Wien, 20. Oktober 2019,

  • ist mit 36 Jahren die Jugendhoffnung der SPÖ
  • galt im Wahlkampf 2019 als parteiinterner Querschießer, und hört auch nach der Wahl nicht damit auf
  • will angeblich in der SPÖ ganz hinauf, hätte aber nach einem unappetitlichen Sexismus-Sager beinahe seine Polit-Karriere vorzeitig beenden müssen

Profil:

Vom Bürgermeister zum SPÖ-Hausmeister – das ist möglicherweise das Karriereziel des Georg Dornauer. Und die SPÖ wurde ihm in die Wiege gelegt: Georg Dornauer sen. ist ein sozialdemokratisches Urgestein. Von 2003 bis 2008 und von 2013 bis 2018 war der Papa des jungen Georg sogar im Tiroler Landtag. Doch bei einem politischen Amt hat der Junior den Senior schon überflügelt: Vater Dornauer schaffte es in der Heimatgemeinde Sellrain nur zum Vize-Bürgermeister, doch der Sohn sitzt seit 2016 im Bürgermeister-Sessel. Sellrain ist offensichtlich in der Hand der Familie Dornauer. Pikant: Auch als Geschäftsführer des Gemeindeunternehmens Sellrain/Fotsch Wasserkraft GesmbH werkt Georg Dornauer Jun.

Als SPÖ-Sohn sah er sich offenbar prädestiniert für Politik – und studierte Politikwissenschaft. Sogar bis zum Doktor. Mittlerweile werden ihm große Karriereziele nachgesagt, mit dem Bürgermeister-Stuhl gibt, er sich nicht zufrieden. Schon zwei Jahre später nutzte er die Gunst der Stunde, als die damalige SPÖ-Tirol-Chefin, Elisabeth Blanik, zurückgetreten war und schnappte sich den Tiroler Chef-Sessel.

Doch nur 3 (!) Tage nach der Übernahme wäre es beinahe mit der Karriere vorbei gewesen: Nach einem sexistischen Ausfall im Landtag gegenüber einer krankheitsbedingten Abwesenheit einer Grünen-Politikerin, zog Rendi-Wagner die Reißleine. Sie sagte: „Ich habe die Konsequenzen gezogen und deshalb wird er keine bundespolitischen Funktionen – weder im Präsidium noch im Vorstand – übernehmen.“

Aber das Wort der Chefin hielt nicht. Stattdessen wurde Dornauer am 2. Juni 2019 sogar befördert und in das Bundesparteipräsidium und den Bundesvorstand der SPÖ aufgenommen. Sein Aufstieg in der Partei geht also weiter, unabhängig von einer Wahlblamage in Tirol und obwohl er der Parteichefin immer wieder öffentlich widerspricht.

Interessantes:

Dornauer ist Doktor der Politikwissenschaft. Er promovierte mit dem Titel: Ursachen und Hintergründe für die Hegemonie der ÖVP in Tirol. Offenbar kennt er die ÖVP sehr gut. Wollte er deshalb den ÖVP-Personenkult nachahmen, als er im Sommer die altehrwürdige rote SPÖ-Rose an der Parteizentrale mit seinem Gesicht überklebte? Wäre er gerne der Sebastian Kurz der SPÖ?

(wh)

Titelbild: APA, Grafik: ZackZack

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