Gerhard Zeiler hat sich für Boulevard und ÖVP durchs Österreich-Dorf treiben lassen. Jetzt geht es um SPÖ-Chef Babler. Justizministerin Sporrer könnte die nächste sein, weil man sich von Pilnacek bis Inseratenkorruption auch auf sie nicht verlassen kann.
Erst wenn man durchs Dorf getrieben wird, dämmert es einem, dass man diesmal selbst die Sau ist. Irgendwann in nächster Zukunft wird dieses Gefühl Gerhard Zeiler beschleichen.
Der noch immer Warner- und sicher nicht SPÖ-Chef soll, wie der Boulevard berichtet, längst außer Landes sein, auf Urlaub oder für Warner oder beides. Bei seiner kaum vorbereiteten Parteivorsitz-Stippvisite hat er an der SPÖ gerüttelt und sich gewundert, dass ihm der Parteivorsitz nicht in den Schoß gefallen ist.
Also stelle ich mir die erste Frage: Was ist in den Medienprofi Zeiler gefahren? Wie kann man glauben, mit ein paar eingelernten Sätzen über die wirtschaftlichen Lehren von der Milchgewinnung aus dem Kuhbauch durch TV und Boulevard zu tingeln und dafür zum Vizekanzler designiert zu werden? Warum hat er sich als Strohfeuer verheizen lassen?
Ich vermute, Zeiler hat nicht genau gewusst, was er tut. Aber wer hat es an seiner Stelle gewusst? Das ist die zweite Frage. Auf die fallen mir die üblichen drei Buchstaben ein: ÖVP. Und wer hat es eingefädelt? Das sollte nicht nur die SPÖ interessieren.
Aus dem Zylinder
Es war traditionell orchestriert. Die Krone zaubert Zeiler aus dem Zylinder. Zeiler geht mit dem Zylinder von Redaktion zu Redaktion und zeigt, wie man aus ihm springt. Wahrscheinlich hat er als einziger nicht gewusst, dass man Babler mit “Gerhard Hupf” nicht loswird und dass das auch nicht das Ziel ist. Das Ziel war wohl, Babler genau zu dem Zeitpunkt lahm zu schießen, an dem die ÖVP seine Medienreform platzen lassen wollte.
Die ist jetzt vom Tisch und damit der erste ernsthafte politische Versuch, Inseratenkorruption einzudämmen und neue, unabhängige Medien zu fördern. Zeiler war die Geheimwaffe, mit der der korrupte Boulevard mit seiner Hauptpartei gezeigt hat, wozu er fähig ist.
Das, was sich von Krone und Heute bis Kurier und Österreich immer noch „Zeitung“ nennt, ist wieder im Geschäft – und zeilert weiter, wohl auch, damit es die zweite große Geschichte auslassen kann. Die kommt von der WKStA.
Gamechanger und Dealstörer
In einem 440 Seiten-Bericht hat die WKStA dem Pilnacek-U-Ausschuss eine Fundgrube geöffnet. Einiges müssen wir neu sehen: Pilnacek hat nicht mit der ÖVP gedealt, er war der Maulwurf der ÖVP in der Strafjustiz. Auch als suspendierter Sektionschef hat er sich für die Partei und ihre Günstlinge von Sigi Wolf bis Karl Heinz Grasser und von Sebastian Kurz bis Bernhard Bonelli ins Zeug gelegt. Dabei spielten hochangesehene Rechtsanwälte aus bekannten Kanzleien bemerkenswerte Rollen.
Mit dem Bericht ist klar, warum die St- Pöltner Kripo ohne Auftrag der Staatsanwaltschaft so engagiert nach Pilnaceks Laptop gesucht hat. Er war die Bombe, die im Gegensatz zu Handy und Smartwatch nicht mehr rechtzeitig entschärft werden konnte.
In Deutschland, Frankreich oder Italien wäre ein derartiger Bericht der Gamechanger. In Österreich ist er nichts, weil er der Dealstörer ist. Wie schon öfter sind der Standard, ZackZack und die Dunkelkammer die einzigen, die gründlich berichten. Früher hätte man sich zumindest auf profil und Falter verlassen können. Aber auch diese Zeiten sind wohl vorbei.
Korruptions-Pipeline
Die Zeiler-Zauberer wollen weiter das, was sie zum guten Leben brauchen: Millionen von der Regierung. Die bekommen sie unter zwei Voraussetzungen: Die Pipeline, die die Millionen aus dem Budget in den Boulevard leitet, darf nicht von Babler und seiner Partei unterbrochen werden. Und: Der WKStA muss der Zahn gezogen werden.
Wenn es nach den Plänen des Rechtsstaats geht, beginnen schon bald die ersten Prozesse wegen Inseratenkorruption. Da werden sich neben Kurz & Co. Spitzen des Boulevards verantworten müssen. Wenn man der WKStA freie Hand lässt, wird es brenzlig. Wenn man sie über die Oberstaatsanwaltschaft Wien rechtzeitig unter Kontrolle bekommt, ist die Gefahr gebannt.
Aber vielleicht verlangt Gerhard Zeiler bei seiner nächsten Stippvisite in Wien den Posten des Justizministers. Das wäre die passende Begleitmusik für eine ÖVP, die neben der Medienreform längst die Justizreform mit SLAPP-Verbot und einer Bundesanwaltschaft, die der WKStA endlich Unabhängigkeit von der Pilnacek-Altlast „OStA Wien“ bringen soll, sabotiert. Zeiler weiß sicher, wie die KroneHeuteÖsterreichKurier-Kuh weiter gut gefüttert werden kann.
Wir tun jedenfalls unser Bestes und berichten weiter, auch, wenn das SPÖ-Schlachten seriösen Investigativ-Journalismus immer öfter übertönt. Schon morgen kommen die nächsten Folgen aus der Geschichte, die für die ÖVP, ihre Staatsanwälte, Polizeispitzen und Rechtsanwälte noch längst nicht vorbei ist.

