Europa versinkt im Atommüll

Europa hat keine Lösung für Zehntausende Tonnen von hochradioaktivem Atommüll. Ein Großteil ist bei den Kraftwerken selbst deponiert. 

Wien, 5. Februar 2020 / Mehr als 60.000 Tonnen hochradioaktiver Müll aus Atomkraftwerken werden einem Bericht zufolge derzeit in Europa gelagert – ohne dauerhafte Lösung für die Entsorgung. Finnland sei weltweit das einzige Land, das ein Endlager für diese Abfälle baue, heißt es im „World Nuclear Waste Report“, den die Heinrich-Böll-Stiftung am Mittwoch in Brüssel vorstellte.

Europäische Zwischenlager fast voll

Mitfinanziert wurde der Bericht von den Europäischen Grünen. Die Frage nach langfristiger Lagerung dränge zunehmend, da einige europäische Zwischenlager mittlerweile fast voll seien, heißt es in dem knapp 150-seitigen Papier. Ein Großteil des hochradioaktiven Mülls ist dem Bericht zufolge in sogenannten Abklingbecken an den Kraftwerken deponiert. Neben den abgebrannten Brennstoffen fallen in Atommeilern auch schwächer radioaktive Abfälle an, die ebenfalls entsorgt werden müssen.

Entsorgung auf Steuerzahler-Kosten?

Auch für die Entsorgungskosten gibt es europaweit keine einheitliche Lösung, wie es weiter hieß. Die meisten Regierungen beriefen sich zwar auf das sogenannte Verursacherprinzip, wonach Kraftwerksbetreiber für die Entsorgung aufkommen müssten. Vielerorts werde dieses Prinzip jedoch nicht konsequent umgesetzt – zum Nachteil der Steuerzahler.

Atommüll: 900 Meter hohes Fußballfeld

Bis die letzten der laufenden Reaktoren vom Netz gegangen sind, könnte der europäische Atommüllberg Schätzungen der Autoren zufolge so groß wie ein Fußballfeld und mehr als 900 Meter hoch sein. Gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und der Ukraine sei Deutschland für einen Großteil dieses strahlenden Mülls verantwortlich.

„World Nuclear Waste Report“

Der „World Nuclear Waste Report“ beschäftigt sich mit Daten verschiedener europäischer Länder innerhalb und außerhalb der EU. Ein besonderer Fokus liegt unter anderem auf Deutschland, Frankreich, Tschechien und der Schweiz.

(apa)

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Titelbild: Pixabay

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