Eine Welt der Nullen

Kickl kommentiert

Gernot Blümel hatte im Budget sechs Nullen vergessen, zum Ausgleich hat die Commerzialbank Mattersburg ein paar Nullen zu viel in der Bilanz. Vielleicht waren sie von WireCard inspiriert.

Wien 18. Juli 2020 | Sage und schreibe 1,9 Milliarden Euro hat WireCard faktisch erfunden. Auch wenn sich das Unternehmen in Deutschland befindet, so waren doch zwei Österreicher maßgeblich am (Miss)Erfolg beteiligt.

Der eine, Markus Braun, stellte sich den Behörden und wurde gegen eine Kaution mit vielen Nullen, nämlich fünf Millionen Euro, wieder auf freien Fuß gesetzt. So schnell, wie sich Sebastian Kurz von Braun distanzierte, der doch ein „mitwirkender Experte“ in des Kanzlers Stabstelle „Think Austria“ gewesen war, konnte man gar nicht bis drei zählen.

Der andere, Jan Marsalek, hat es vorgezogen, das Weite zu suchen und ist bis dato unauffindbar.

Auch im Burgenland tummelten sich ein paar Nullen zu viel, konkret in den Bilanzen der Commerzialbank Mattersburg. Der Schaden für die gutgläubige Kundschaft ist noch ebenso wenig abzusehen, wie das baldige Auffinden von Jan Marsalek.

Sowohl bei WireCard als auch im Falle der Commerzialbank Mattersburg stellt sich die Frage: wie konnte es passieren, dass trotz regelmäßiger Finanzprüfung die Unregelmäßigkeiten derart überhand nahmen?

Unternehmen prüfen Unternehmen

Die Commerzialbank war von einem Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen kontrolliert worden, wobei davon auszugehen ist (es gilt die Unschuldsvermutung!), dass die Bilanzen der Bank frisiert und vom Wirtschaftsprüfer vermutlich falsch testiert wurden.

Auch bei WireCard war es ein selbständiges und unabhängiges Unternehmen im Bereich Wirtschaftsprüfung, dem jahrelang „nichts aufgefallen“ war. Dasselbe Unternehmen übrigens, das wegen Bilanztricks für die Lehman Brothers 2010 angeklagt worden war. Im April 2015 zahlte besagter Wirtschaftsprüfer ein paar Nullen für einen Vergleich, konkret zehn Millionen US-Dollar.

Die Moral der Nullen

Was dem einen an Nullen fehlt, haben andere zu viel. Wer in der aktuell besonders angespannten Covid-Situation auf seinen Kontostand schaut, würde sich vermutlich auch über die eine oder andere Null mehr als nur freuen.

Aber so ist die Welt nun mal. Wenn der Moralpegel gen Null geht, klappt‘s auch eher mit vielen Nullen am Konto. Und wenn sich jene, die nur über eine einzige Null im Börsel verfügen, dieses Faktum weiterhin ungerührt hinnehmen, wird sich das auch nicht ändern.

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

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Titelbild: APA Picturedesk

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