter der Wasserlinie.
Für mich ist das Überraschende nicht, dass Babler Konkurrenz bekommt. Die Überraschung ist, dass es einen anderen noch viel härter als Babler trifft: Christian Stocker. Das hat zwei Gründe.
1. Zeiler wird nicht Nummer 2
Wenn Gerhard Zeiler kommt, hat er nicht das Ziel, Bablers Platz einzunehmen und sich dort wie sein Vorgänger abzunützen. Zeiler hat zwei Optionen: nur Parteichef und von dort aus antreiben – oder die kurze Zeit der ersten Strahlkraft nützen, um den Kanzler zurückzuholen. Das heißt
2. Koalitionskrach, gleich oder bald
Zeiler bekommt nur dann die Beine auf den politischen Boden, wenn Stocker jeden Halt verliert. Das geht nur, wenn er als neuer Parteichef ebenso mehrheitsfähige wie für die ÖVP unerfüllbare Forderungen stellt.
Ich gehe davon aus, dass das keine Reichensteuern sind, weil dann Dichand & Co. sofort über Bord wären. Es wird spannend, worauf es Zeiler ankommen lässt – und wann die Kolaition bricht.
Zeiler-Sack zu
Aber was will Zeiler außer Bablers Sessel? Das ist eine gute Frage. Vielleicht hat er sich genau angesehen, warum linke Parteien nicht nur in Deutschland die Sozialdemokraten weit hinter sich lassen. Der Zeiler-Sack ist noch zu und niemand kann wissen, ob er ein neues politisches Projekt für eine alte, müde Partei hat oder ober er sich darauf verlässt, dass ein medienstarker Manager in einem medienschwachen Land ein paar gute Karten hat.
Mit Kurz und Trara
Und noch einmal ÖVP. Der SPÖ ist eines gelungen: Sie hat eine ÖVP-Personaldebatte eröffnet. Dort weiß man jetzt, dass man das Schlimmste verhindern muss: eine Wahl zwischen Zeiler und Stocker. Damit geht es los, mit Kurz und Trara.
p.s.: Es gibt da noch ein Detail: den § 22 des SPÖ-Parteistatuts. Wenn Babler nicht freiwillig geht, müssen zehn Prozent der Mitglieder eine Direktwahl des Parteivorsitzenden durchsetzen. Dazu müssten jetzt einige aus der Deckung, die bis heute gut in ihr gelebt und von dort aus die Partei belebt haben.

Das verlangt Mut, insbesondere, wenn bis zur nächsten Wiener Wahl noch vier Jahre Zeit sind…
Titelbild: APA-Images / APA / GEORG HOCHMUTH,ZackZack

