Seit Anfang Oktober gehen die Bürger Chiles auf die Straßen, um gegen die Arm-Reich-Schere zu demonstrieren. Bereits 18 Tote sind seit Beginn der Demonstrationen zu beklagen. Der Präsident des Landes ging sogar soweit, der eigenen Bevölkerung den Krieg zu erklären. Doch wieso protestieren die Bewohner des Landes gegen die Regierung des ehemaligen lateinamerikanischen Vorzeigestaates?

Wien, 25. Oktober 2019 / Lange Zeit galt Chile als das Vorzeigeland Lateinamerikas. Solides Wirtschaftswachstum, eine stabile Regierung. Seit Anfang Oktober protestieren die Bewohner gegen den neoliberalen Kurs der Regierung, der die Arm-Reich-Schere zunehmend vergrößert. Auslöser war die Erhöhung der U-Bahn-Preise um 30 Pesos, umgerechnet 4 Cent. Die geringe Erhöhung wird nur als symbolischer Auslöser der Proteste gesehen, die Regierung nahm die Erhöhung mittlerweile zurück. Kaum zu glauben: Das Durchschnittseinkommen in Chile beträgt ungefähr 500 Euro, ein Drittel davon gibt die Bevölkerung für Transportkosten aus. Die Kluft der chilenischen Einkommen ist besonders hoch, die Pensionen niedrig und das Gesundheitswesen nicht für jeden leistbar.

Polizei gegen Bevölkerung

Die Bevölkerung ließ sich die Erhöhung nicht gefallen. Studenten und Schüler organisierten kollektives Schwarzfahren, indem sie über die Barrieren sprangen. Polizisten rückten mit Tränengas aus, um die Studenten festzunehmen und mit Knüppeln niederzuprügeln. Die Situation eskalierte. Brandanschläge und Vandalismus wurden zur Tagesordnung.

Präsident gegen Bevölkerung

Die Regierung, die den neoliberalen Kurs des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet (1973-1990) fortführte, reagierte auf die plötzlichen Proteste der Bevölkerung panisch. Sie rief den Notstand aus und verhängte eine Ausgangsperre, ein Mittel, dass das letzte Mal 1987 unter der Pinochet-Militärdiktatur eingesetzt wurde. Der konservative Präsident Sebastián Piñera erklärte den eigenen Staatsbürgern sogar den Krieg! Das Militär rückte aus, mehrere Ton- und Bildaufnahmen zeigen, dass Piñeras Offiziere den Streitkräften das Eröffnen des Feuers auf die eigene Bevölkerung anordnete.

Staatsmedien gegen Bevölkerung

Mittlerweile ließ Piñera über die staatsnahen Medien verlautbaren, dass es sich nur um kleine Splittergruppen auf den Straßen handle, die für eine Veränderung im Land demonstrieren. Bilder werden nur veröffentlicht, wenn Zerstörung und Vandalismus der Demonstranten zu sehen sind. Auf den Social-Media-Kanälen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Wild um sich schießende Militäreinheiten und schwer verletzte Demonstranten sind tausendfach auf Facebook, Twitter und Co. zu sehen. Das Einschreiten des Militärs forderte bereits 18 Todesopfer.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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