09. Okt. 2026
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    Mut und Unmut

    Die Absage der Buchpräsentation von Mut, einem Buch von Danielle Spera und Erika Freeman, durch den Österreichischen Journalistenclub (ÖJC) ist ein unmutiges Einknicken, verpackt im Gewand der „Sicherheitsbedenken“.

    Es ist ein seltsames, bitteres Gefühl, wenn eine Organisation, die sich so gerne als Widerstand wider die Unfreiheit und Bollwerk der Aufklärung sehen will, im entscheidenden Moment das Licht ausknipst. Die Absage der Buchpräsentation von Mut, einem Buch von Danielle Spera und Erika Freeman, durch den Österreichischen Journalistenclub (ÖJC) ist kein bürokratischer Akt. Es ist ein unmutiges Einknicken vielerlei Art. Und keine davon ist auch nur irgendwie nachvollziehbar.

    Es ist eine Kapitulation vor einer diffusen Angst, verpackt im Gewand der „Sicherheitsbedenken“. Dieses Gewand besteht aus jenem Stoff, aus dem auch des Kaisers neue Kleider gewebt worden sind, es lässt den Tragenden nackt dastehen. 

    Wenn man Veranstaltungen absagt, weil man „tumultartige Störaktionen“ und „pro-palästinensische Agitationen“ fürchtet, dann schützt man nicht die Beteiligten. Man belohnt mögliche Aggressoren, noch bevor diese überhaupt den Mund aufgemacht haben.

    Es ist die billigste Form der Präventivkapitulation: Man räumt das Feld, stellt den Diskurs ein und überlässt die Arena. Ein Buch über jüdische Frauen ist offenbar bereits eine Gefahr? Nein, es ist der Lackmustest einer schleichenden Selbstaufgabe. 

    Ausgerechnet ein Journalistenclub, dessen innerste DNA die Verteidigung des freien Wortes sein sollte, entscheidet sich für das Schweigen, weil die Security zu aufwendig gewesen wäre. Das ist an Ironie kaum zu überbieten, wäre es nicht so elendig tragisch. Hier ging es um ein Buch über Frauen – um Mut, um Sichtbarkeit, um Lebenswege. Die Antwort darauf? Erzwungene Unsichtbarkeit aus vorauseilendem Gehorsam.

    Das freie Wort ist eben eine feine Sache, solange es niemanden stört, die Sonne scheint und die Sicherheitskosten das Budget nicht belasten. Wenn Demokratie und Meinungsfreiheit allerdings den Preis eines zusätzlichen Türstehers kosten, dann wird es eben eng. Damit muss man rechnen, als jüdische Frau in Wien! Wer unbequeme Debatten oder jüdische Autorinnen aus dem öffentlichen Raum tilgen möchte, muss ab jetzt nicht einmal mehr laut schreien. Ein kurzes, böses Schauen im Vorfeld genügt.

    Die Freiheit des Wortes gilt nicht nur dann, wenn das Wetter schön und die politische Großwetterlage windstill ist. Sie muss genau und erst recht dann verteidigt werden, wenn es ungemütlich wird. Wenn wir anfangen, den Kulturraum nach dem Grad der potenziellen Bedrohung zu parzellieren, haben wir schon verloren. Egal, um welche Minderheit es sich dabei handelt. Glücklicherweise gibt es genug andere Orte, an denen man keine Angst hat, die beiden Autorinnen einzuladen. Es steht also doch nicht so schlecht um die österreichische Demokratie.


    Titelbild: Miriam Moné

    Autor

    • Julya Rabinowich

      Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

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