Skandalkalender: Türchen 8

Krankenhaus Nord

Hinter Türchen Nummer 8 steht dieses Mal sogar ein ganzes Bauwerk, sein Schutzwall und die rote Stadt dahinter.

Wien, 08. Dezember 2019 /„Niemand hat die Absicht, hier ein Krankenhaus zu bauen.“ Zumindest fühlte es sich im Norden Wiens für 13 Jahre so an.

Das Krankenhaus Nord verbirgt sich hinter dem achten Türchen unseres Skandalkalenders. Seit Juni ist das Skandal-Spital offiziell eröffnet. Der Bau des mittlerweile in Klinik Floridsdorf unbenannten Projekts war von einer Schlagzeile nach der anderen geprägt.

Drei Jahre Bauzeit geplant

2006 begann die erste Ausschreibung für das geplante Krankenhaus, als offizieller Startschuss für das Projekt. 2008 plante man, dass der Bau mit 2010 beginnen und 2013 abgeschlossen sein soll. Federführend damals die ehemalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Der ungefähre Kostenvoranschlag für den gesamten Bau belief sich auf ungefähr 600 Millionen Euro.

Das Krankenhaus sollte jedoch jegliche Dimensionen sprengen. Bauverzögerungen und besonders turbulente Baupraktiken sollten die Kosten in die Höhe treiben. Ein paar Schmankerl gefällig?

Für eine Bauzaunwartung wurden 839.000 Euro veranschlagt, was ungefähr dem 60-fachen Preis eines solchen Dienstes entspricht. 610.000 Euro für einen Brunnen, der nie errichtet wurde. Ein Energetiker legte einen Schutzwall rund um das Krankenhaus: Kostenpunkt 95.000 Euro. Weiters ein Kaffeeautomatentest um stolze 18.000 Euro.

Rechnungshofbericht: Katastrophal

Der Rechnungshof stellte dem Krankenhaus ein katastrophales Urteil aus und auch die Wiener Opposition sparte nicht mit Kritik an der SPÖ, vor allem an Wehsely und dem ehemaligen Wohnbaustadtrat und heutigen Bürgermeister Michael Ludwig.

Schlussendlich steht das Krankenhaus nun seit Juni dieses Jahres. Doch auch nach der Eröffnung sollten die Negativschlagzeilen nicht aufhören. Baumängel sind noch immer ein Teil der Klinik. Die Zahlen über die Endkosten des Krankenhaus Nord liegen schätzungsweise bei 1,6 Milliarden Euro, also eine gute Milliarde über dem veranschlagten Budget. Die in der eigens für das Krankenhaus einberufenen Untersuchungskommission befragte Wehsely sagte über das Krankenhaus: „Ich würde es heute genau so tun“. Klingt fast wie eine Drohung.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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