Pro und Contra: Kopftuchverbot für Lehrerinnen

Pro

Lehrerinnen bestimmen die wichtigsten Jahre von heranwachsenden Kindern. Umso wichtiger ist es, dass sie ein gutes Vorbild sind. Natürlich herrscht in Österreich Religionsfreiheit und natürlich kann sich jeder anziehen, wie und was er will.

Kopftuch mehr als Kleidungsstück

Das Kopftuch ist aber mehr als ein Kleidungsstück. Das Kopftuch ist ein Symbol für eine engstirnige, fundamentalistische Weltanschauung. Ob die Person die Weltanschauung auch tatsächlich vertritt, ist nebensächlich. Die Schule muss ein Ort sein, wo sich junge Menschen entfalten können und eigene Philosophien, Meinungen, Weltanschauungen und Interessen bilden sollen. Die Entscheidung, ob sie an Gott glauben oder nicht, muss Teil dieses Prozesses sein.

Objektivität zweifelhaft

Es kann in religiösen Gewändern, und dazu zählt das Kopftuch, nicht objektiv über Nietzsche und Goethe referiert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich genauso objektiv mit dem Atheimus beschäftigen, wie mit (fundamentalistischen) Religionen und Sekten. Alles, was das Fortkommen von Heranwachsenden beeinträchtigen könnte, ist zu unterlassen. Dieses Risiko muss und darf der Staat nicht eingehen.

Trennung zwischen Kirche und Staat

Österreich ist auch ein demokratischer Verfassungsstaat, in welchem es ein strenge Trennung zwischen Kirche und Staat gibt. Religiöse Symbole und Religionsvertreter haben außerhalb des Religionsunterrichts nichts verloren. Religion hat Privatsache zu sein. Als Lehrer ist man allerdings eine öffentliche Person und hat sich auch entsprechend zu verhalten. Es gibt ein gewisses Neutralitätsgebot – welches auch bei Polizisten, Richter, etc. herrscht. Wer sich durch eine Kopftuchverbot für Lehrer zu sehr beeinträchtigt fühlt, sollte entweder nicht Lehrer werden – oder sich einen anderen Beruf suchen.

(fr)

Contra

Die ÖVP-Integrationsministerin stellt die Einführung eines Kopftuchverbots für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen in Aussicht – scheinbar ohne Absprache mit dem Koalitionspartner, und ohne, dass dieser Punkt im Regierungsprogramm verankert wäre. Genauso willkürlich, wie hier ein ÖVP-Thema aus dem Hut gezaubert wird, ist das angedachte Kopftuchverbot für Lehrerinnen an sich. In der Schule geht es um qualitativ hochwertigen Unterricht – darum sollte sich die Regierung kümmern. Das Tragen eines Kopftuches hat allerdings genauso wenig Einfluss auf die Qualität des Unterrichts, wie das Tragen einer Halskette mit Kruzifix.

Verbot richtet sich gegen Menschenrechte

Seien wir ehrlich: es geht hier in Wirklichkeit nicht um die Frage: Kopftuch ja oder nein? Es geht um das Agieren gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe sowie gegen eine anerkannte Glaubenspraxis. Diese wird hier nicht nur kriminalisiert, es wird auch in die persönliche Freiheit von Frauen, sich zu kleiden, wie sie wollen, eingegriffen. Es wird versucht, ein Kopftuchverbot als im Sinne der Gleichstellung zu verkaufen – dabei richtet sich ein solches Verbot gegen menschliche Grund- und Frauenrechte. In weiterer Folge lernen unsere Schüler, dass ein solcher menschenrechtswidriger Eingriff in die persönliche Freiheit in Ordnung wäre.

Verbietet das Kruzifix!

Denn: Würde sich das Verbot gegen das Kopftuch als religiöses Symbol richten, müsste ein generelles Verbot religiöser Symbole an öffentlichen Schulen diskutiert werden. Die ÖVP will ihre Kruzifixe aber neben den Fotos ihrer Landeshauptleute brav an den Klassenzimmerwänden hängen lassen. Christlich-katholisch ist gut, muslimisch ist böse. Diese menschenverachtende Message kommt unterm Strich dabei heraus.

Für die persönliche Freiheit

Es muss Lehrern wie Lehrerinnen an öffentlichen Schulen gleichermaßen erlaubt sein, ein Kreuz um den Hals zu tragen, wie ein Kopftuch aufzusetzen oder einen Knödel am Kopf zu tragen. Hier geht es um persönliche Freiheit – und um Glaubensfreiheit. Diese ist in §14 des österreichischen Staatsgrundgesetzes und in §9 der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Ein Kopftuchverbot wäre mit keinem der genannten Gesetze vereinbar. Dies wird vermutlich auch die Beschwerde der Islamischen Glaubensgemeinschaft beim Verfassungsgerichtshof zeigen.

(lb)

 

Titelbild: APA Picturedesk

Fari Ramic kommentiert pro Kopftuchverbot für Lehrerinnen

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