Skandalkalender: Türchen 10

AKH-SKANDAL

Hinter Türchen Nummer Zehn stehen ein Sumpf und eine Saure Wiese, die eine dringende Trockenlegung notwendig hatten.

Wien, 10. Dezember 2019/ In den 50er Jahren beschließt die Stadt Wien, dass sie ein neues modernes Krankenhaus benötigt. Die veranschlagten Kosten:  rund eine Milliarde Schilling. Schlussendlich sollten die Kosten auf sagenhafte 45 Milliarden Schilling steigen. Die zuständige MA 17 wird jedoch erst 1972 mit der Durchführung des Krankenhausbaus beauftragt.

Schmiergeld, Untreue, Betrug

Im Jahr 1980 deckt der „Profil“-Journalist Alfred Worm Schmiergeldzahlungen von Firmen, die sich am Bau des Megakomplexes beteiligten, auf. Im Zentrum der Vorwürfe steht der technische Direktor der Planungs- und Errichtungsgesellschaft AKPE. Er wird wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue zu acht Jahren Haft verurteilt.

Untersuchungsausschuss

Der Skandal um das Spital sollte jedoch eine politische Dimension erhalten. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sollte Klarheit über die Verwicklungen der SPÖ mit dem Krankenhaus bringen, schließlich trugen die Kosten zur Hälfte die Stadt Wien, zum anderen der Bund.

Androsch zur Hilfe

Gerüchte über die Beteiligung der Steuerberatungskanzlei Consultio des ehemaligen Finanzministers Hannes Androsch (SPÖ) werden laut. Der Vorwurf lautet: Geheime Parteienfinanzierung. Neben Androsch gerät auch noch der Wiener Bürgermeister Leopold Gratz ins Visier der Justiz. Gratz fragte demnach bei Androsch an, ob er den sich lang hinziehenden Bau des Krankenhauses nicht beschleunigen könne. Androsch hatte sich mit seiner Kanzlei Jahre zuvor beim Bau der UNO-City, die in Mindestbauzeit fertiggestellt worden war, bewiesen.

Kreisky gegen Androsch

Androsch sah die Vorwürfe stets als politisches Kalkül des damaligen Bundeskanzler Kreisky. Das Verhältnis der beiden SPÖ-Stars zueinander verschelchterte sich zunehmend. Vor Gericht war Androsch keine Verwickelung mit Unrechtmäßigkeiten beim Bau des Krankenhauses anzulasten. Seine politische Karriere sollte jedoch AKH ein Ende finden durch die Causa . Bundespräsident Kirchschlägers Aufforderung zur Untersuchung der Affäre sollte zum geflügelten Wort werden. Man müsse, so Kirchschläger, mit dem Trockenlegen der Sümpfe und sauren Wiesen beginnen“.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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