Charlie und die Karikaturenfabrik

Kickl kommentiert

Die erneute Veröffentlichung der Karikaturen mit dem Propheten Mohammed hat in Frankreich einen Lehrer den Kopf gekostet. In Nizza wurden drei Menschen getötet, ein Opfer ebenfalls geköpft. Wo bleibt der laute Aufschrei?

Wien, 31. Oktober 2020 | War es sehr diplomatisch von Charlie Hebdo, dem in Paris ansässigen (linken) Satiremagazin, im Konflikt zwischen Erdogan und Macron eine Karikatur mit dem Präsidenten der Türkei anzufertigen?

Nein, natürlich nicht. Die Aufgabe von Satire ist auch nicht die Schmeichelei, sondern die kontroversielle Darstellung, die einen Spiegel vorhält. Je eher man sich in diesem selbst erkennt, desto weniger Freude bereitet sie, ist doch die hohe Kunst des „Über sich selbst Lachens“ nur den allerwenigsten gegeben.

Jeder hat das Recht, beleidigt zu sein. So wie jeder das Recht hat, beim Anderen eben diese beleidigte Leberwurst zum Leben zu erwecken.

Der fehlende Aufschrei

So groß die Empörung an den Karikaturen selbst war, so leise sind die Stimmen, wenn es um die Morde geht. Warum?

Rechte Einzeltäter wie Anders Behring Breivik (Norwegen) oder Brenton Tarrant (Neuseeland) werden als Ausgeburten einer immanent islamfeindlichen Gesellschaft betrachtet, an der wir freilich alle mitschuldig angeblich sind. Islamistisch motivierte Taten dagegen werden mit ebendieser Islamfeindlichkeit begründet, wobei diesen Tätern aber auch ein gewisser Opferstatus zugestanden wird.

„Der Spiegel“ erklärte Macron nach der Enthauptung Samuel Patys zum „Verlierer der Woche“, weil er den Konflikt mit muslimischen Staaten anheizen würde. Andere Medien berichteten von „Öl, das seitens der französischen Regierung ins Feuer gegossen werde“ oder fanden gar, man hätte den Mord an dem Lehrer „aufgebauscht“.

Der dermaßen provozierte muslimische Mörder tut zwar immer noch Unrechtes, aber ein bisschen muss man ihn also schon auch verstehen können.

Eine Gesellschaft, in der man nicht provozieren, beleidigen und Gefühle aller Art verletzen darf, ohne sich der Gefahr des Kopfverlustes auszusetzen, hat das Attribut „Freiheit“ nicht verdient.

Oder, wie Rowan Atkinson in seiner legendären Rede zum Thema „Free Speech“ gesagt hat:

“If we want a robust society, we need more robust dialogue and that must include the RIGHT to INSULT or to OFFEND. Because, as someone once said, the freedom to be inoffensive is no freedom at all.”

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin auf: https://danielakickl.com/

Titelbild: APA Picturedesk

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