Codo der Dritte…

Kickl kommentiert

… aus der Sternenmitte“ hatte nur eine Mission, und die war, den hässlichen Hass im Sauseschritt und mit Liebe zu bezwingen. Jetzt aber soll dem „Hass im Netz“ per Gesetz der Garaus gemacht werden.

Wien, 15. August 2020 | Ob es dem Streben nach Koalition geschuldet war oder einfach ehrlichen Egoismus ausdrückte (wobei beide Varianten einander nicht ausschließen), als Alma Zadic, sich bereits als Justizministerin wähnend, nachstehenden Satz von sich gab, werden wir nie wissen. Fest stehen indes ihre Worte am Grünen Bundeskongress am 04.01.2020:

„Gewalt und Hass im Netz ist ein Thema, dass uns ständig begleitet und ein Thema, wo wir alle, insbesondere wir Grüne, besonders betroffen sind!“

Ja, es gibt Wortmeldungen, die wir alle lieber nicht lesen würden.

Ja, es gibt grausliche und/oder fadisierte Menschen, die ausnehmend ungustiöse Dinge schreiben.

Aber ist das Löschen derartiger Kommentare wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Eine Frage der Ehre

In einem Gesetzesentwurf vom 03.08.2020, der dem Krone-Journalisten Claus Pándi zugespielt wurde, welcher einige Passagen daraus auf Twitter veröffentlicht hatte, war unter anderem zu lesen, dass die „Verletzung der Ehre einer Person“ unter gewissen Umständen einen Straftatbestand erfüllen kann.

Nun denn. Das kann wohl recht rasch passieren, dass man sich „in seiner Ehre verletzt fühlt“. Fühlen darf man ja viel, warum auch nicht. Es ist bleibt jedoch die Frage, ob ein Gefühl der Verletztheit jemand anderen im schlimmsten Fall hinter Schloß und Riegel bringen darf.

Sind es ehrlich zutiefst verletzte Menschen, die künftig ohne die vor dem Richter beklagten Worte ein glückliches, zufriedenes Leben geführt hätten? Wird vielleicht diese eine Wortmeldung nur der Tropfen gewesen sein, der das Faß des Erträglichen zum Überlaufen brachte, und für das der eine Beschuldigte nun büßen muss?

Defend Free Speech

In seiner Rede zur Kampagne „Defend Free Speech“ hat Rowan Atkinson (aka Mr. Bean) gemeint, wir müssten uns alle ein bisserl immunisieren. Wie Kinder, die oft krank sind, damit der Körper das Immunsystem aufbauen kann.

“We need to build our immunity to taking offence … This includes the right to insult or to offend“

Was mich an die Geschichte von Lady Astor und Winston Churchill erinnert, von der man sagt, der nachstehende Dialog hätte so stattgefunden. Lady Astor soll zu Winston Churchill gesagt haben:

“If I were your wife I would put poison in your coffee!”

Ich gehe davon aus, dass eine derartige Aussage, verschriftlicht in einem sozialen Medium, bereits potentiell strafbar sein könnte. Damals und in der realen Welt sah Winston Churchill das Angebot milder und konterte:

“And if I were your husband I would drink it.”

Wollen wir hoffen, dass derartige Antworten auch in Zukunft möglich sein werden und dass wir uns alle dort immunisieren, wo es richtig ist. Damit wir den Fokus wieder dahin lenken können, wo er wichtig ist: auf eine sozial gerechte und angstfreie Zukunft.

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin auf: https://danielakickl.com/

Titelbild: APA Picturedesk

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